Würzburg

Wahlkampf in der Innenstadt: Was am Infostand so los ist

Was bewegt die Würzburger vor der Wahl? Wir waren an einigen Infoständen unterwegs und haben nachgefragt.
Mit Infoständen werben die verschiedenen Parteien vor der Kommunalwahl in der Würzburger Innenstadt.
Mit Infoständen werben die verschiedenen Parteien vor der Kommunalwahl in der Würzburger Innenstadt. Foto: Daniel Peter

Jede Menge Broschüren, Flyer und Luftballons - vor der Kommunalwahl am 15. März reiht sich am Oberen Markt ein Infostand an den nächsten, besonders an den Samstagen. Ob SPD, CSU, Linke, Grüne oder eine andere Partei - alle buhlen sie um Wählerstimmen. Manch einer wirbt mit kleinen Geschenken - so gibt es zum Beispiel Blumensamen bei den Grünen, Gummibärchen bei der SPD, bei der CSU Tragetaschen und einen Regenschutz für den Fahrradsattel sowie Fähnchen bei der AfD.

Das Bürgerforum Würzburg hat sich sogar eine Popcornmaschine zugelegt - da freuen sich auch die, die noch nicht wählen dürfen. Insgesamt sind es elf Parteien, die mit ihren Kandidaten in den Würzburger Stadtrat einziehen wollen.    

In der Würzburger Innenstadt wird mit Wahlkampfständen und Plakaten Wahlkampf gemacht. 
In der Würzburger Innenstadt wird mit Wahlkampfständen und Plakaten Wahlkampf gemacht.  Foto: Ivana Biscan

Viele Bürger nutzten die Gelegenheit, um sich zu informieren, heißt es unisono von den Ständen. Es gebe aber auch die typischen "Sammler", die mit einer großen Tüte nur wegen der Giveaways von Stand zu Stand unterwegs seien. 

Am Infostand der CSU beispielsweise ist die Stimmung gut. "Gefühlt besser als bei der letzen Kommunalwahl vor sechs Jahren", meint Fraktionsvorsitzender Wolfgang Roth, der gerade Info-Taschen an die Bürger verteilt. Es kämen viele Leute und sprächen gezielt ihr Vertrauen gegenüber der Partei aus, "auch wegen des derzeitigen Grünen Hypes". "Wir zeigen uns kämpferisch und halten dagegen", so Roth. Mieten und Wohnen, die Straßenbahnlinie 6, ÖPNV, Parkplätze sowie die Erreichbarkeit der Innenstadt seien Themen, die die Bürger am Stand vermehrt ansprächen. 

Mehr Grün in der Kaiserstraße 

„Mir gefällt Würzburg gut“, sagt eine ältere Wählerin am CSU-Stand, "auch meine Enkeltochter studiert hier". Die Seniorin würde sich freuen, "wenn die Kaiserstraße etwas grüner wäre und mehr Brunnen in Würzburg am Laufen wären". Als Verkehrsmittel reiche ihr der Bus, sagt sie. Genauer anschauen sollte sich die Stadt allerdings manche Radwege, "da gibt es gefährliche Stellen".    

Wahlkampf der Grünen in der Würzburger Innenstadt.
Wahlkampf der Grünen in der Würzburger Innenstadt. Foto: Fabian Gebert

Eine Frau aus Rimpar hat indes am Grünen-Stand Halt gemacht: "Für mich ist vor allem ein Verkehrskonzept wichtig, auf das ich mich verlassen kann." Eines von mehreren wichtigen Themen, wie die Nummer 1 der Grünen-Liste zur Stadtratswahl, Barbara Lehrieder, bestätigt. Es kämen durchaus auch Skeptiker an den Info-Stand, die ihr Auto dringend brauchen, "oder andere, die wissen wollen, wie wir bezahlbaren Wohnraum schaffen", erzählt sie. Insgesamt sieht OB-Kandidat Martin Heilig die Gespräche als positiv: "Wir als Grüne merken, dass wir derzeit viel Zustimmung bekommen, das gibt natürlich Aufwind."     

Panaschieren und Kumulieren wird am Stand erklärt

Die Themenauswahl ist auch am SPD-Stand ähnlich. Besonders die Straba-Linie 6 bewegt die Gemüter, "wann sie kommt und wo lang sie fährt", sagt die Vorsitzende der Würzburg-SPD Freya Altenhöner. Manche Bürger kämen aber auch, um sich anhand eines Muster-Stimmzettels erklären zu lassen, wie Panaschieren und Kumulieren funktioniert. Denn: Bei der Kommunalwahl dürfen die Wähler deutlich mehr Stimmen verteilen als bei der Bundestagswahl oder der Landtagswahl, "das ist nicht so einfach", so Altenhöner.

Manchmal würden sie auch auf das neben dem Stand parkende SPD-Lastenfahrrad angesprochen. "Das haben wir durch parteiinternes Crowdfunding finanziert." Unschön sei, so Altenhöner, dass es provokantes Auftreten - augenscheinlich von vorbeilaufenden Anhängern der AfD- am SPD-Stand gegeben habe. Über Anfeindungen vorm Infostand der Linken berichtet auch der OB-Kandidat der Linken, Sebastian Roth.

Mieten und Wohnen: Angesichts der immens gestiegenen Mieten in Würzburg ein großes Thema. 
Mieten und Wohnen: Angesichts der immens gestiegenen Mieten in Würzburg ein großes Thema.  Foto: Daniel Peter

Die Polizei Würzburg zeigt an den Wochenenden - wie auch schon bei anderen Wahlen - mehr Präsenz, um laut ihres Kommunikationsbeauftragten "zu gewährleisten, dass jede aufgestellte Partei ihren Infostand nutzen und ihr Wahlprogramm ohne Probleme kundtun kann". Wenn es zu überhitzten Diskussionen oder Pöbeleien an Ständen kommen sollte, "bitten wir, uns zu informieren, denn dafür sind wir da", heißt es von Seiten der Polizei.   

Ansonsten ist die Stimmung bei den Linken gut. Neben den beherrschenden kommunalen Themen wie Wohnen (explizit sozialer Wohnungsbau) und ÖPNV, "werden wir auch immer wieder mal auf die Thüringen-Wahl und ihre Konsequenzen angesprochen", sagt Roth.

Sorgen der Autofahrer  

Über Thüringen wird auch am Stand der FDP immer mal wieder diskutiert. "Durch das Diktat von Herrn Lindner ist der Wähler-Wille nicht akzeptiert worden", gibt ein männlicher Passant im Gespräch mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten Andrew Ullman seinen Unmut preis und nennt die Partei "Umfaller-Partei". Dadurch lässt sich die Spitzenkandidatin aus Würzburg, Julia Bretz, nicht irritieren: Die Würzburger FDP habe sich sofort positioniert, dass es keine Zusammenarbeit mit der AfD geben dürfe. 

FDP-Spitzenkandidatin aus Würzburg, Julia Bretz, und FDP-Bundestagsabgeordneter Andrew Ullman (v.l.) im Gespräch am Infostand. 
FDP-Spitzenkandidatin aus Würzburg, Julia Bretz, und FDP-Bundestagsabgeordneter Andrew Ullman (v.l.) im Gespräch am Infostand.  Foto: Daniel Peter

Als lokale Themen sieht Bretz insbesondere Wohnen, Verkehr, Park & Ride und Klima."Zu uns an den Stand kommen auch vermehrt die Menschen, die Sorge haben, mit dem Auto nicht mehr in die Innenstadt zu gelangen." Man dürfe das Thema nicht einseitig angehen - das heißt nur für Fußgänger und Radfahrer. Es gehe darum, ein Miteinander zu schaffen, "auch für diejenigen, die mehr aufs Auto angewiesen sind als andere".  

Darüber wird auch bei den Freien Wählern kräftig diskutiert, wie FWG-Fraktionsvorsitzender Josef Hofmann berichtet. Außerdem beschäftige die Bürger der Bau einer Multifunktionsarena, "hoch im Kurs steht auch alles rund um die Kickers". Bei jungen Leuten kämen vermehrt Fragen zur Zukunft der Posthalle, "für Landkreisbewohner ist die Parkplatzsituation in der Innenstadt ein großes Thema".     

Wahl des Stadtrats
Für die Wahl des Stadtrats am 15. März sind die folgenden elf Parteien mit ihren Kandidaten  zugelassen: CSU, Bündnis 90/Die Grünen, Freie Wähler, AfD, SPD, FDP, WL, ZfW, ÖDP, Die Linke und Bürgerforum.  
Zur Wahl des Oberbürgermeisters stehen Christian Schuchardt (CSU), Martin Heilig (Bündnis 90/Die Grünen), Volker Omert (FWG), Kerstin Westphal (SPD), Dagmar Dewald (ÖDP) und Sebastian Roth (Die Linke).   

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