Würzburg

Unruhe in Eiskunstlauf-Szene: Abteilungsleiterin tritt zurück

Die Eiskunstlauf-Abteilungsleiterin des WSV Aschaffenburg hat überraschend ihr Amt niedergelegt.
Der ehemalige Würzburger Eiskunstläufer Isaak Droysen wirft seinem Ex-Trainer Karel Fajfr Misshandlung vor. Die Staatsanwaltschaft Kempten hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.    Foto: Matthias Kreitmeier

Die Deutsche Eislauf Union (DEU) gerät weiter unter Druck: Nach der Berichterstattung dieser Redaktion und der RTL-Sendung "Stern-TV" über die Vorwürfe des Würzburger Eiskunstläufers Isaak Droysen gegen seinen Ex-Trainer, Karel Fajfr, sind nun  auch Vorwürfe gegen andere Trainer und Trainerinnen sowie Funktionäre im Bayerischen Eissportverband an diese Redaktion herangetragen worden. Es herrsche nicht nur im Bundesleistungszentrum in Oberstdorf, sondern auch in anderen bayerischen Vereinen ein Klima der Angst und Einschüchterung.

Die Eiskunstlauf-Abteilungsleiterin von Isaak Droysens ehemaligem Heimatverein, dem WSV Aschaffenburg, hat überraschend ihr Amt niedergelegt. Ihr Anwalt, der auch Trainer Karel Fajfr vertritt, erklärte gegenüber dieser Redaktion, dass seine Mandantin das Amt aus beruflichen wie privaten Gründen künftig nicht mehr mit der zeitlichen Intensität hätte betreiben können wie bisher. Derweil bestätigt die Staatsanwaltschaft in Kempten, dass das gegen Fajfr eingeleitete Ermittlungsverfahren andauert.  

Nach der Berichterstattung dieser Redaktion meldete sich auch ein ehemaliger Eiskunstlauftrainer. Er schreibt von einem "Klima der Angst" und gewollt überharten Methoden im Training des WSV Aschaffenburg. Die Nachfrage bei der Abteilungsleiterin Eiskunstlauf des Aschaffenburger WSV, für den auch Isaak Droysen bis zu seinem Karriere-Ende startete und aus dem er aus Protest gegen die Zusammenarbeit der Abteilung mit Trainer Karel Fajfr austrat – ergab, dass sie ihr Amt bereits mit Wirkung zum 31. Oktober dieses Jahres niedergelegt hat.

Anwalt: Vorwürfe "schlicht falsch"

Bezüglich der Vorwürfe, es herrsche in deren Abteilung ein "Klima der Angst und Einschüchterung" erklärte ihr Anwalt, die Vorwürfe seien "schlicht falsch". Er betont, dass seine Mandantin vor allem Privatperson und Mutter sei und als "Abteilungsleiter eines kleines Vereins" bisher keine herausragende Stellung gehabt hätte, an der ein öffentliches Informationsinteresse bestünde.

Dem entgegen spricht der Einfluss, den die Aschaffenburger Abteilungsleiterin, deren Tochter ebenfalls bei Fajfr in Oberstdorf trainiert, bislang über ihre Sponsorentätigkeit in der Deutschen Eislauf-Union hatte. Im Bundesleistungszentrum in Oberstdorf wirbt die Geschäftsfrau an prominenter Stelle großflächig für die Firma ihrer Familie und unterstützt zudem gezielt bundesweit aussichtsreiche Talente in der DEU. Eines der größten Talente etwa startet aktuell für den WSV Aschaffenburg, obgleich es mit Aschaffenburg und dem Verein nichts zu tun hat und in Österreich trainiert. Üblicherweise starten Eiskunstläufer für den Verein, in dem sie auch trainieren. 

In Trainer-Entscheidung involviert 

Die Abteilungsleiterin bestreitet gegenüber dieser Redaktion, irgendetwas mit der Auswahl Karel Fajfrs als Trainer für den von ihr damals ebenfalls finanziell großzügig unterstützten Läufer Isaak Droysen zu tun gehabt zu haben. Das sei ganz alleine Droysens Entscheidung gewesen. Demgegenüber steht ihre Aussage gegenüber dem "Main-Echo" in Aschaffenburg: Wegen des "sehr guten Rufs" des Trainers in der Eislaufszene habe auch sie der Entscheidung des Würzburgers für Trainer Karel Fajfr zugestimmt. Demzufolge war sie involviert.

Nach den jüngsten Berichten über den Fall Fajfr haben sich weitere Zeugen aus anderen Vereinen zum Teil schriftlich an diese Redaktion gewandt. Die Rede ist von Kindern, die regelmäßig laut weinend vom Eis kommen oder die sich sichtlich aufgeregt beim Training erbrechen müssten. Eine Mutter berichtet von Mädchen, die wegen einer geforderten Gewichtsabnahme unter Hunger litten und als Folge häufig stürzten. Andere sprechen von demütigenden Äußerungen von Trainerinnen, Trainern und Funktionären gegenüber Kindern in Prüfungssituationen und bewusstem Ignorieren und Ausgrenzen einzelner im gemeinschaftlichen Training. Eltern würden gegeneinander ausgespielt, die Trainer, die nicht zum "Machtzirkel" des Verbandes gehörten, seien aus Angst um ihren Job zum Stillhalten gezwungen.   

Das Eislaufzentrum in Oberstdorf, in dem nationale und internationale Wettbewerbe über die Bühne gehen.          Foto: Melanie Jäger

Die Verantwortlichen aus der Führungsriege des Bayerischen Verbandes, so Eltern im Gespräch mit dieser Redaktion, reagierten aggressiv, wenn man sie anspreche. Beschwerden würden nicht ernst genommen, ignoriert oder vertuscht: "Hier werden Machtspiele auf dem Rücken von Kindern ausgetragen - und das sind keine Einzelfälle, das ist Methode." Eine entsprechende Anfrage dieser Redaktion zu den neuen konkreten Vorwürfe gegen einzelne bayerische Vereine an Sissy Krick, die Vorsitzende des Bayerischen Eislaufverbandes (BEV) und zuständige Fachspartenleiterin Eiskunstlauf, blieb unbeantwortet.

Einflussreichstes Paar in Eislaufszene

Sissy Krick ist nationale und internationale Preisrichterin und war bis 2006 DEU-Vizepräsidentin. Heute gehört die Oberstdorferin dem neugegründeten sechsköpfigen Entscheidungsgremium "Sportausschuss" der DEU an. Ihr Mann Peter Krick agiert als Eventmanager und Sportdirektor beim Eiskunstlauf-Weltverband, der Internationalen Skating Union (ISU) in Lausanne in der Schweiz.  Das Ehepaar Krick gilt als einflussreichstes Paar in der internationalen Eislaufszene.     

Derweil hat die DEU ein Bild Fajfrs als offizieller Trainer des Verbandes von ihrer Homepage entfernt, das Eissportzentrum Oberstdorf hat Fajfrs Bild und Namen von der ausgehängten Liste der Trainer am Eingang genommen. Nach Informationen dieser Redaktion trainiert Fajfr aber nach wie vor täglich Kinder und fährt mit ihnen auch zu internationalen Wettbewerben. 

Hinweis: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es: "Auch dass über eine Vereins-Abteilungsleiterin Preisgelder in Höhe von 10.000 Euro allein in der vergangenen Saison für Bundeskaderläufer ausgelobt wurden, ist in der DEU ungewöhnlich."  Soweit hierdurch der falsche Eindruck entstanden sein sollte, dass die zurückgetretene Eiskunstlauf-Abteilungsleiterin des WSV Aschaffenburg einzelne Preisgelder in Höhe von jeweils 10.000 Euro ausgelobt habe, stellen wir hiermit richtig, dass die zurückgetretene Eiskunstlauf-Abteilungsleiterin des WSV Aschaffenburg kein einziges Preisgeld in einer Höhe von 10.000 Euro ausgelobt hat, sondern Einzelpreisgelder in deutlich geringerer Höhe für herausragende Leistungen ausgelobt hat.

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