WÜRZBURG

Unverpackt-Laden: Hier gibt's die Butter wieder vom Block

Bei der Eröffnung des Laden "Unverpackt" von Susanne Waldmann in der Sanderstraße kamen zahlreiche Interessierte. Dort kann jeder mit seinem eigenen Behälter Lebensmittel einkaufen. Foto: Thomas Obermeier

Nudeln, Mehl, Seife, Schokolade, Obst, Gemüse oder aber einfach Butter – klingt nach dem Standardsortiment eines normalen Supermarkts. In einem neuen Geschäft in der Würzburger Sanderstraße gibt es all das, nur ohne Verpackung. Denn in Susanne Waldmanns „Unverpackt Würzburg“ ist der Name Programm. Sie verkauft Dinge des täglichen Bedarfs aber ohne Plastikfolie, Hüllen, Schachteln drum herum. Damit scheint die 47-Jährige offene Türen bei den Würzburgern einzurennen. Kaum ein Durchkommen war am Eröffnungstag. Und dafür hat Waldmann auch eine Erklärung.

„Ich habe das Gefühl, dass das Thema Plastik immer mehr ins Bewusstsein der Leute rückt – auch was diese Verpackungsflut für Auswirkungen für das Meer und die Umwelt hat“, sagt Susanne Waldmann. Sie finde es toll, dass sich einige Pioniere in Deutschland Konzepte überlegt hätten, wie man das Problem an der Wurzel packt und schon beim Einkaufen komplett auf Verpackungen und damit auf eine Menge Müll verzichtet. „Das ist eine Lebenseinstellung, die einen bewegt“, sagt Waldmann und lacht, während sich weiter links eine junge Frau von ihrem zweijährigen Sohn ein Glas voll Hirse abfüllen lässt.

Eine Freundin gab den Ausschlag

Sie habe schon immer sehr nachhaltig gelebt und habe sich für ökologische Landwirtschaft interessiert, erzählt Waldmann. „Ich habe 20 Jahre lang auf dem Land gelebt, habe ein altes Schulhaus renoviert und eigene Ziegen gehalten.“ Das war in Wenkheim bei Tauberbischofsheim. Sie ist Mutter von drei Kindern, hat als Erzieherin gearbeitet. Vor drei Jahren sei sie in einer Phase der Neuorientierung nach Würzburg gezogen, offen für Neues.

Im vergangenen Jahr hat sie dann einen Artikel über einen „Unverpackt“-Laden gelesen. Begeistert sei sie gewesen von der Idee: „Das ist einfach noch mal eine Stufe nachhaltiger als einfach nur Produkte aus ökologischem Anbau zu kaufen“, sagt sie. Selbst einen solchen Laden auf die Beine zu stellen, war nicht mehr als eine schöne Idee. Ausschlaggebend sei eine Freundin gewesen, die wenig später auf Waldmann zukam, ebenfalls einen Artikel über einen ähnlichen Laden in der Hand: „Susanne, das wäre doch was für dich!“ Da wurde aus der fixen Idee ein fester Plan.

Riesige Resonanz im Internet

Susanne Waldmann schaut sich Konzepte in Mainz, Stuttgart und Münster an und entschließt sich, die Ladengründung entgegen ihres eigentlichen Vorhabens, alleine umzusetzen. Im Dezember 2016 kündigt sie den Laden auf Facebook an, bittet auf einer eigenen Internetseite um Anregungen und Wünsche. Von da an ist das Projekt kaum zu stoppen: Die Resonanz ist riesig. Noch vor der Eröffnung folgen etwa 2700 Menschen der Facebook-Seite von „Unverpackt Würzburg“.

Ein Teil dieser „Fans“ steht nun am ersten Tag im Laden, mit mitgebrachten Dosen und Gläsern in der Hand. Drei Angestellte hat Waldmann im Laden. Sie tragen Schürzen in gedeckten Farben, erklären den Kunden, wie sie die leeren Behälter wiegen, wie die Abfüllbehälter funktionieren und reichen auch mal einen Trichter, wenn die Haferflocken statt im Glas auf dem Boden landen. An einer Ladentheke werden die gefüllten Behälter schließlich nochmals abgewogen und abgerechnet. Links davon steht eine kleine Kühltheke. Darin: ein großer Butterblock. Ein Mann erinnert sich: „Als ich klein war, hat man in Läden auch noch Butter vom Block gekauft und das Mehl extra abgefüllt bekommen – und jetzt gibt's das wieder.“

Natürlich hat die Lebensmittelkontrollstelle hier auch ein Wörtchen mitzureden: „Spezielle Vorschriften für solche Läden gibt es nicht“, erklärt Waldmann. „Aber man kommt mit den Produkten auch eigentlich nicht in Berührung.“ Die größte Herausforderung sei die Kühltheke gewesen, weil eigene Gefäße der Kunden sich zwar auf der Kühltheke aber nicht dahinter befinden dürfen. „Um Joghurt oder Quark abzufüllen, benutze ich jetzt Tabletts, auf denen das Gefäß abgestellt wird – die Tabletts werden direkt danach gespült“, sagt Waldmann. „Damit ist die Lebensmittelkontrollstelle einverstanden.“

Trend zu regionalen Produkten

Es ist auch der Trend hin zu regionalen Produkten, der die große Resonanz auf den Laden erklärt: „Ich versuche, alles möglichst regional zu bekommen“, sagt Waldmann. So bezieht sie ihre Waren zum Beispiel von verschiedenen Demeterbetrieben im Würzburger Umland und hat Vereinbarungen mit jungen Bio-Landwirten getroffen, die erst nach der nächsten Ernte liefern können. Vertrauen spiele eine große Rolle, sagt sie. Und weil sich zum Beispiel der Kakao-Anbau in Unterfranken schwierig gestaltet, achtet sie hier besonders auf fairen Handel: „Mein Händler besucht die Bauern in Peru jährlich und kennt sie alle persönlich“, erklärt Waldmann.

Das Einkaufserlebnis und die fair gehandelten Bio-Produkte haben aber auch ihren Preis – dieser liegt merklich über dem Durchschnitt aus normalen Supermärkten.

Bei der Eröffnung des Laden "Unverpackt" von Susanne Waldmann in der Sanderstraße kamen zahlreiche Interessierte. Dort k... Foto: Thomas Obermeier

Das Wichtigste ist aber für Waldmann: Die Nachhaltigkeit steht im Fokus. So können Kunden, die keine eigenen Gefäße mitbringen, zwar neue Gläser und Flaschen im Laden kaufen. Besonders stolz ist Waldmann aber auf ein Regal ganz am hinteren Ende des Raumes: „Von Kunde zu Kunde“ steht dort in bunten Buchstaben. „Das sind Gefäße, die uns Leute mitgebracht haben und die andere Kunden kostenlos zum Abfüllen verwenden können“, sagt Waldmann. „Alles, was nicht neu produziert werden muss, ist gut.“

Eine lebenswertere Welt

Selbst die Ladeneinrichtung sei der Nachhaltigkeit geschuldet: „Eigentlich wollte ich eine neue Massivholz-Einrichtung, aber diese hier war schon da, ist zwar kein Holz aber immerhin muss nichts Neues produziert werden.“

Was erhofft sie sich für ihren Laden? Will sie damit etwas bewegen? Sie lacht: Natürlich müsse sich der Laden zunächst einmal selbst tragen. Trotzdem hat Waldmann durchaus Träume: „Wenn man sowas aufmacht, hat man natürlich eine Message. Vielleicht will ich die Welt damit auch ein kleines Stück besser machen – und meinen Kindern eine lebenswertere Welt hinterlassen.“

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