MÜNCHEN/WÜRZBURG

Vermehrt Gewalt gegen BRK-Retter

Notarzt

Die Fälle, in denen Rettungskräfte Opfer von Aggression oder Gewalt werden, häufen sich: Mehr als 180 Mal wurden Rettungskräfte des Bayerischen Roten Kreuzes im vergangenen Jahr körperlich oder verbal angegangen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk am Mittwoch in München vorstellte. „Die Dunkelziffer liegt deutlich höher“, sagte er. Dies ist eine Entwicklung, die Jens-Uwe Greiner, Sachgebietsleiter Einsatzdienste beim BRK Würzburg, bestätigen kann: „Es gab schon Messerattacken gegen Mitarbeiter, bei denen aber glücklicherweise niemand verletzt wurde“, sagt er auf Anfrage der Redaktion.

Erst vor einigen Wochen seien „zwei Mitarbeiter und ein Notarzt von einem Außenstehen angegriffen worden“. „Dieser Fall wurde natürlich angezeigt“, betont Greiner.

Verschweigen aus Scham

Das ist aber oft nicht der Fall, wie Stärk bekannt gab. Das Ausmaß der Gewalt war bislang nicht bekannt, da Rettungskräfte die Übergriffe häufig aus Scham verschweigen. Greiner hat einen Erklärungsansatz für die Gewalt: „Das Unverständnis für unsere Arbeit wächst.“

Das fange schon bei Banalitäten an, dass sich Leute darüber beschweren, wenn sie wegen eines Einsatzes eingeparkt würden. Auf der anderen Seite seien Alkoholexzesse bei Jugendlichen mittlerweile immer häufiger. Darin sieht auch Leonhard Stärk einen Grund für die Gewalt.

Alkoholproblem in der Mitte der Gesellschaft

Bei Alkohol- und Drogenmissbrauch handele es sich keinesfalls um ein Großstadtphänomen: „Wir sind mit diesem Problem in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Das BRK setzt deshalb auf zusätzliche Lehrgänge zu Deeskalationsmaßnahmen.


Mit „deutschlandweiten Projekten zur Prävention“ reagieren auch die Malteser auf das Problem, das „durchaus ein Thema“ sei, wie die unterfränkische Pressesprecherin Christina Gold auf Anfrage bestätigt. „Der Ton gegenüber den Rettungsdiensten wird rauer.“

Rettungskräfte und Polizisten gleichgestellt?

Das Rote Kreuz fordert nun, dass Widerstand und Gewalt gegen Einsatzkräfte stärker nach dem Strafrecht geahndet wird. Auch Greiner sieht hier noch Handlungsbedarf: „Es wäre gut, wenn Rettungskräfte Polizisten gleichgestellt würden.“ Die Rettungskräfte würden schließlich Aufgaben des öffentlichen Interesses übernehmen, sagt Greiner. „Denn wenn jemand ausfällt kann es auch passieren, dass beim nächsten Notfall nicht schnell genug geholfen werden kann.“

Bis auf den einen Fall vor wenigen Wochen sei es aber in Unterfranken in den letzten Jahren nicht zu schweren Verletzungen von Rettungskräften gekommen, betont Greiner. „Das ist kein hochgefährlicher Beruf aber man muss die Entwicklung im Auge behalten.“

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