Würzburg

Wahl: Warum Mutter und Sohn für den Stadtrat kandidieren

Verwandte, die auf einem Stimmzettel stehen? In Unterfranken ist das keine Seltenheit. In Würzburg tritt ein Geschwisterpaar sogar gegeneinander an. Das sagt das Gesetz.
Gleiche Nachnamen auf dem Stimmzettel: In Unterfranken kandidieren viele Familien zusammen auf einer Liste. Foto: Romina Birzer

Wenn auf den Stimmzetteln bei der Kommunalwahl mehrfach dieselben Nachnamen auftauchen, wundert das möglicherweise einige Wähler. Auf der Liste "Bürgerforum" in Würzburg wird es besonders deutlich: Vorne auf Platz eins kandidiert mit Stadträtin Charlotte Schloßareck eine erfahrene Kommunalpolitikerin. Dahinter auf Platz zwei hat die Wählervereinigung ihren Sohn, Gastronom Michael Schloßareck, platziert. Auf Plakaten werben die beiden sogar gemeinsam. 

Verbot für kleine Gemeinde aufgehoben

Sie wolle ihre Erfahrungen und ihr Hintergrundwissen an ihren Sohn weitergeben, sagt die 70-Jährige. Schließlich sei es ihre letzte Kandidatur – und die Kommunalpolitik sei sehr komplex. "Wenn einem keiner hilft, ist das schon schwierig", erinnert sie sich an ihre Anfangstage im Stadtrat. Mit ihrer Unterstützung habe ihr Sohn, sollte er gewählt werden, keine lange Einarbeitungszeit und könne schnell loslegen, zum Beispiel mit Anträgen, hofft Schloßareck. "Wie dann seine Entscheidungen sein werden, kann und will ich nicht beeinflussen."

Für manche Bürger könnte es aber ein Geschmäckle haben, wenn Familien in Gremien einziehen und dort die Geschicke einer Stadt lenken. Schnell steht der Verdacht der Vetternwirtschaft im Raum. Dabei tun sie nichts Unrechtes. Zwar galt bis in die 2000er in Bayern die Regelung, dass zumindest in kleineren Gemeinden enge Verwandte und Ehepaare nicht gemeinsam im Stadt- und Gemeinderat sitzen dürfen: Dieses Verbot gibt es aber nicht mehr. Und sollten Familienmitglieder tatsächlich gewählt werden, greifen laut Innenministerium ohnehin die Vorschriften zum Ausschluss von der Beratung und Entscheidung in eigenen Angelegenheiten – und solchen, die enge Verwandte berühren. 

Keine Seltenheit in Unterfranken

Überall in Unterfranken, egal ob in den Städten oder auf dem Land, finden sich Angehörige der gleichen Familien auf den Listen. Ein Blick nach Iphofen (Lkr. Kitzingen) zeigt das anschaulich. Für die SPD treten dort zum Beispiel das Ehepaar Angela Kößler und Jürgen Kößler zusammen mit Schwiegermutter Karin Jung an. Außerdem kandidieren für die Sozialdemokraten noch Volker von Hoyningen-Huene und seine Tochter Alexandra von Hoyningen-Huene.

"Politisch diskutiert wurde bei uns Zuhause schon immer."
Simon Zschau, Stadtratskandidat für die CSU

Bei der politischen Konkurrenz sieht es ähnlich aus. Mit Lilian Laacke (Ersatzkandidatin) und Andreas Laacke stellt auch die CSU ein Ehepaar zur Wahl. Und während Andi Müller in Iphofen bei den Christsozialen auf der Liste steht, kandidiert sein angeheirateter Onkel Dieter Servatius bei der Freien Wählergemeinschaft. 

Geschwisterpaar tritt für unterschiedliche Parteien an

In Schonungen (Lkr. Schweinfurt) hat sogar der Bürgermeister die Unterstützung seiner Mutter in der SPD-Fraktion. Aber Dagmar Rottmann kandidierte erst als ihr Sohn Stefan Rottmann schon im Amt – und viel beschäftigt – war. "Wenn du mich öfter sehen willst, musst du dich auch aufstellen lassen", habe er zu seiner Mutter damals mit Augenzwinkern gesagt. Dagmar Rottmann fand diese Idee offenbar gut und tritt nun schon zum zweiten Mal an. Seine Mutter habe großen Spaß daran, sich gesellschaftlich zu engagieren, und sei eine "gute Beraterin", so der Bürgermeister. "Sie kriegt Meinungen aus der Bevölkerung ehrlicher gesagt als ich." 

In manchen Fällen treten auch enge Verwandte für konkurrierende Parteien an. Prominentestes Beispiel aus Unterfranken sind wohl die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) und ihre Tochter Claudia Stamm, die als Abgeordnete für die Grünen, später ohne Fraktion, im Landtag saß. Aber auch bei der Kommunalwahl gibt es solche Fälle. Die Geschwister Simon Zschau (CSU) und Miriam Zschau (Grüne) wollen beide in den Würzburger Stadtrat. "Politisch diskutiert wurde bei uns Zuhause schon immer", sagt Simon Zschau. Sein Vater sei viele Jahre in der SPD aktiv gewesen.

Dass seine Schwester für eine andere Partei als er selbst kandidiert, damit habe er kein Problem, sagt der 25-Jährige. Er halte es für sehr gut, dass sich seine Schwester politisch engagiert. Die größte Meinungsverschiedenheit sieht er beim Klimaschutz: "Wenn man seine politischen Forderungen mit Verboten durchsetzen will, finde ich dies nicht optimal." Miriam Zschau sagt, es sei für sie "ok", dass ihr Bruder bei der CSU ist. Allerdings seien "die Ehe für alle" und der "Umgang mit Flüchtlingen" Themen, über die man "sich unterhalten kann und muss", erklärt sie diplomatisch .

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