BÖTTIGHEIM

Von Böttigheimer Hutzeln und Giggala

Bernd Günzelmann erläutert die Artenzusammensetzung des Böttigheimer Mischwaldes. Foto: Jochen Diener

Die dritte „Wege übers Land“-Wanderung der Öko-Modellregion Waldsassengau führte die rund 45 Teilnehmer nach Böttigheim mit seinen ehemaligen Weinbergen – heute ein wertvolles Trockenbiotop mit überregionaler Bedeutung.

Alt-Bürgermeister Achim Rieck begeisterte mit Fakten und Anekdoten zu dem kleinen, einst wohlhabenden Grenzörtchen „zum Badischen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Zahlreiche seltene Orchideen locken im Frühling Besucher aus ganz Deutschland auf die geschützten Trockenrasenhänge. Bernd Günzelmann vom Amt für ländliche Entwicklung erläuterte bei der Wanderung die Kulturgeschichte des Naturschutzgebiets. Im Mittelalter dienten die einst bewaldeten Flächen als sogenannter Hutewald und wurden vom Vieh beweidet, wodurch sie nach und nach verkahlten. Anschließend betrieben die Böttigheimer über Jahrhunderte Weinbau auf den Hängen und hungerten durch einseitigen Nährstoffentzug den Boden weiter aus.

Heute werden die Hänge unter anderem durch Beweidung möglichst offen gehalten. Die wieder bewaldete Kuppe weist viele „Hungerkünstler“ auf, also Bäume, die mit wenig Nährstoffen und Wasser zurecht kommen, wie Mehl- oder Elsbeere, Speierling und Kirsche.

Alles in allem sei der artenreiche Mischwald über Böttigheim ein „schönes, aber armes Mädchen“, fasste Günzelmann zusammen.

Hutzelkreuz zur Erinnerung

Die blutige Geschichte des Hutzelkreuzes ließ erahnen, welche Hungerperioden die heimische Bevölkerung zur Zeit des 30-jährigen Krieges zu ertragen hatte. Der Streit einiger junger Männer um eine Hand voll Hutzeln (gedörrte Birnenstücke) endete für einige tödlich. Die Überlebenden stellten zur Erinnerung das Hutzelkreuz auf.

Um indes unter den Wanderern kein Hungergefühl aufkommen zu lassen, wartete Familie Seidenspinner aus Böttigheim mit ihren hausgemachten Wurstspezialitäten auf und der Neubrunner Bürgermeister Menig spendierte die passenden Getränke. Kreuzberg und Fiederling-Kapelle waren die letzten Stationen, ehe die Gesellschaft im Berghof einkehrte, um bei den legendären Backofenhähnchen, auch „Giggala“ genannt, die Wanderung zu verarbeiten.

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