WÜRZBURG

Vatikan bestätigt Strafe gegen Pater wegen Missbrauch

Sieben Jahre hat es gedauert. Jetzt ist Kirchenrecht über den ehemaligen Würzburger Diözesankaplan Pater M. gesprochen: Die Glaubenskongregation des Vatikans hält ihn für schuldig, Minderjährige sexuell missbraucht zu haben.

Wie die Ordensleitung mitteilt, darf der Franziskaner-Minoriten-Pater aufgrund des Dekrets aus Rom keine Eucharistie mehr feiern, keine Sakramente spenden und sich nicht mehr in den Bistümern Würzburg, Köln und Bamberg aufhalten. Dort war er als Seelsorger eingesetzt gewesen. Als höhere Strafe wäre für Ordensleute ein Ausschluss aus dem Orden möglich.

Öffentliche Debatte über Schuld

Vorwürfe gegen den heute 83-Jährigen waren Anfang 2010 laut geworden. Der Fall machte damals Schlagzeilen, weil der Beschuldigte mit seinem Namen an die Öffentlichkeit ging, seine Unschuld beteuerte und Unterstützer immer wieder für ihn Partei ergriffen.

Im Gegensatz dazu erklärten Opfer, dass Pater M. sie in Bonn in den 1970er Jahren beziehungsweise später in Würzburg sexuell belästigt oder missbraucht hat.

Ins Würzburger Franziskaner-Minoriten-Kloster schickte der Orden den Pater, nachdem in Bonn die Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe bekannt geworden waren. Hier hatte M. bis 2010 als Religionslehrer und Diözesankaplan der Katholischen Studentischen Jugend (KSJ) weiter Kontakt mit Jugendlichen.

Aufgrund der öffentliche Debatte über Schuld und Unschuld des Paters, wurde auf die kirchenrechtliche Entscheidung mit besonderer Spannung gewartet.

Das Bistum Würzburg hat den Jugendpfarrer 2010 suspendiert. Strafrechtliche Ermittlungen stellte die Staatsanwalt Würzburg im selben Jahr wegen der Überschreitung der Verjährungsfristen ein. Das kirchenrechtliche Verfahren wurde 2013 nach einigem Hin und Her zwischen Orden und Diözese der römischen Glaubenskongregation in Rom übergeben.

„Wir bitten um Entschuldigung bei allen Betroffenen.“
T, T

Wie der Provinzialminister Bernhardin M. Seither jetzt mitteilt, hat die Zentralbehörde für Glaubens- und Sittenlehre damals noch im gleichen Jahr entschieden: Der Ordensmann wurde für schuldig erklärt.

Umgesetzt wurde diese Entscheidung zunächst nicht, weil der Beschuldigte Beschwerde dagegen einlegt hatte. Vier Jahre dauerte es bis die Kirchenbehörde im Vatikan diese jetzt zurückgewiesen hat. Noch eine Beschwerde ist nicht möglich.

Orden bittet um Entschuldigung

Opfer hatten der Diözese Würzburg und dem Orden in der Vergangenheit vorgeworfen, die Aufklärung zu verschleppen. Auch fehlendes Mitgefühl wurde immer wieder kritisiert.

In einer Mitteilung an die Presse bittet Ordenschef Seither jetzt, „um Entschuldigung bei allen Betroffenen und deren Familien, die unter dem nicht hinnehmbaren Verhalten des Paters zu leiden hatten beziehungsweise immer noch leiden“. Für Gespräche mit Betroffenen sei er bereit.

Nach Angaben des Ordens wohnt der Ordenspriester heute zurückgezogen außerhalb der Bistümer, in denen ihm der Aufenthalt verboten ist.

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