WÜRZBURG

Von Latein fasziniert: Lorbeeren für Lara

Assistent, Migrationshintergrund, Investieren ... sind Fremdwörter, die wir im Fernsehen oder im Radio hören, die wir in den Zeitungen immer wieder lesen oder bei Unterhaltungen in den Mund nehmen. Sie bereichern unsere Sprechkultur.

Viele tausend Fremdwörter im Deutschen sind lateinischen Ursprungs, Latein lebt im Spanischen, Italienischen oder Französischen weiter. Wissenschaften wie Medizin, Raumfahrt oder Physik kommen ohne Latein nicht aus. Und da soll einer sagen, dass Latein eine tote Sprache sei? Sicher nicht. Und Latein kann durchaus heute noch junge Menschen begeistern, wie Lara Neuhauser aus Würzburg beweist.

„Ich kann nur bewundernd zuschauen, was Lara da alles geleistet hat.“
Norbert Baur Oberstudiendirektor

Die 17-jährige Deutschhaus-Gymnasiastin ist eine der drei Sieger des diesjährigen 27. Landeswettbewerbs „Alte Sprachen“ des Bayerischen Kultusministeriums. Weit über 1 000 Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Freistaat hatten anfangs teilgenommen; das war im Februar 2014. Die 50 Besten kamen im Oktober 2014 in die zweite Runde.

Zehn junge Wettbewerber blieben schließlich übrig, die dann im März dieses Jahres in München zum spannenden Finale antraten. Lara Neuhauser heimste mit zwei anderen Mitbewerbern als Siegerin die Lorbeeren ein. „Ich war schon etwas nervös, das Prüfungsgremium bestand aus zehn Personen. Ich musste nach kurzer Vorbereitungszeit einen Text des römischen Dichters Vergil übersetzen und interpretieren“, sagt die Abiturientin mit einem Schmunzeln.

Ihr Können überzeugte die Fachjury auf der ganzen Linie. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle lobte in einem persönlichen Gratulations-Schreiben „Engagement, Eigeninitiative, Durchhaltevermögen und die ausgezeichneten altsprachlichen Kenntnisse“ der jungen Frau.

Lara Neuhauser war seit der ersten Gymnasialklasse vom Lateinischen fasziniert. Das erkannte damals schon ihre Lehrerin und spätere Mentorin Eleonore Jockel. Die Studiendirektorin bescheinigt der Schülerin ein besonderes Sprachgefühl und einen starken Willen, sich mit der Sache auseinanderzusetzen und vieles zu hinterfragen. Die Pädagogin freut sich, dass gerade das neusprachliche Deutschhausgymnasium mit naturwissenschaftlich-technologischer Ausrichtung dank Lara Neuhauser zum ersten Mal den Landeswettbewerb „Alte Sprachen“ gewinnen konnte.

Selbstverständlich ist auch der Chef angetan. „Ich kann nur bewundernd zuschauen, was Lara da alles geleistet hat. Beeindruckend war ihr selbstständiges Arbeiten“, merkt Oberstudiendirektor Norbert Baur an. Für den Schulleiter ist es durchaus vorstellbar, dass Laras Erfolg andere Schüler ermutigen kann, an derartigen Wettbewerben teilzunehmen.

Lehrer wie Preisträgerin sind sich im Klaren, dass der Lateinunterricht die Allgemeinbildung bereichert und das Erlernen anderer Sprachen erleichtert. Moderne Lehrpläne, Unterrichtsmethoden und Schulbücher tragen das ihre dazu bei, dass die Alte Sprache nicht ins Abseits gerät. Wer genau hinsieht, wird erfahren, dass das Latein zeitlose Aktualität bieten kann. Schon vor rund 2 000 Jahren beschäftigten sich bereits helle Köpfe wie Cicero, Seneca oder Ovid damit, wie man das Leben im Alter sinnvoll gestalten könne, wie Beutekunst zu behandeln sei, welche Regeln für eine packende Rede gelten oder zu welchen Gelegenheiten sich junge Leute getroffen haben.

Lara Neuhauser wird im Juni nach München fahren, um die Auszeichnung in Empfang zu nehmen. Und wie geht es weiter – nach dem Abitur? Sie liebäugelt damit, an der Uni alte Sprachen zu studieren.

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