Würzburg

Vierter Tatort im Würzburger Kinderporno-Fall identifiziert

Der 37-jährige Logopäde hat in einer weiteren Kindertageseinrichtung einen Buben für Kinderpornografie missbraucht. Für eine Kita-Mitarbeiterin hat das offenbar Folgen.
Die Tür zur Praxis des beschuldigten Logopäden kurz nach der Festnahme des Mannes. Foto: Lucas Kesselhut

Die Ermittlungen im Würzburger Kinderporno-Fall kommen voran. Auf Nachfrage der Redaktion hat die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg einen dritten und vierten Tatort bestätigt. Demnach hat der beschuldigte Logopäde einen Buben in einer Kindertageseinrichtung im Würzburger Stadtteil Zellerau für den Dreh von Kinderpornografie missbraucht. Darüber hatte zuerst der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet. Schon länger bekannt war, dass ein integrativer Kindergarten im Stadtteil Heuchelhof Ort des Missbrauchs war. Laut Thomas Goger, dem Sprecher der Zentralstelle  Cybercrime, haben die Ermittlungen zudem ergeben, dass alle beide Standorte der Logopädie-Praxis, die der 37-Jährige in Würzburg betrieb, Tatorte waren.

Sieben Opfer identifiziert

Sieben Opfer, allesamt minderjährige Buben, habe man insgesamt identifiziert, heißt es in Polizeikreisen, die Staatsanwaltschaft spricht lediglich von einer "einstelligen Zahl". Goger betont, dass sich die Zahl der Opfer im Vergleich zu den Angaben im Frühsommer nicht erhöht habe. Damals hatte der Beschuldigte selbst den Ermittlern Namen genannt und ein Passwort preisgegeben, das eine geheime Datei auf dem Computer, den die Ermittler beschlagnahmt hatten, schützte. Es habe aber gedauert, so der Oberstaatsanwalt, bis die Spezialisten der Polizei den identifizierten Opfern auch die exakten Tatorte zuordnen konnten. Dies aber ist eine wichtige Voraussetzung, um die Missbrauchstaten auch anklagen zu können. Insider rechen damit, dass es noch in diesem Jahr zu einem Prozess kommen könnte. 

Derweil betont Goger, es gebe aktuell "keinerlei Anhaltspunkte", dass es in den Räumen der Einrichtung in der Zellerau, die von einem privaten Verein getragen wird, mehr als das eine Opfer gegeben hat. Dies wolle er sagen, um zu vermeiden, dass sich Eltern noch mehr Sorgen als bisher schon machen. Offenbar hat der jetzt bekannt gewordene Fall zuletzt massiv für Unruhe gesorgt. Nach Informationen dieser Redaktion hatte das Sozialreferat der Stadt Würzburg zwischenzeitlich Druck auf den Trägerverein ausgeübt, um personell in der Kita etwas zu verändern. Dagegen habe sich eine Mitarbeiterin juristisch gewehrt. Mittlerweile soll ihr vom Trägerverein gekündigt worden sein.

Trägerverein betreibt weitere Einrichtungen

Details zu Hintergründen konnte ein Sprecher der Stadt Würzburg am Freitagnachmittag nicht in Erfahrung bringen. Beim Trägerverein, der in Würzburg weitere Einrichtungen, darunter auch Schulen, betreibt, war kein Verantwortlicher zu erreichen. Der Logopäde arbeitete freiberuflich in der Einrichtung, er war dort nicht fest angestellt.

Der Kinderporno-Fall erschüttert die Region seit Ende März. Der 37-Jährige und sein Ehemann waren bei einer Polizeiaktion im Stadtteil Rottenbauer mitten in der Nacht festgenommen worden. Sämtliche Einrichtungen, in denen die beiden tätig waren, wurden durchsucht und dabei Unmengen an Datenmaterial sichergestellt. Während der Logopäde seitdem wegen des Verdachts der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie in Untersuchungshaft sitzt, wurde sein Partner wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Anfangsverdacht gegen ihn hatte sich nicht erhärtet.

Info-Veranstaltungen für Eltern von mehr als 500 Kindern

Zeitweise ermittelten bis zu 50 Beamte der Kriminalpolizei in einer Sonderkommission. Schließlich war die Zahl der Kinder, die von dem Beschuldigten, unter anderem auch in einem Würzburger Sportverein, betreut wurden und zunächst theoretisch als Opfer in Frage kamen, immens hoch. Die Eltern von mehr als 500 Kindern wurden zu Informationsveranstaltungen geladen.

Eine Mutter, deren behinderter Sohn zu den Opfern in der Kita am Heuchelhof gehört, richtete derweil im Gespräch mit dieser Redaktion Vorwürfe gegen die Einrichtung. Die Mitarbeiter dort hätten Warnsignale, die ihr Kind nach Therapiestunden bei den 37-Jährigen ausgesendet habe, ignoriert. Der Bub habe sich im Lauf der Behandlung "zum Negativen verändert".

Rückblick

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