WÜRZBURG

Vor Bürgerentscheid: Denkmal oder 140 Wohnungen?

Schon am Applaus und an den Zwischenrufen während der einführenden Diskussionsrunde war klar erkennbar, wohin die Reise bei den Fragen aus dem Publikum gehen würde: Es gab hauptsächlich Kritik an den Plänen von Stadt und Investor Strabag Real Estate für die Entwicklung auf dem Moz-Faulhaber-Areal.

Ratsbegehren für das Mozartareal
Mozartschule, innen: Stadtheimatpfleger Hans Steidle hält das Ensemble für erhaltenswert.PETER Foto: Foto:

Mit einer Ausnahme: Christian Loos befürwortete den geplanten Bau von 140 Wohnungen und einer neuen Tiefgarage mitten in der Innenstadt. Die 450 unterirdischen Stellplätze wären demnach „eine Chance, um Oberflächenparkplätze zum Beispiel am Paradeplatz in großer Zahl abzuschaffen“, so Loos. Er sprach als Privatperson, nicht in seiner Eigenschaft als Kreisvorsitzender des Verkehrs-Club Deutschland.

Am Paradeplatz, direkt am Dom, könnten laut Loos die begrünten Ausgleichs- und Erholungsflächen entstehen, die sich die Gegner des Strabag-Projekts an anderer Stelle wünschen. „Wir sind für eine Begrünung des öffentlichen Raums am Faulhaber-Platz und für den Erhalt des Denkmals Mozartschule“, sagte Rita Hasan von der Bürgerinitiative „Stadtbild Würzburg“.

Sie befürchtet einen Rückstau des Grundwassers bis zur Residenz, wenn die zweigeschossige Tiefgarage Wirklichkeit wird.

Aufgrund des vorliegenden hydrologischen Gutachtens gehen die Strabag-Planer aber davon aus, dass zwei Tiefgaragen-Geschosse kein Problem darstellen. „Es wären auch drei möglich, aber das war uns im Hinblick auf die Bebauung in der Umgebung zu risikobehaftet“, sagte Marcus Müller.

„Innerstädtischer Wohnraum ist heutzutage wahnsinnig nachgefragt.“
Marcus Müller, Bereichsleiter Strabag Real Estate

Der Strabag-Regionalleiter erläuterte, warum sein Unternehmen mitten in der Stadt neue Wohnungen bauen möchte: „Innerstädtischer Wohnraum ist heutzutage wahnsinnig nachgefragt. Ältere Leute ziehen wieder mehr in die Stadt, weil sie kurze Wege suchen.“ Die Strabag plane auf dem Moz-Faulhaber-Areal auch nicht nur Luxus-Penthäuser mit Blick auf die Residenz: „Wir werden dort auch Wohnungen haben, die sich ein Durchschnittsbürger leisten kann.“ Jörg Töppner stellte das in Frage.

Müller und Oberbürgermeister Christian Schuchardt betonten auf Nachfrage auch noch einmal, dass auf dem Kardinal-Faulhaber-Platz – anders als bei früheren Planungen – kein Einkaufszentrum, sondern allenfalls kleinteiliger Einzelhandel entstehen soll. 4 500 Quadratmeter sind inklusive aller Nebenräume für ein bis drei Geschäfte vorgesehen. „Von einer Einkaufsgalerie spricht man ab einer Größe von 12 000 bis 20 000 Quadratmetern“, sagte Schuchardt.

Er kann sich dort ein neues Lebensmittelgeschäft vorstellen, nachdem in den letzten Jahren die Norma in der Domerschulstraße und der Kupsch in der Sanderstraße schließen mussten. „Das ist vor allem ein Thema für ältere Leute, die nicht mehr so gut zu Fuß sind“, so Schuchardt.

Einen Image-Schaden für Würzburg als Kulturstadt befürchtet Stadtheimatpfleger Hans Steidle, wenn das anerkannte Denkmal Mozartschule abgerissen wird. Es sei in einem desolaten Zustand? „Vor vier Jahren war das Gebäude noch so gut in Schuss, dass man es dem Freistaat als Landesmuseum angedient hat.“

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