Würzburg

Volksverhetzung? Ex-Faschingsfunktionär muss vor Gericht

Die Whatsapp-Affäre im Umfeld der Gilde Giemaul in Würzburg geht weiter, denn die weitergeschickten Bilder waren möglicherweise Volksverhetzung.
Harmlose Bildchen oder Volksverhetzung? Die Whatsapp-Affäre bei der Würzburger Gilde Giemaul sorgt weiter für Aufsehen. Die Verbreitung fremdenfeindlicher und rechtsextremer Darstellungen in einer privaten Whatsapp-Gruppe bringen einen Ex-Funktionär jetzt vor Gericht. 
Harmlose Bildchen oder Volksverhetzung? Die Whatsapp-Affäre bei der Würzburger Gilde Giemaul sorgt weiter für Aufsehen. Die Verbreitung fremdenfeindlicher und rechtsextremer Darstellungen in einer privaten Whatsapp-Gruppe bringen einen Ex-Funktionär jetzt vor Gericht.  Foto: Daniel Peter

Wegen gewaltverherrlichender Bilder in einer Whatsapp-Gruppe muss ein zurück getretener  Faschingsfunktionär in Würzburg auf die Anklagebank. Der ehemalige dritte Gesellschaftspräsident der Gilde Giemaul aus dem Würzburger Stadtteil Heidingsfeld hatte Bilder verbreitet, die nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft volksverhetzend sind.

Die Bilder sprechen für sich: Auf einer Darstellung zielt ein Wehrmachtssoldat mit einem Maschinengewehr auf den Betrachter. Darunter steht sinngemäß: "Das schnellste deutsche Asylverfahren, lehnt bis zu 1400 Anträge in der Minute ab." Weitere Bilder unterstellten Ausländern Sex mit Tieren und verharmlosten eine Militärparade der Wehrmacht als Ausflug einer Motorradfahrer-Gruppe.

Diffamierende Bilder

Die Bilder wurden in einer privaten Whatsapp-Gruppe verbreitet – nicht von der Gilde Giemaul selbst, wie die Fastnachtsgesellschaft betonte. Allerdings wies schon der Name "11er-Unsinn-Gruppe" darauf hin: Die Gruppe von 25 Personen bestand weitgehend aus Elferräten und weiteren ranghohen Giemaul-Funktionären bis in die Spitze. Die Bilder des jetzt angeklagten Funktionärs wurden nach uns vorliegenden Informationen monatelang in der Whatsapp-Gruppe stillschweigend geduldet. 

Kritik an der Kritikerin

Erst Monate später sorgte der Fall  für Wirbel – weniger wegen der Bilder, mehr deshalb, weil die 2. Gesellschaftspräsidentin Heike Bader die Führung der Gilde intern aufgefordert hatte, dagegen vorzugehen. Das trug ihr heftige Kritik der Funktionäre ein, die sich an der Bloßstellung störten, als der Fall durch einen Bericht dieser Redaktion bekannt wurde. 

Auch auf Verlangen des Würzburger Oberbürgermeisters Christian Schuchardt hin, distanzierte sich die Gilde öffentlich von rechtsextremem Gedankengut. Die Narren gingen aber gegen die Kritikerin in den eigenen Reihen vor, die – zu Unrecht – verdächtigt wurde, den Fall publik gemacht zu haben. Sie bekam unter anderem Unterstützung vom Ombudsrat der Stadt Würzburg, erntete aber intern so viel Kritik, dass sie ihr Amt niederlegte und damit dem Rauswurf zuvorkam. 

Auf dem Niveau von Ostfriesenwitzen?

Bekannt wurde der Fall, als der Versender der Bilder versuchte, die Kritikerin mundtot zu machen – per öffentlicher Gerichtsverhandlung. Doch die Justiz spielte nicht mit. Das Gericht sah den Fall anders als der Anwalt des 3. Gesellschaftspräsidenten. Der hatte versucht, die fremdenfeindlichen Bilder im Prozess sinngemäß als "etwa auf dem Niveau von Ostfriesenwitzen" zu verharmlosen, was die Richterin zurückwies.

Gleichzeitig ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft gegen den Fastnachts-Funktionär, der sein Amt niederlegte und seine Mitgliedschaft ruhen ließ. Die Justiz sah ein strafbares Verhalten, der Mann hat nach Information der Redaktion einen Strafbefehl über 150 Tagessätze wegen Volksverhetzung bekommen. 

Prozess um Volksverhetzung am 23. Mai

Er habe den Strafbefehl aber nicht akzeptiert, bestätigt auf Anfrage Boris Raufeisen, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Deshalb findet jetzt am 23. Mai eine öffentliche Verhandlung vor dem Amtsgericht Würzburg statt. Dort soll entschieden werden, ob das Verbreiten der Bilder Volksverhetzung war.

Laut einer aktuellen Pressemitteilung der Gilde Giemaul war der Fall kürzlich auch in der Mitgliederversammlung der Heidingsfelder Karnevalisten ein Thema. Gesellschaftspräsident Christian Reusch kündigte dort "eine erneute Aufbereitung und Prüfung der damaligen Ereignisse" an, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Pressemitteilung des Vereins. Reusch rief dazu auf, "niemanden im Verein oder im privaten Umfeld zu beleidigen, auszugrenzen oder zu verurteilen". 

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