Kürnach

Vielfalt jeder Art statt Radikalismus

Rechtsextremismus ist im Kürnacher Jugendzentrum bisher nicht aufgeschlagen
Antje Schrader-Dorner (hinten von links) mit den neuen Leitern des Jugendzentrums Linda Santowski und Sven Bartke (rechts), deren Vorgänger Oliver Bartula (vorne links) und Besuchern des Jugendzentrums. Foto: Traudl Baumeister

In belastenden Zeiten rücken Menschen oft enger zusammen. Auch Betreuerteam und Gäste des Jugendzentrums in Kürnach finden gerade näher zusammen. Dafür sorgten im gerade zu Ende gehenden Sommer gleich zwei Schocks ganz unterschiedlicher Art.

Der eine ging durch diverse Medien und brachte neben dem Ort auch das Jugendzentrum ins Gespräch. Zu Unrecht, sagen die Betroffenen. "Nach wie vor wissen wir nicht, wer hinter diesen Taten steckt. Bei uns im Jugendzentrum sind jedenfalls solche Sprüche und Haltungen nie aufgetreten", bestätigen Oliver Bartula, bis August Leiter des Jugendzentrums (JUZ), sowie seine Nachfolger Linda Santowski (23 Jahre) und Sven Bartke (22). Die Namen der 14- bis 19-Jährigen aus dem Ort, die auf den Druck polizeilicher Ermittlungen hin ihre Beteiligung an 16 rechtsextremistischen Schmierereien und Straftaten in Kürnach gestanden, sind den Jugendbetreuern weiterhin unbekannt. Zu deren Identität haben sie nicht mal den Hauch einer Idee und schon gar keine Erklärung zu den Gründen für die Taten.

Keine rechtsextremen Tendenzen 

Antje Schrader-Dorner, Leiterin des Familienstützpunktes im Ort, und als solche auch zuständig für das Jugendzentrum, kennt zumindest einen Namen. Den allerdings erfuhr sie durch ihre Tätigkeit im Stützpunkt und nicht durchs JUZ. Bisher, ergänzt sie, seien keine Eltern oder Familien auf sie zugekommen wegen extremistischer Tendenzen ihrer Kinder. Vorsichtshalber hat sie sich bei Kreisjugendpfleger Stephan Junghans trotzdem Informationen zum Thema Rechtsextremismus und Radikalisierung geholt. Auch wenn es derzeit keinen Handlungsbedarf gibt. Würden sich nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen konkrete Ansatzpunkte ergeben, könne man überlegen, welche Angebote eventuell Sinn machen, so Schrader-Dorner.

Die Verantwortlichen fürs Jugendzentrum sehen das ähnlich, wollen mit wenigen Änderungen weitermachen wie bisher. Denn schließlich lebten der gebürtige Kroate Bartula und seine Mitstreiter in den beiden Räumen unter der Höllberghalle Vielfalt in jeder Form - also genau den Gegenentwurf zu Rechtsextremismus. So fällt den Besuchern, die den sogenannten "Bambinitag" am letzten Sonntag des Monats nutzen, um sich den Jugendtreff einmal näher anzuschauen und die neuen Verantwortlichen kennenzulernen, sofort das große Gemälde an der Wand ins Auge: "I have a dream" verkündet da ein großformatiger Martin Luther King, der flankiert wird von Mahatma Ghandi. Schon über ein Jahr zieren sie die Stirnwand des Hauptraumes.

Alle vermissen John Clayton

Jahrelang war auch John Clayton Stammgast. Der mehrfach gehandicapte, freundliche und hilfsbereite 34-Jährige gehörte dazu, wurde jahrelang selbstverständlich in alle Aktionen einbezogen. Und sorgte mit seinem plötzlichen Tod Anfang August nach kurzer, schwerer Krankheit für den Schock, der die Jugendlichen derzeit weitaus stärker beschäftigt als die "bescheuerten Schmierereien". "Wenn ich so was sehen würde, würde ich hingehen und den Mist einfach mit etwas Vernünftigem übersprühen", hat der 17-jährige Florian eine ungewöhnliche, aber alterstypische Lösung für dumpfe, rechte Schmierereien parat. Wer dafür in Kürnach verantwortlich sei, wisse auch er nicht, sagt er.

Der Auszubildende arbeitet beruflich oft und viel mit Ausländern zusammen und findet überhaupt nichts Besonderes daran. Überbewerten sollte man die typischen dummen Sprüche Jugendlicher grundsätzlich aber auch nicht, findet er. Manch einer mache sich schlicht keine Gedanken, was mancher Ausdruck eigentlich bedeute.

Einmal im Monat ist Bambini-Tag

Santowski und Bartke jedenfalls laden jetzt künftig mmer am letzten Sonntag des Monats zum Bambini-Tag, planen einen Longboard-Workshop, freuen sich über den neuen Tischkicker von der Gemeinde und das mit Spenden finanzierte Schlagzeug - und hoffen, dass bald die schönen Erinnerungen an John den Schmerz über seinen Verlust überwiegen - und Nazisprüche weiterhin im JUZ keine Chance haben. Beim Konzert zum Jugendkulturherbst am 14. Oktober können sich Kürnacher und Gäste davon selbst ein Bild machen.

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