Rimpar

Unterwegs mit dem Rimparer Nachtwächter

Geschichten in Hülle und Fülle hatte Günther Wagenbrenner als Rimparer Nachtwächter parat, hier vor dem Eingangstor zum Schloss Grumbach.
Geschichten in Hülle und Fülle hatte Günther Wagenbrenner als Rimparer Nachtwächter parat, hier vor dem Eingangstor zum Schloss Grumbach. Foto: Christian Ammon

Einen Filzmantel, mit breitkrempigem Dreieckshut und einer Hellebarde an der Seite. So stellt man sich einen Nachtwächter vor, wie er sich auch im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rimpar lange Zeit unterwegs gewesen ist. Mit Günther Wagenbrenner als Geschichtenerzähler hatten die Planer der ersten Rimparer Dorfweihnacht zudem das passende Gewicht gefunden. Jeweils nach Sonnenuntergang versammelte er und sein Begleiter Christoph Rind als Lampenträger eine Zuhörer-Gruppe um sich, um den geschichtsträchtigen Altort einmal etwas genauer in den Blick zu nehmen.

Der Höhepunkt war der Aufstieg in den mächtigen Ostturm des Grumbach-Schlosses, der normalerweise nicht zugänglich ist. Über die aus Stein gemauerte Wendeltreppe und mehrere knarzende Holztreppen, vorbei an der Gemeindeverwaltung und dem "Fledermaus-Symbol", das das auf drei Stockwerke untergebrachte Gemeindearchiv anzeigt, ging es noch oben.

Vorbild ist Würzburger Nachtwächter

Dort befindet sich ein kreisrunder Raum, in dem der Nachtwächter gelebt haben soll. Nicht jeder hatte dann noch den Mut auch auf die Balustrade hinauszutreten und den erstaunlichen Rundumblick zu genießen. "Von hier hatte der Nachtwächter natürlich Einblicke in vieles, was anderen verborgen blieb", erklärte Wagenbrenner, warum der Nachtwächter auch als Geschichtenerzähler problemlos stundenlang für Unterhaltung sorgen kann.

Als Vorbild hat sich der Rimparer Nachtwächter das Würzburger Original Wolfgang Mainka gewählt. Den breiten fränkischen Dialekt hat er freilich als gebürtiger Oberpfälzer nicht. Immerhin der Tonschlag stimmte und auch das Outfit. Auch für Einheimische hatte der Nachtwächter allerlei Geschichten parat, die sie noch nicht gehört hatten.

Dass das gesamte Schloss von einem Burggraben umgeben war und nur über eine Zugbrücke zu erreichen war, ist heute nur noch schwer zu erahnen. Auch gehörte dazu einiges an Ingenieurskunst, um die Pleichach so umzuleiten, dass sie das Schloss auch an seiner Südostseite umspülte.

Berüchtigter Schlossherr Wilhelm von Grumbach

Besonders spitzten die Zuhörer jedoch die Ohren als es um den berüchtigten Rimparer Schlossherrn Wilhelm von Grumbach ging. Ihn hält Wagenbrenner für weniger verwegen als es bis heute kolportiert wird. Für ihn sei er kein "Raubritter", wie er es selber noch in der Schule erzählt bekommen habe.

In der Zeit um 1600 sei auch der Bischof kaum besser gewesen. "Es ging nur darum, sich die Taschen voll zu stopfen", so das Fazit des aufmerksamen Nachtwächters. Auch der Überfall auf das Kloster Himmelspforten, das Grumbach plündern ließ, lasse sich so erklären. Die Moral der damals dort eher aus Versorgungsgründen untergebrachten Klosterfrauen sei eher leichtfertiger Natur gewesen.

Auch Rimpar hatte damals ein "Lusthaus". Errichtet wurde es zu Füßen des Schlosses von Julius Echter, an den Rimpar samt Schloss mit dem grausamen Tod Wilhelm von Grumbachs 1603 fiel. Dass dort rauschende Orgien stattfanden, verneint jedoch der Nachtwächter.

Dorfweihnacht auf dem Platz der Partnerschaft

Ein Lusthaus habe damals die Aufgabe gehabt, gesellschaftliche Empfänge oder kleinere Feste zu feiern. Auch das Alte Rathaus und die Pfarrkirche gehen auf Echter zurück ebenso wie der heutige mit Stuck geschmückte Rittersaal, in dem der Marktgemeinderat tagt.

Wer sich nach der Führung aufwärmen wollte, hatte auf dem Platz der Partnerschaft Gelegenheit. Bei heißem Glühwein und Bratwürste fiel dies nicht schwer. Mit der dreitägigen Dorfweihnacht wurde das von Bürgermeister Burkard Losert ausgegebene Ziel, die neue Ortsmitte zu beleben, ein Erfolg. Während die Kinder Karussell führen oder auf der Eisbahn herumtobten, hatten mehrere örtliche Gruppen und Vereine Stände aufgebaut. In der Alten Knabenschule hatten Handwerker und Künstler Gelegenheit, ihre Artikel anzubieten.

Die Dorfweihnacht auf dem Platz der Partnerschaft mit Blick auf das Alte Rathaus.
Die Dorfweihnacht auf dem Platz der Partnerschaft mit Blick auf das Alte Rathaus. Foto: Christian Ammon

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