Gerbrunn

Wahlarena: Wie präsentieren sich die Landratskandidaten?

Es geht um die Zukunft des Landkreises Würzburg. In der Main-Post-Wahlarena diskutierten die Landratskandidaten ihre Ideen und ließen auch persönlich tief blicken.
In der Main-Post-Wahlarena in Gerbrunn standen fünf der sechs Landratskandidaten Rede und Antwort. Im Bild von links Moderator Thomas Fritz, die Landratskandidaten Simone Barrientos (Linke), Karen Heußner (Grüne), Thomas Eberth (CSU), Christine Haupt-Kreutzer (SPD) und Felix von Zobel (UWG-FW) und Moderatorin Julia Back.
In der Main-Post-Wahlarena in Gerbrunn standen fünf der sechs Landratskandidaten Rede und Antwort. Im Bild von links Moderator Thomas Fritz, die Landratskandidaten Simone Barrientos (Linke), Karen Heußner (Grüne), Thomas Eberth (CSU), Christine Haupt-Kreutzer (SPD) und Felix von Zobel (UWG-FW) und Moderatorin Julia Back. Foto: Fabian Gebert

Der harte Schlagabtausch blieb aus. Dafür gaben die Bewerber um das Amt des Landrats im Landkreis Würzburg viel Persönliches von sich preis. Auch darum ging es bei der Main-Post-Wahlarena in der ansehnlich besetzten Gerbrunner Mehrzweckhalle. Vor allem aber um die Ideen, mit denen Felix von Zobel (UWG-Freie Wähler), Simone Barrientos (Linke), Thomas Eberth (CSU), Christine Haupt-Kreutzer (SPD) und Karen Heußner (Grüne) die Zukunft des Landkreises gestalten wollen. Dass jeder von ihnen eine ansehnliche Zahl von Anhängern mitgebracht hatte, zeigte der Zwischenapplaus, der immer wieder aus unterschiedlichen Ecken der Halle aufkam.

Themen, die seit Jahren die Kreispolitik prägen, beherrschen auch den von den beiden Redakteuren Julia Back und Thomas Fritz moderierten Abend. Es geht um den Ausbau der Straßennetzes und des öffentlichen Nahverkehrs, um die Zukunft der medizinischen Versorgung und um den Betrag des Landkreises zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse zwischen dem Stadtumland und den ländlichen Gegenden. Klimapolitik und bezahlbarer Wohnraum hingegen sind Themen, die erst in jüngster Zeit auf die Agenda drängen.

Unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel

Im Ziel scheinen sich die Kandidaten über vieles einig, doch unterschiedlichen Wege werden bereits im ersten Themenblock deutlich, als Moderator Thomas Fritz die Forderung vieler Bürger nach Umgehungsstraßen vorbringt. In Rimpar hat sich der Landkreis bereit erklärt, den Bau einer Ortsumfahrung mit drei Millionen Euro zu unterstützen. CSU, SPD und UWG sind dafür, die Grünen dagegen. "Straßenbau ist nicht die erste und beste Lösung", sagt Karen Heußner. "Neue Straßen produzieren nur noch mehr Autoverkehr." Stattdessen müssten Ortsdurchfahrten für den Fahrzeugverkehr möglichst unattraktiv gemacht werden. Simone Barrientos gibt ihr Recht.

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Felix von Zobel hingegen hält Umgehungsstraßen für die wirkungsvollste Lösung, um Gemeinden vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Einig ist man sich, dass ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs langfristig zu einer Lösung führen könnte, "aber so lange können wir nicht warten", wirft Christine Haupt-Kreutzer ein.

Mit skeptischem Blick hört Thomas Eberth (CSU) der Linken-Kandidatin Simone Barrientos zu.
Mit skeptischem Blick hört Thomas Eberth (CSU) der Linken-Kandidatin Simone Barrientos zu. Foto: Fabian Gebert

Im Zweigespräch in den kleinen runden Ledersesseln wird es persönlich. Thomas Fritz entlockt Christine Haupt-Kreutzer, dass sie panische Angst vor Gewittern hat. Ceraunophobie nennen Mediziner das Phänomen. Weniger bange ist ihr vor dem Gewitter, das im vergangenen Jahr im Landratsamtsamt tobte, als sich Mitarbeiter über Mobbing eines Vorgesetzten beschwert hatten und dafür nicht das rechte Gehör fanden. Als Landrätin sähe sie es als ihre erste Aufgabe, das Vertrauen der Mitarbeiter zurückzugewinnen, sagt Haupt-Kreutzer.

Neuer Führungsstil im Landratsamt

Auch Thomas Eberth würde einen neuen Führungsstil ins Amt einkehren lassen und dessen Dienstleistungsfunktion stärken. "Wir müssen das Vertrauen schaffen, dass die Mitarbeiter ihren Ermessensspielraum nutzen, um Lösungen zu finden, und nicht, um Probleme zu schaffen", sagt er. Von Felix von Zobel, dem mit 27 Jahren jüngsten Bewerber, erfährt das Publikum, dass er bei den Wählern nicht mit seinem Alter punkten will, sondern mit seinen Konzepten. "Jugend ist keine Sünde und Alter kein Privileg", sagt er.

In den runden Ledersesseln wurde es persönlich. Felix von Zobel (UWG-FW) im Zwiegespräch mit Moderatorin Julia Back.
In den runden Ledersesseln wurde es persönlich. Felix von Zobel (UWG-FW) im Zwiegespräch mit Moderatorin Julia Back. Foto: Fabian Gebert

Moderatorin Julia Back fragt Karen Heußner, ob sie an Horoskope glaubt, wo sie doch gerne mit ihrem Teleskop in die Sterne schaut - und wird prompt über den Unterschied zwischen Astrologie und Astronomie belehrt. Die Feststellung, dass sie bisher kaum mit eigenen Themenschwerpunkten aufgefallen sei, weiß die Grünenpolitikerin zu parieren. "Ich sehe das positiv. Ich bin Generalistin, die sich in jedes Thema einarbeiten kann."

Realistische Einschätzung

Simone Barrientos hingegen outet sich als begeisterte Schneiderin und Star Trek-Fan. Von Berlin ist sie vor einigen Jahren nach Ochsenfurt gezogen, um 2017 als Bundestagsabgeordnete an ihren alten Wohnort zurückzukehren. Zu Julia Backs Frage, ob der Landkreis bereit sei für eine linke Landrätin, hat sie eine realistische Einschätzung: "Unter uns Klosterschwestern – eher nicht", sagt sie und bekennt, dass ihr vorrangiges Ziel eine Kreistagsmehrheit links der CSU sei.

Wer kennt sich im Landkreis aus? Beim Quiz schlugen sich die Kandidatinnen Christine Haupt-Kreutzer (links) und Karen Heußner gut.
Wer kennt sich im Landkreis aus? Beim Quiz schlugen sich die Kandidatinnen Christine Haupt-Kreutzer (links) und Karen Heußner gut. Foto: Fabian Gebert

Ihr Wissen über den Landkreis müssen die Kandidaten bei einem Quiz unter Beweis stellen. Auf die Frage nach der Landkreisgröße (968,4 Quadratkilometer) kann Felix von Zobel sogar die Kommastelle nennen, und er weiß auf Anhieb immerhin vier der fünf Büttharder Ortsteile. Mit fünf von acht Richtigen entscheidet er die Raterunde für sich.

Schwerpunktthema ÖPNV

Dem ÖPNV ist ein eigener Themenblock gewidmet. Karen Heußner fordert einen Ausbau des Straßenbahnnetzes über die Würzburger Stadtgrenzen hinaus. Gemeinsam mit Christine Haupt-Kreutzer tritt sie für kostenlose Tickets für Jugendlichen ein. Thomas Eberth bringt eine Obergrenze für Ticketpreise ins Gespräch, von der vor allem die Bürger in den ländlichen Gemeinden profitieren würden. "Die  haben das schlechteste Angebot und die höchsten Preise", so Eberth. Vor allem für Pendler vom Land kann sich Christine Haupt-Kreutzer individuell angepasste Busverbindungen vorstellen, die - ähnlich wie Schulbusse - direkt zwischen Wohnort und Arbeitsplatz verkehren. 

Das Rufbus-System hält Felix von Zobel für die beste Lösung, um kleine Gemeinden ans Liniennetz anzubinden. Um den ländlichen Raum als Ort zum Wohnen und Arbeiten attraktiver zu machen, bedürfe es aber mehr: zum Beispiel eine bessere Internetversorgung. Auch für die medizinische Versorgung hat er sich eine Lösung überlegt und schlägt vor, angehende Ärzte mit kostenloser Wohnung und finanziellen Anreizen aufs Land zu locken.

Nachfrage zum Schweineskandal

Die kurze Schlussdiskussion dreht sich ebenfalls um Mobilität und Nahversorung im ländlichen Raum. Danach richtet sich die Frage eines Landwirts aus dem südlichen Landkreis zum Schweineskandal von Osthausen an Thomas Eberth. Dieser lobt den Landkreis für sein schnelles Handeln bei der Beseitigung von 2000 toten Schweinen, die ein Landwirt in seinem Stall verenden ließ, will aber wissen, wie es zu vereinbaren sei, dass mit dem Rechtsanwalt Marc Zenner ein Mitglied der CSU-Kreistagsfraktion den Landwirt gegen die finanziellen Forderungen des Landkreises vertritt. Eberth sieht keinen Konflikt zwischen dem politischen Mandat und der beruflichen Tätigkeit seines Fraktionskollegen und betont, dass jeder Straftäter das Recht auf Verteidigung habe.

Welche Ideen die AfD und ihr Landratskandidat Olaf Stabrey für den Landkreis hat, bleibt den Besuchern verschlossen. Stabrey wollte nicht an der Wahlarena teilnehmen. Die Gründe für seine Absage verriet er nicht.

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