Würzburg

Wahl in Unterfranken: Welche Lehren die Parteien ziehen können

Die CSU ist der Gewinner der Kommunalwahlen in Unterfranken. Aber auch in den anderen Parteien gibt es Hoffnungsträger - und Verlierer. Eine Analyse.
Den größten Erfolg bescherte der CSU in Unterfranken ein CDU-Mann: Christian Schuchardt gewann die Oberbürgermeisterwahl in Würzburg bereits im ersten Wahlgang. Foto: Daniel Peter, dpa

Beim ersten Blick auf die Kommunalwahlen in Unterfranken wird vor allem eines deutlich: Frauen haben es trotz aller Appelle weiter sehr schwer, wenn es um die Macht in den Landratsämtern und größeren Rathäusern geht. Rühmliche Ausnahme: Tamara Bischof. Seit 2000 steht die Freie-Wähler-Politikerin unangefochten an der Spitze im Kreis Kitzingen. Gute Aussichten, es ihr gleich zu tun, hat Sabine Sitter. Die 44-Jährige könnte in der Stichwahl das Jahrzehnte von den Freien Wählern beherrschte Landratsamt in Main-Spessart für die CSU zurückgewinnen.

CSU

Überhaupt sind die Christsozialen der Gewinner der Kommunalwahlen am Sonntag. Christian Schuchardt (Würzburg), Sebastian Remelé (Schweinfurt), Thomas Bold (Bad Kissingen), Thomas Habermann (Rhön-Grabfeld), Wilhelm Schneider (Haßberge): Alle ihre amtierenden Oberbürgermeister und Landräte in der Region haben klar gewonnen. Höhepunkt dabei der Durchmarsch von Schuchardt, der so nicht zu erwarten war. Der Erfolg zeigt der CSU: Die Grünen sind auch in der Uni-Stadt schlagbar. Mit Sabine Sitter und Thomas Eberth (Kreis Würzburg) könnten noch weitere CSU-Sieger am 29. März hinzukommen.

Trotz so viel Licht, es gibt auch Schatten: Gegen etablierte Amtsinhaber der anderen Parteien konnten CSU-Kandidaten nichts ausrichten: gegen Tamara Bischof nicht, gegen den Grünen Jens Marco Scherf im Kreis Miltenberg nicht - und überraschend deutlich auch nicht gegen den Schweinfurter Landrat Florian Töpper von der SPD. Um dessen Posten zurückzuerobern, investierte die CSU massiv. Am Ende waren es mickrige 26,2 Prozent für Herausforderer Lothar Zachmann.

Grüne

Die Grünen müssen aus dem Wahlsonntag die Lehre ziehen, dass die Höhenflüge endlich sind. Die Partei hat zwar im Vergleich zu 2014 auf Stadtrats- und Gemeinderatsebene flächendeckend zahlreiche neue Mandate gewonnen, ja in Würzburg und Gerbrunn (Lkr. Würzburg) sogar die Mehrheit im Stadt- und Gemeinderat. Das ist ein Erfolg. Unter den Bürgermeistern sind Grüne aber weiter einzelne Exoten - wie Überraschungssieger Volkhard Warmdt in Wiesenbronn (Lkr. Kitzingen). Eine Erkenntnis, die überstrahlt wird von der Wiederwahl Scherfs als Landrat in Miltenberg. Dass es Martin Heilig bei sechs Kandidaten in Würzburg nicht in die Stichwahl schaffte, ist eine Enttäuschung. Für Manuela Rottmann sind die 25 Prozent bei der Landratswahl in Bad Kissingen durchaus ein Achtungserfolg, aber eben auch nicht mehr.

Freie Wähler

Bei den Freien Wählern sonnt man sich vor allem im Erfolg von Tamara Bischof. Noch Außenseiter-Chancen hat Christoph Vogel in der Landrat-Stichwahl in Main-Spessart. Aber gerade in ihrer einstigen Hochburg hat die Regierungspartei Federn lassen müssen: In Karlstadt, wo die Freien Wähler bislang regierten, schaffte es Kandidat Benedikt Kaufmann nicht mal in die Stichwahl, auch in Marktheidenfeld ging der Rathaus-Chefsessel verloren. Ein überraschendes Highlight ist indes der Wahlsieg in der Kreisstadt Bad Neustadt (Lkr. Rhön-Grabfeld). Hier setzte sich mit Michael Werner ein 31-Jähriger gleich im ersten Wahlgang durch.

SPD

Für die SPD geht die Talfahrt vielerorts weiter, vor allem in den Städten. Marietta Eder hatte sich in Schweinfurt sicher mehr ausgerechnet als 26,5 Prozent, die 4,9 Prozent für die frühere Europaabgeordnete Kerstin Westphal in Würzburg sind eine Katastrophe. Bis 2013 hatte die SPD mit Georg Rosenthal in der Domstadt noch den Oberbürgermeister gestellt. Trotzdem vermelden auch die Sozis Erfolge: Fast 74 Prozent für Landrat Florian Töpper in Schweinfurt sind ein Pfund, in die OB-Stichwahl in Aschaffenburg geht SPD-Mann Jürgen Herzig als Favorit. Und dann ist da noch Bad Kissingen, wo der neue Oberbürgermeister Dirk Vogel mit seinem Sieg überraschte.

FDP

Die FDP tut sich bei Kommunalwahlen traditionell schwer. Die knapp zehn Prozent für Karl Graf Stauffenberg bei der Landratswahl in Rhön-Grabfeld sind gleichwohl mehr als viele Beobachter erwartet hatten. Am Untermain sind die Gelben traditionell stärker: Cornelius Faust, Parteiloser bei den Liberalen Miltenbergern, erreichte die Stichwahl bei der Bürgermeisterwahl in Miltenberg.

AfD

Für die wenigen AfD-Kandidaten bei Bürgermeisterwahlen blieb es bei einer Außenseiterrolle. Immerhin 7,1 Prozent für den Kissinger OB-Kandidaten sind ein Achtungserfolg. Dort, wo die Partei Listen aufgestellt hat, wird sie nun erstmals auch Kandidaten in die kommunalen Parlamente schicken. Bemerkenswert die über acht Prozent bei der Stadtratswahl in Schweinfurt. Bezirkschef Richard Graupner, dort bislang Einzelkämpfer, wird entsprechend Gesellschaft bekommen.

Linke

Die Linke tut sich bei Kommunalwahlen schwer. Dass man nach Schweinfurt nun auch in Würzburg in Fraktionsstärke in den Stadtrat einzieht, ist ein kleiner Erfolg. Ganz bitter verlief die Landratswahl in Würzburg für die Bundestagsabgeordnete Simone Barrientos. Mit 2,1 Prozent lag sie noch hinter dem AfD-Bewerber.

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