Würzburg

Vorerst keine Balthasar Neumann-Ampelmännchen in Würzburg

Mit dieser Standard-Figur leuchtet derzeit die Fußgängerampel an der Würzburger Residenz. Nach dem Willen zweier CSU-Stadträte sollte hier zukünftig eine Balthasar-Neumann-Grafik zu sehen sein. Das Rathaus lehnte diesen Antrag aber ab. Foto: Torsten Schleicher

Mit einem auf den ersten Blick kurios anmutenden Antrag beschäftigte sich am Donnerstagnachmittag der Ferienausschuss des Würzburger Stadtrates. Die CSU-Stadträte Kurt Schubert und Rainer Schott hatten beantragt, dass statt der "normalen" Ampelfigur künftig der berühmte Barockbaumeister Balthasar Neumann (1687–1753) den Fußgängern anzeigen soll, ob sie über die Straße gehen dürfen oder warten müssen.

Residenz-Ampeln als Erinnerung an Balthasar Neumann

"Der geniale Baumeister Balthasar Neumann hat das Stadtbild der Stadt Würzburg erheblich geprägt,  egal ob Residenz, Käppele, Geschäftshaus am Markt." In der ganzen Stadt stoße man auf Werke des Baumeisters, heißt es in dem an Oberbürgermeister Christian Schuchardt gerichteten Antrag. Deshalb sollten die Fußgängerampeln rund um die Residenz mit einer Grafik von Balthasar Neumann versehen werden, "um die Erinnerung an diese Persönlichkeit zu würdigen". Mit der neuen Ampelgestaltung hätten "die Würzburger sowie die Touristen diese Persönlichkeit auf eine besondere Art immer vor Augen", so Schubert und Schott, und "Würzburg wäre auch um eine Attraktion reicher".  

Balthasar Neumann auf einem bekannten Gemälde im Museum für Franken. Foto: Patty Varasano

Der Erbauer der Residenz wird jedoch nicht auf Fußgängerampeln zu sehen sein. Die Stadtverwaltung hatte schon im Vorfeld der Sitzung empfohlen, das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen. Daran orientierten sich auch die Stadträte im Ferienausschuss, die mehrheitlich und ohne Diskussion gegen den Antrag stimmten.

Strenge Richtlinien

Im Rathaus bezog man sich auf die bayerischen "Richtlinien für Lichtsignalanlagen" von 2015, in denen geregelt ist, wie die "Sinnbilder" für die Ampeln, die im Amtsdeutsch "Fußgängersignalgeber" heißen, aussehen müssen: "Im roten Leuchtfeld muss das Sinnbild eines stehenden, im grünen Leuchtfeld das Sinnbild eines schreitenden Fußgängers gezeigt werden."

Was Fußgängerampeln betrifft, versteht man in Bayern offenbar keinen Spaß. Denn laut dieser Richtlinie dürfen nicht einmal die "im Einigungsvertrag zugelassenen Fußgängersignalbilder" (Ost-Ampelmännchen) den Verkehr regeln. Daher, so schloss die Stadtverwaltung, sei es nicht zulässig, die üblichen Grafiken auf den Fußgängerampeln zu ändern. 

In Lohr scheiterte der Plan einer Schneewittchen-Ampel

Die harte bayerische Linie bekamen auch Bürger in Lohr zu spüren, die angeregt hatten, in der Stadt Schneewittchen-Ampeln einzurichten. Von der Regierung von Unterfranken kam dazu eine klare Absage. Allerdings sind umgestaltete Fußgängerampeln in Bayern nicht nur in Unterfranken ein Thema. In Bayreuth wird zurzeit darüber diskutiert, die Ampeln, die zum Festspielhaus leiten, mit einer Richard-Wagner-Karikatur auszustatten. Im dortigen Rathaus wird das Ansinnen derzeit ebenfalls geprüft.

In Bamberg scheiterte 2017 der Plan, eine Ampel mit der Kinderbuchfigur "Sams" von Paul Maar zu gestalten. Heftig gestritten wurde im letzten Jahr um die 2013 eingeführten "Ampelfrauen" in Sonthofen.  Vorerst dürfen sie bleiben. Und in Augsburg konnte sich immerhin ein grünes Kasperl als Ampelfigur behaupten. 

In Bayern schwierig, aber woanders kein Problem

Was sich in Bayern schwierig darstellt, ist in anderen Bundesländern indes kein Problem. Im osthessischen Fulda hilft so beispielsweise der heilige Bonifazius über die Straße, in Bremen sind es die Stadtmusikanten, in Mainz die Mainzelmännchen oder in Trier Karl Marx.

 

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