Würzburg

Volle Gotteshäuser, rasante Experimente

Die Nacht der offenen Kirchen wurde am Dienstagabend an 21 Veranstaltungsorten in Würzburg zelebriert. Doch nicht jeder fand seine Inspiration.
Volles Haus in Neumünster: Viele Besucher strömten in der Nacht der offenen Kirchen in das Gotteshaus. Foto: dita Vollmond

Volle Häuser bescherte die Nacht der offenen Kirchen am Dienstagabend vielen Sakralbauten in Würzburg. Andere behielten freien Raum, was einer meditativen Atmosphäre zugute kam. Die zwölfte Kirchennacht der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Citypastoral Würzburg war auf Vielfalt angelegt und kam damit gut an.

Alles startete um 19 Uhr an vielen Stellen gleichzeitig. Mächtiger Glockenklang lag über dem Bischofshut. Aus den Andachten und Gebeten zu Veranstaltungsbeginn ragte die Familiensegensfeier mit Bischof em. Friedhelm Hofmann in St. Adalbero hervor. Nicht nur wegen der Prominenz des Bischofs oder weil er selbst sichtlich Freude an dem generationenübergreifenden Treffen hatte, sondern auch, weil die Sanderauer Kirche abseits der City liegt.

Zudem wurde hier nach mehrjähriger Pause wieder ein Kinderprogramm auf die Beine gestellt: An zehn Stationen konnten die Kinder Ausstattungsdetails entdecken, Weihwasser abfüllen oder den Bischof etwas fragen. Viele Familien, vor allem mit Vorschulkindern, scharten sich um die Haltepunkte, und auch wenn mal jemand rannte oder lachte, griff kein Küster mahnend ein. Drei katholische Stellen richteten diese "Kirchenrallye" in St. Adalbero aus. Als vierte hatten sich Pfadfinder dazu gesellt und boten vor der farbig beleuchteten neoromanischen Fassade Stockbrot an.

Fester Programmablauf in vielen Kirchen 

Nicht jedes Gotteshaus zog schon von weitem die Blicke auf sich, nicht vor jedem ballten sich Besucher so, dass die Großveranstaltung den öffentlichen Raum belebte.  Nur ein Plakataufsteller wies in die Franziskanerkirche hinein, in der ein Selbsterfahrungs-Parcours aus der Diözese Trier aufgebaut war: rund ein halbes Dutzend Textfahnen zur Besinnung auf die eigenen Wünsche und Stärken, die stets eine enge Verbindung von Seele und Welt zugrunde legten. Vor einigen bildeten sich regelrechte kleine Pulks.

Ungewöhnlich: Die Bauwagenkirche stieß auf besonderes Interesse. Foto: dita Vollmond

In der Adalbero- und Franziskanerkirche konnten die Besucher jederzeit ihre Thementour beginnen. Die meisten anderen Gotteshäuser hatten dagegen einen zeitlich festgelegten Programmablauf. Der war an mehreren der 21 Veranstaltungsorte musikalisch. An einem sogar besonders gewagt: Das Duo Thieme-Volpert zog mit Gesang, E-Gitarre und der Künstlerin Petra Blume in St. Johannis ein. Das Musikerpaar zeigte, wie Experimente gelingen: Die Hörer konnten sich sicher sein, dass die Musiker wussten, was sie wollten, und das dann auch in Klänge umsetzen konnten. Die waren allerdings so außergewöhnlich, dass das Publikum zeitweilig stark ausdünnte.

Kritik an miserabler Akustik im Dom

Wie anders dagegen in St. Stephan: Hier trat zur besten Zeit der Konzertchor der Dom-Mädchenkantorei auf - vor vollem Haus. Und gleich daneben war in Peter und Paul eine weitere Musikkirche eingerichtet, auf Orgel und eine Gesangssolistin konzentriert. Lediglich einen einzigen Programmpunkt hatte der Dom, nämlich Wim Wenders' neuen Dokumentarfilm "Papst Franziskus - ein Mann seines Wortes". Das gesamte Mittelschiff mit seinen 800 Plätzen war besetzt, hinten standen sogar noch welche.

Genau so rappelvoll war das Foyer im angrenzenden St. Burkardus-Haus, in dem sich die Feiernden mit Stangerln, Gulaschsuppe oder Mettbrötchen stärken konnten. Abseits des Gedränges fand aber jeder, der sich müde Beine gelaufen hatte, einen kleinen Mensatisch, um sein Mahl einzunehmen. Und um über das Erlebte nachzudenken.

Einige Stammgäste, allesamt Würzburger, trugen auch Kritik zusammen. Wer schon öfter eine Kirchennacht mitgemacht hatte, vermisste an diesem Abend die Augustiner: "Die hatten sonst immer ein schönes Programm." Eine Wiederholungs-Kirchennachtgängerin hatte an diesem Abend bereits eine Handvoll Gotteshäuser besucht, aber "nichts gefunden, was unter die Haut geht". Besonders auf den Papstfilm im Dom stürzte sich ein Würzburger: "Die Akustik war miserabel. Das hätte man professionell besser einstellen können." Seine Begleiterin sah einen wesentlichen Effekt der gesamten Veranstaltung, insbesondere für die katholische Kirche. Die müsse "nach diesen Missbrauchsskandalen doch was tun!"

Zu einer Thementour lud die Franziskanerkirche ein. Foto: dita Vollmond

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