Würzburg

Wahlkampf: Wer will in Würzburg Parkplätze und wer die Linie 6? 

Gibt es in Würzburg zu wenig Parkplätze oder zu viele Autos? Die Meinungen der Parteien gehen auseinander. Die wichtigsten Unterschiede in der Verkehrspolitik.     
Im Januar demonstrierte das Bündnis Verkehrswende jetzt auf dem Stadtring Süd für ein neues Mobilitätskonzept.  Foto: Patty Varasano

Der Verkehr ist laut der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung das wichtigste Thema des aktuellen Kommunalwahlkampfs. Grund genug noch einmal hinzuschauen: Was bieten die zehn Parteien und Listen, die am 15. März antreten, ÖPNV-Nutzern, Rad- und Autofahrern an?    

Mit der bisherigen Verkehrspolitik in Würzburg ist interessanterweise keine der zehn Parteien und Listen zufrieden. Selbst die CSU, die als bislang stärkste Fraktion im Stradtrat eigentlich am Hebel saß, sieht zwar einiges auf den richtigen Weg gebracht, um das Verkehrsaufkommen zu verringern, aber auch Handlungsbedarf.

Einig sind sich auch alle Parteien darin, dass der ÖPNV attraktiver werden muss, damit mehr Menschen ohne Auto in die Innenstadt kommen. Während alle dahinter stehen, dass Busse und Bahnen häufiger fahren sollen, unterscheiden sie sich bei konkreten Vorschlägen zu den Fahrpreisen. 

Wer will den ÖPNV günstiger machen?

Deutlich billigere Fahrpreise wollen ÖDP, Linke und Grüne. Letztere schlagen einen einfacheren und deutlich günstigeren Mainfranken-Tarif vor. Dagegen genügt es laut CSU die Großwabe auszuweiten, um Pendler aus dem Landkreis anzusprechen. Die WL schlägt konkret ein günstigeres Seniorenticket vor.

Dass auch die Reduzierung von Parkplätzen in der Innenstadt ein Instrument ist, um Menschen zum Umstieg auf Bahn und Bus zu bewegen, meint die SPD. Vor allem für WL, Bürgerforum, FDP und FWG geht das aber gar nicht.  "Parkplätze erhalten", fordert die WL, "Die Innenstadt muss erreichbar bleiben", plakatiert das Bürgerforum und meint damit vermutlich für Autos. 

Wer steht hinter der Linie 6? 

Die Straba zum Hubland wollen alle - bis auf die WL, die stattdessen auf Elektro- oder Brennstoffzellenbusse setzt. Im Laufe des Jahres könnte die nach Informationen der Redaktion momentan auf rund 115 Millionen Euro geschätzte Trasse Baurecht bekommen. Da der städtische Kostenanteil durch höhere staatliche Förderung  niedriger sein dürfte, sind jetzt auch CSU, FDP und Bürgerforum für die Linie 6, die ihnen im Wahlkampf 2014 noch zu teuer war. 

Eine Animation der WVV von 2011 zeigt die Trasse der neuen Linie 6 vor der Residenz. Foto: Screenshot MP

Zum Knackpunkt bei der Linie 6 könnte aber noch das Oeggtor werden, durch das momentan täglich rund 14 000 Autos und Busse rollen. Die Schließung wurde 2012 nach langen Diskussionen als Voraussetzung für die geplante Strabatrasse, die an der Residenz vorbei führt, beschlossen. Heute erklären aber CSU, FPD, Bürgerforum und WL, dass sie diese Zufahrt in die Innenstadt doch geöffnet lassen wollen. Diese Haltung könnte das laufende Planfeststellungsverfahren gefährden.

Wer will etwas für Radfahrer tun?

Der Stadtrat hat vor fünf Monaten den Radentscheid angenommen. Dessen Forderungen für mehr und bessere Radwege entsprechen der Politik von ZfW, SPD, ÖDP und Grünen. "Der Verkehrsraum ist einseitig zugunsten des Autos verteilt. Das wollen wir ändern", erklären zum Beispiel die Grünen, warum sie dafür sind, den Rad- auf Kosten des Autoverkehrs zu verbessern.     

Eng für Fahrradfahrer und Fußgänger geht es auf der Alten Mainbrücke zu. Foto: Silvia Gralla

Die CSU hat für den Entscheid gestimmt - auch um einen Bürgerentscheid zu verhindern. Aber genauso wie FDP und Bürgerforum will die CSU Autofahrern möglichst wenig weh tun und zum Beispiel Parkplätze nur dann für Radwege opfern, wenn es gar nicht anders geht. Die CSU gibt zu bedenken, dass die Wegnahme von Fahrbahnen zu Staus führen könnte und die  WL findet, dass Parkplätze nur wegfallen dürfen, wenn gleichzeitig Ersatz geschaffen wird. 

Unterschiede in der Verkehrspolitik zeigen sich auch beim Greinberg-Ausbau: Grüne, ÖDP und ZfW lehnen den geplanten 25-Millionen-Euro-Ausbau ab, weil er dazu führen würde, dass noch mehr Autos in die Stadt kommen und anderen Verkehrsmitteln keine Verbesserungen bringen würde, sondern sogar im Gegenteil den Bau neuer Straßenbahnlinien in den Würzburger Norden verhindere. Die anderen Parteien sind dagegen für die Pläne, weil der Verkehr dort möglichst schnell besser fließen müsse.            

Wer setzt sich für Park&Ride ein?

Dass die Stadt die Entwicklung von Parkplätzen mit Bus- oder Bahnanschluss verschlafen hat, finden viele Würzburger. Voran treiben wollten Park & Ride-Plätze in den letzten Jahren zum Beispiel die Fraktionen von FDP-Bürgerforum, FWG und ÖDP .

Sollen die Parkplätze am Paradeplatz verschwinden? Zuletzt stimmten CSU, Bürgerforum, FDP und WL dagegen.  Foto: Johannes Kiefer

Seit den letzten drei Jahren wollen aber alle Park&Ride. Grüne und ZfW wollen es vor den Toren der Stadt, das Bürgerforum in den Stadtteilen haben. Die übrigen Parteien wollen beides. Die CSU möchte Park&Ride -Plätze an Stellen mit Straba-Anschluss sowie in Umlandgemeinden, die an die Großwabe angeschlossen sind. Die Linke schlägt Park & Ride in den Umlandgemeinden sowie im Stadtgebiet zum Beispiel am Greinberg oder an der Rothofbrücke Richtung Veitshöchheim vor.   

Danach, dass das erste Park & Ride-Parkhaus, das der Stadtrat vor einem Jahr in der Stettiner Straße auf dem Weg gebracht hat, schnell gebaut wird, schaut es allerdings momentan laut der  Berichterstattung dieser Redaktion nicht aus.

In einer ersten Variante diese Artikels stand, dass die FDP für die Annahme des Radentscheids gestimmt habe und in den ersten Jahren gegen Park & Ride-Plätze war. Dies wurde geändert, die FDP stimmte gegen die Annahme des Radentscheids und setzt sich schon länger für Park & Ride-Plätze ein.

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