WÜRZBURG

Unmut in der Club-Szene: Posthalle als Disco-Areal

Rockröhre Stefanie Heinzmann spielte im Oktober 2008 vor ausverkauftem Haus in der Posthalle. Die Betreiber streben nun eine dauerhafte Nutzung als Veranstaltungshalle an. Foto: FOTO Christoph Weiß

Eine durchwegs positive Bilanz zieht die Betreiberin der Posthalle, die Firma PH-Events. Seit der neuen Nutzung als Musikhalle im Juni 2008 fanden etwa 50 Veranstaltungen statt, 40 000 Besucher tummelten sich bei Konzerten und Disco-Abenden. Doch gerade wegen des Disco-Betriebes gibt es nach Informationen dieser Zeitung Ärger.

Die Posthallen-Betreiber haben neben all den positiven Aspekten und Zahlen ein großes Problem, das sie so deutlich machen: „Die Stadt wollte bisher einer Nutzungsänderung der Posthalle nicht zustimmen. Dennoch haben wir große Investitionen getätigt“, so Geschäftsführer Jojo Schulz. „Mittlerweile ist uns seitens der Stadt eine Planungssicherheit für Veranstaltungen immer für ein Jahr im Voraus eingeräumt worden – allerdings stets unter Vorbehalt und Einzelprüfung. Zahlreiche Engagements leiden unter diesen erschwerten Bedingungen“, resümiert Schulz.

Allerdings war das bisher auch der politische Wille der Rathausspitze. OB Georg Rosenthal hatte für die Posthalle deutlich gemacht, er wolle keine längerfristige Nutzungsänderung, so lange es kein Gesamtkonzept für den gesamten Bahnhofsbereich gebe.

In den nächsten Gesprächen mit den Verantwortlichen der Stadt Würzburg und vor allem des Stadt-rates will Schulz nach seiner positiven Zwischenbilanz des Probebetriebs nun ansprechen, ob eine dauerhafte Nutzung, somit auch eine Nutzungsänderung der Posthalle, über die Einreichung eines Bauantrages erfolgen kann.

Nach Informationen dieser Zeitung wird es in dem Gespräch aber auch über die Nutzung der Posthalle als Disco gehen. Denn gerade gegen Disco-Veranstaltungen machen wohl Würzburger Club-Betreiber mobil. Für seine Mitglieder aus dem Bereich Diskotheken hat sich nun der Bezirksgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes, Michael Schwägerl, an die Stadt gewandt.

Ungleicher Wettbewerb

„Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt Schwägerl mit Blick auf die steigende Anzahl von Disco-Terminen in der Posthalle. Aber dann müsse mit gleichen Mitteln gearbeitet werden. Die Würzburger Disco-Betriebe müssten für ihre Konzession baurechtliche Auflagen erfüllen und dafür hohen Aufwand betreiben. Einzelveranstaltungen in der Posthalle würden aber anders beurteilt als bestehende Diskotheken.

Als Antwort erhielt Schwägerl nach seinen Angaben eine Bestätigung von der Stadt: „Die baurechtliche Genehmigung kann zum jetzigen Zeitpunkt von der zuständigen Bauaufsichtsbehörde der Stadt Würzburg nicht erteilt werden.“

Damit gibt es für Schwägerl derzeit auch keine Grundlage für eine dauerhafte Gastronomie-Konzession für die Posthallen-Betreiber. Ohne Konzession und ohne Nutzungsänderung müssten dann auch weiterhin alle Veranstaltungen von der Stadt einzeln genehmigt werden, ein hoher Unsicherheits- und Kostenfaktor für die PH-Event-GmbH. Klärung soll ein Gespräch an diesem Montag mit der Stadtverwaltung bringen.

Für Schulz hat sich die Posthalle als Veranstaltungsort bewährt. Seine Bilanz sieht so aus: 55 Prozent der Besucher kommen aus der Stadt Würzburg, 30 Prozent aus der Mainfranken-Region, 15 aus weiter entfernten Gegenden wie Frankfurt, Nürnberg, Fulda oder Stuttgart (die Zahlen wurden per Gästebefragung ermittelt); ein Problem mit den Parkplätzen sowie der An- Und Abfahrt der Besucher sei ausgeblieben und auch zukünftig nicht zu erwarten.

Posthalle von Musikern akzeptiert

Beschwerden von Anwohnern über Lärm oder Schmutz seien nicht bekannt; Anfragen unterschiedlicher Künstlergruppen, von Agenturen aus dem In- und Ausland, von Würzburger Vereinen und öffentlichen Institutionen belegten, dass die Posthalle Würzburg eine Lücke im Hallenangebot der Stadt Würzburg schließe; die Akzeptanz der Posthalle als kultureller Veranstaltungsort sei bei den Bürgerinnen und Bürgern wie bei Vereinen, Institutionen und Künstlern sehr gut.

Die Bitte von Schulz: „Jetzt bräuchten wir mehr Unterstützung durch die Verantwortlichen in der Stadt Würzburg, um dieses Angebot auch aufrecht erhalten zu können.“

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