Würzburg

Wahlkampf: Wer verspricht Geld fürs Würzburger Kickers-Stadion?

Die Kickers wollen möglichst schnell ein neues Fußballstadion am Dallenberg. Wer von den sechs Würzburger OB-Kandidaten unterstützt diesen Plan?
Rund 100 Gäste verfolgten die Diskussion der OB-Kandidaten in der Kickers Gaststätte. Auf unserem Bild von links: Martin Heilig (Grüne), Volker Omert (FWG), Kerstin Westphal (SPD), OB Christian Schuchardt (CDU), Sebastian Roth (Linke) und Dagmar Dewald (ÖDP). Foto: Patty Varasano

"Eine Kommune muss wissen, was ein Verein im Profisport für sie wert ist." Das hat Meistertrainer und Fußball-Chef von Investor Flyeralarm, Felix Magath, jüngst über die Zukunft des Fußballs in Würzburg gesagt. Der Verein hat die unausgesprochene Frage dahinter jetzt der Politik gestellt. Knapp einen Monat vor der Wahl wurden die sechs Oberbürgermeister-Kandidaten in der Kickers-Gaststätte zum Neubau eines Fußballstadions befragt.

Die Frage ist für den Verein dringend, da das neue Stadion Voraussetzung dafür ist, dauerhaft in der Zweiten Bundesliga spielen zu dürfen. Während erst ein Umbau der Flyeralarm Arena am Dallenberg und dann andere Standorte im Stadtgebiet im Gespräch waren, wurden Anfang des Jahres Stadionpläne der Kickers am Dallenberg bekannt. Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

Anwohner klagen, Kickers klagen auch 

"Der Dallenberg ist der einzig richtige Standort", erklärte Freie-Wähler-Kandidat Volker Omert unter dem Applaus der Kickersfans bei der Diskussion am Dienstag. Das sahen die anderen Kandidaten genauso. ÖPNV-Anschluss und keine Versiegelung von Flächen wurden unter anderem als Vorteil gegenüber einem Stadion auf der grünen Wiese genannt. Angesprochen wurden aber auch die Probleme.

"Die zwölf Hansel, die sich gut anwaltlich beraten lassen, sind mir eigentlich egal", sagte Grünen-Kandidat Martin Heilig zu den Problemen der Kickers mit einigen Anliegern, deren Klage gegen den Stadionbetrieb seit 2017 vom Verwaltungsgericht in München anhängig ist. Aber auch die Kickers klagen gegen Auflagen der Stadt, die die Nutzung des Stadions einschränken.

Kickers-Vorstandsvorsitzender Daniel Sauer (rechts) begrüßte mit Moderator Tobias Grimm die Zuhörer. Foto: Patty Varasano

Ende Januar gab es einen Ortstermin mit Vertretern von Kickers, Anwohnern und der Stadt, eine Entscheidung ist immer noch nicht absehbar. Allerdings soll ein neues Stadion weiter weg vom Wohngebiet und eingehaust gebaut werden, um die Lärmbelastung zu verringern. Auf Nachfrage der Redaktion erklärte der Sprecher der Bürgerinitiative Würzburg-Dallenberg, Werner E. Niederdraenk, dass der Verein die neuen Plänen den Anwohnern bislang nicht gezeigt habe. "Ich glaube nicht, dass die Belastungen für das Wohngebiet geringer werden würden." 

"Es kann nicht der am meisten bekommen, der am lautesten schreit."
ÖDP-Kandidatin Dagmar Dewald

Unterschiedlich positionierten sich die Kandidaten bei der Frage von Moderator Tobias Grimm nach ihrer Unterstützung für ein neues Stadion. Momentan finanziert die Stadt den Stadionbetrieb mit rund 300 000 Euro im Jahr. 2,4 Millionen Euro machte der Stadtrat zuletzt für den Umbau des jetzigen Stadions locker. 

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Kickers-Podiumsdiskussion

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ÖDP-Kandidatin Dagmar Dewald war deutlich. "Es kann nicht der am meisten bekommen, der am lautesten schreit," sagte sie im Hinblick auf die vielen Sportvereine in der Stadt. Für die Finanzierung des Stadions sollten sich die Kickers an ihren Hauptsponsor Flyer-Alarm wenden, "dessen Jahresumsatz 2018 rund 350 Millionen Euro betrug". Auch Linke-Kandidat Sebastian Roth lehnte eine Förderung des Profisports ab. SPD-Kandidatin Kerstin Westphal versprach Mittel für die Infrastruktur des Stadions.    

Anders der amtierende OB. Während 2017 die Stadt noch in einer Pressemitteilung betonte, sich an einem Stadionausbau nicht finanziell zu beteiligen, erklärte Christian Schuchardt jetzt im Club11, dass die Stadt Geld in die Hand nehmen soll. "Das habe ich bereits 2016 vorgeschlagen", sagte Schuchardt. Tatsächlich hatte er direkt nach dem Aufstieg der Kickers in die Zweite Liga sieben Millionen Euro für eine Stadiongesellschaft in Aussicht gestellt.

"Warum ist dann nichts voran gegangen?", fragte ihn daraufhin Grünen-Kadidat Heilig. Dieser betonte ebenso wie Omert, dass die Kickers jede Unterstützung verdienen. Konkreter wurden sie aber nicht.   

Kickers-Boss Sauer will Standortfrage schnell geklärt wissen

"Der breite Wille uns zu unterstützen ist da", bilanzierte Kickers-Boss Daniel Sauer nach der Veranstaltung auf Nachfrage der Redaktion. "Mehr Tempo", nannte er seinen Wunsch an die Politik. Die Frage, warum der Verein nicht selbst für mehr Tempo sorgt, indem er konkrete Bau- beziehungsweise Finanzierungspläne vorstellt, beantwortete Sauer so: "Erst wenn der Standort endgültig fest steht, können wir hier konkreter planen."

Diese Entscheidung liegt momentan auf Eis. Am Wunschstandort Dallenberg müssten zum Beispiel Lärm- und Verkehrsgutachten erstellt werden, bevor man dort wirklich weiter planen kann. 25 000 Euro wollen die Kickers dafür von der Stadt, was von der CSU-Fraktion unterstützt, aber von der Mehrheit des Stadtrats im Dezember abgelehnt wurde. "Wir hoffen, dass das nach der Wahl anders entschieden wird", so Sauer.     

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