WÜRZBURG

"Valerie Solanas" in der Werkstattbühne: Feministisch und rebellisch

Der Mann als unvollständige Frau: In der Inszenierung von Britta Schramm in der Werkstattbühne spielt Karolin Dietzel mit. Foto: privat

Na, zur Abwechslung mal Lust auf etwas harsche Männerkritik? Polemisch, frech und höchst intelligent? Und dabei so vergnüglich, dass sogar Männer ihren Spaß dran haben können? Dann lohnt sich ein Besuch von „Valerie Solanas – Manifest zur Vernichtung der Männer“ in der Werkstattbühne.

Valerie Solanas, radikal-feministische Autorin ist heute wohl nur wenigen bekannt, am ehesten durch ihre Schüsse auf den Pop-Art-Künstler Andy Warhol. In ihrem SCUM-Manifest, einer 1967 erschienenen satirischen Schmähschrift, fordert Solanas den Sturz von Regierungen, die Abschaffung des Geldsystems und ganz nebenbei die Vernichtung der Männer.

Die schwedische Schriftstellerin Sara Stridberg entwickelte aus Solanas unstetem Leben zwischen Kreativität und Größenwahn ihr Buch „Traumfabrik“, eine Mischung aus Roman und Biografie. Und Regisseurin Britta Schramm wiederum schuf aus diesen Textgrundlagen eine faszinierende musikalische Collage mit knappen Szenen, eingängigen, schrägen Songs und ordentlichem 60er Jahre Flair. Intelligenter, ausgebuffter und witziger lassen sich rebellische feministische Ideen wohl kaum umsetzen.

Eine rein weibliche Bühnenbesetzung liefert schon mal den ersten Anhaltspunkt, dass Männer bei Solanas überhaupt nicht gut weg kommen. Putzmunter wechseln die Darstellerinnen der „SCUM-Groovy Cats“ (Karolin Dietzel, Kristina Förster, Ronja Herberich, Iris Schelhorn) ihre Rollen, sind mal desillusionierte Hausfrau, mal Richterin oder Polizistin.

Christina Strobel überzeugt als rebellische, verletzliche Valerie. Mal zornig und polemisch, mal ernst und nachdenklich, aber genauso verschmitzt und witzig. Melanie Anders liefert als Valeries Alter Ego mit live E-Gitarre und kraftvollem Gesang ein selbstbewusstes Statement.

Wolfgang Salomon sorgte dabei mit seiner Musik für den nötigen Sixties-Groove. Und einfach nur hinreißend sind die „SCUM Groovy Cats“. Ihre darstellerische Bandbreite reicht mühelos von dümmlicher Naivität über coole Abgeklärtheit hin zu selbstbewusster Sexyness. Soviel rotzfreche, überzeugende Bühnenpräsenz begeistert und macht fassungslos.

Nächste Aufführungen am 14., 16. und 17. März, Beginn 20 Uhr. Karten unter Tel. (09 31) 5 94 00.

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