OCHSENFURT

Untersuchung: Rathaus ist ein gigantischer Kulturschatz

Rechts neben dem Lanzentürmchen befinden sich die ältesten Gebäudeteile des Neuen Rathauses. Foto: Claudia Schuhmann

Löcher im Putz, Löcher in alten Balken, Löcher eigentlich, so weit das Auge reicht. Eine Befunduntersuchung eines historischen Gebäudes muss, sofern sie belastbare Ergebnisse liefern will, jedes Detail berücksichtigen und dazu eben auch das eine oder andere Probenloch verursachen. Lange hatten Architekten und Restauratoren das Neue Rathaus zu Ochsenfurt genauestens unter die Lupe genommen, bevor sie nun das Ergebnis ihrer ergänzenden Befunduntersuchung dem Stadtrat in einer Sondersitzung vorstellten.

Architekt Fritz Staib aus Sommerhausen und der Ochsenfurter Restaurator Siegfried Scheder verwandten viel Zeit darauf, zu erklären, warum die akribische Forschungsarbeit notwendig gewesen sei, ehe mit der geplanten Sanierung des Rathauses begonnen werden könne: Es geht um die Kosten. Nur wer schon vor Beginn der Sanierung jeden Riss, jedes statische Problem und den Wert der vorhandenen künstlerischen Gestaltung kennt, kann entscheiden, was wie repariert oder verändert werden soll, und genau definierte Aufträge vergeben.

Unliebsame Überraschungen werden vermieden

Auf diese Weise, so Staib, könne es nicht zu unliebsamen Überraschungen kommen, die erst während der Bauarbeiten entdeckt werden – etwa nach dem Motto: Huch, da sind ja noch zwei Gemälde unter dem Gemälde. Derlei Funde hat das Team bei seiner Untersuchung durchaus gemacht. Insgesamt hat diese ergeben, dass das neue Rathaus einen „gigantischen Kulturschatz“ darstellt, wie Staib sich ausdrückte. Dessen Erhaltung könne – und solle – von der Denkmalpflege bezuschusst werden. Auch zur Untermauerung dieses Anliegens soll die Befunduntersuchung beitragen.

Geklärt ist nun beispielsweise der Ursprung der ältesten Bestandteile des Rathauses: Die untere Decke im vorderen Gebäudeteil rechts des Lanzentürmchens wurde 1356 erbaut – und seitdem nie überstrichen. „So etwas begegnet einem einmal im Leben“, sagte Restaurator Siegfried Scheder, der jetzt bezüglich der Baugeschichte klarer sieht.

Die älteste Decke stammt von 1356

Das Rathaus wird auf 1497 datiert. Um 1480 hatte sich die Bürgerschaft zum Bau eines neuen Rathauses entschlossen und erwarb zu diesem Zweck ein schon vorhandenes Gebäude, das dann in das Rathaus integriert wurde: den sogenannten Thüngersheimer Hof, der in den 1470er Jahren erbaut worden und somit damals noch gar nicht alt war. Allerdings gab es dort auch schon einen Vorgängerbau, eben den mit der Decke von 1356. „Es ist damit das älteste Haus in Ochsenfurt nach dem Kirchturm“, so Scheder.

Die Fachleute wissen jetzt auch, dass das Lanzentürmchen nicht erst nachträglich an das Rathaus angebaut wurde. Das sieht man an den durchgehenden Deckenbalken, die alle gleich alt sind. Ein Uhrentürmchen für die Bürgerschaft sei für die damalige Zeit etwas absolut Außergewöhnliches gewesen, sagte Fritz Staib. Wertvolle Informationen erhielt das Team zudem aus dem, so Staib, „mustergültigen Archiv“ mit vielen Rechnungen, die Rückschlüsse auf den Zeitpunkt verschiedener Baumaßnahmen zulassen.

Statische Mängel werden behoben

Größere Sanierungen am Rathaus gab es in den Jahren 1738 und 1937. Nicht zwangsläufig wird im Rahmen solcher Maßnahmen aber zum Wohle des Gebäudes gearbeitet. „Bei Veränderungen am Gebäude können statische Fehler passieren“, so Staib. Die Schwächen, die das Rathaus aufweist und die teils schon seit Jahren durch Notsicherungen aufgefangen werden, müssen bei der für 2021 geplanten großen Sanierung natürlich auch behoben werden. Wie das Rathaus für seine künftige Nutzung ausgestattet werden soll, sagte der Architekt, wird das nächste große Thema werden.

Es muss festgelegt werden, welche Nutzungen wo untergebracht werden sollen. Ebenso, wo ein Aufzug eingebaut werden kann, wo die Haustechnik untergebracht und wo die Treppe sein soll. Wie Bürgermeister Peter Juks erklärte, sollen auch das Kommunalunternehmen der Stadt und die Kämmerei im Rathaus einziehen. Sodann müssen die Planer überlegen, wie die Anforderungen einer modernen Verwaltung mit dem Erhalt historisch wertvoller Bausubstanz in Einklang gebracht werden kann: Wo können Leitungen verlegt werden, ohne Wände oder Bilder zu zerstören? Und was davon muss mit wie viel Aufwand erhalten werden?

Wildes Gemisch aus 200 Jahren

Siegfried Scheder erläuterte das am Beispiel der Decke im ersten Stock, wo sich auch der Sitzungssaal befindet. Dort finde sich ein „wildes Gemisch“ aus 200 Jahren Malerei. Was davon ist ästhetisch wertvoll? Kann das Niveau insgesamt gehoben werden, indem man zur Renaissancegestaltung zurückkehrt? Und natürlich: Ist das bezahlbar?

Viel Arbeit liegt also noch vor den Planern. Laut Bürgermeister Juks sieht der Zeitplan so aus: Ende 2018 soll eine der möglichen Varianten für das Raumprogramm beschlossen werden. Ab 2019 werden der Bauantrag erstellt, die Kosten berechnet und die Fördergelder aktiviert. Im Jahr 2021 könnte die Sanierung beginnen. Es sei realistisch, das 2023 die Verwaltung ihre Räumlichkeiten im sanierten Neuen Rathaus wieder beziehe, so Juks. Wo die Verwaltung während der Bauzeit unterkommt, ist derzeit eine noch unbeantwortete Frage.

Bei einer Sondersitzung des Stadtrates erläuterten die Fachleute die Ergebnisse der Befunduntersuchung. Foto: Claudia Schuhmann
Für die Untersuchung wurden die alten Decken teils freigelegt. Foto: Claudia Schuhmann

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