Würzburg

Versuchte Gefangenenbefreiung: Lage vor dem Dalle eskaliert

Ein mit Haftbefehl gesuchter 18-Jähriger wurde am Mittwochnachmittag im Würzburger Dallenbergbad verhaftet. Eine Horde aufgebrachter Freunde ging vor dem Bad auf die Beamten los.  Foto: Melanie Jäger

Bedrohliche Szenerie vor Mainfrankens größtem Freibad am Würzburger Dallenberg: Mit lautem Geschrei und geballten Fäusten stürmt am Mittwochnachmittag eine Horde junger Männer in Badehosen aus dem Dallenbergbad heraus und bedrängt zwei uniformierte Polizeibeamte vor einem Dienstfahrzeug. Die Lage eskaliert, die Männer lassen sich nicht beruhigen. Immer mehr Badegäste kommen dazu, darunter auch junge Frauen.

Herausgabe des Gefangenen gefordert

Ein Mann fordert die Beamten mehrfach auf, seinen zuvor festgenommenen Freund freizugeben. Einen Ordnungshüter schubst er grob gegen die Brust. Die Polizisten, darunter auch Beamte des Operativen Ergänzungsdienstes in Zivil, drohen mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Als der Festgenommene im Polizeifahrzeug sitzt, geht es weiter. Die Gruppe formiert sich erneut, stellt sich vor den bereits rollenden Polizeiwagen und  hindert die Beamten an der Weiterfahrt. Die Polizisten können schließlich eine größere Auseinandersetzung verhindern.  

Polizeieinsatz in Würzburg: Die Verhaftung eines 18-Jährigen mit Haftbefehl gesuchten Mannes im Würzburger Dallenbergbad... Foto: Friso Gentsch, dpa

Ernste Bedrohungslage

Wie der Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken, Philipp Hümmer, auf Nachfrage dieser Redaktion bestätigt, habe es sich um eine ernste Bedrohungslage für die Beamten gehandelt, bei der glücklicherweise niemand verletzt worden sei. "Die Kollegen sind massiv bedroht und beleidigt worden, das war hart an der Kante zu einer heftigen Auseinandersetzung, zu der Verstärkung notwendig geworden wäre", so Hümmer. Hintergrund der Aktion war die Vollstreckung eines Haftbefehles gegen einen 18-Jährigen "wegen eines Kfz-Delikts". Hinter diesem verbirgt sich laut Sprecher Hümmer ein Autoaufbruch. Und: Es sei nicht die erste Tat des Festgenommenen gewesen.

"Man hüpft auch nicht ins Nichtschwimmerbecken und zieht den Gesuchten unter den Augen aller Badegäste aus dem Becken."
Polizeisprecher Philipp Hümmer zur Festnahme eines Badegastes im Dallenbergbad  

"Wir hatten Hinweise darauf, dass er sich im Dallenbergbad befindet, was sich auch als richtig erwies." Eine Festnahme im Freibad sei in der Tat ungewöhnlich, erfolge auch mit entsprechender Zurückhaltung. "Es stürmen keine Polizisten in eine Gruppe junger Männer hinein und führen einen von ihnen ab", schildert der Polizeihauptmeister gegenüber dieser Redaktion. "Man hüpft auch nicht ins Nichtschwimmerbecken und zieht den Gesuchten unter den Augen aller Badegäste aus dem Becken." Eine solche Festnahme erfolge immer mit Maß und Ziel, häufig auch in Zivil.

Zeugen vor dem Dalle befürchteten Schlimmstes 

"Das kann aber auch genauso in Uniform erfolgen, wenn zum Beispiel eine Streife in der Nähe des Gesuchten ist, wird man sie für den Zugriff einsetzen." In diesem Fall habe sich im Freibad ein günstiger Moment für die Festnahme ergeben.  "Allerdings haben seine Freunde Wind davon bekommen und sich noch auf dem Weg zum Ausgang des Freibades mit ihm solidarisiert", so Hümmer. Entsprechend aufgeheizt sei die Stimmung dann draußen auf der Straße gewesen.                     

Bei so einer massiven Bedrohung wie am Mittwoch vor dem Dallenbergbad und einem Delikt wie dem vorliegenden, gehe die Sicherheit für die Beamten vor. "Im Zweifelsfall zieht man sich zurück, bricht den Einsatz ab", erklärt Hümmer. Eine solche bedrohliche Lage, ausgehend von einer großen Gruppe aufgebrachter junger Männer, habe es im oder um das Dallenbergbad herum bislang noch nie gegeben. Zeugen bestätigten gegenüber dieser Redaktion, dass die jungen Männer "beängstigend aggressiv" waren.

Versuchte Gefangenenbefreiung 

Vor allem der Anführer der Gruppe, ein 17-Jähriger, wie sich später herausstellte, attackierte die Beamten besonders heftig. Gegen ihn und drei weitere Beschuldigte ihm Alter zwischen 15 und 33 Jahren wird nun wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte Gefangenenbefreiung, Nötigung, Beleidigung und Bedrohung ermittelt. Der 18-jährige in Haft genommene Mann habe die Nacht in der Haftzelle der Polizeiinspektion Würzburg verbracht und sitze nun in Untersuchungshaft.         

Polizei meldet aktuell neuen Fall aus Starnberg  

Aktuell meldet die Bayerische Polizei einen ganz ähnlich gelagerten Fall, der sich nur einen Tag später, am gestrigen Donnerstagabend, in Starnberg ereignete: Ein Mob aus rund 50 Schüler hat dort versucht, einen 15-Jährigen aus dem Polizeigewahrsam zu befreien. Dieser war betrunken und hatte zuvor auf einer Schulabschlussfeier randaliert, wie die Beamten mitteilen. Der Sicherheitsdienst rief daraufhin die Polizei. Als die Beamten ihn nicht beruhigen konnten, entschieden sie sich für den Polizeigewahrsam.

Kaum hatten sie den jungen Mann zur Wache gebracht, versuchte die Meute aus Schülern, gewaltsam in die Polizeistelle einzudringen. Flaschen flogen gegen Fenster, eine Scheibe ging zu Bruch. Vergeblich versuchten die Jugendlichen, die Eingangstür aufzubrechen. Auch das Polizeischild am Eingang hielt stand. Mit massiver Unterstützung weiterer Polizisten wurde die Lage schließlich beruhigt. Mehrere Jugendliche wurden kontrolliert – drei von ihnen wurden vorläufig festgenommen. Ihnen wird Gefangenenbefreiung und Sachbeschädigung vorgeworfen.

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