Kürnach

Waldrundgang: Wie zukunftsfähig ist der Gemeindewald Kürnach?

Bei einem Waldrundgang stellte die Gemeinde Kürnach ihren Wald vor. Wie dieser zu einem innovativen Vorzeigewald wurde und weshalb es dort trotzdem Probleme gibt.
Damit die Kürnacher Bürger wissen, wie es um ihren Wald steht, lud die Gemeinde alle interessierten Bürger zu einem Waldrundgang ein.
Damit die Kürnacher Bürger wissen, wie es um ihren Wald steht, lud die Gemeinde alle interessierten Bürger zu einem Waldrundgang ein. Foto: Aurelian Völker

Wie zukunftsfähig ist der Kürnacher Gemeindewald? Dieser Frage stellte sich der Kürnacher Gemeinderat bei einer Waldbegehung mit interessierten Bürgern. Bereits seit über 30 Jahren arbeitet die Gemeinde an einem nachhaltigen Waldumbau des 180 Hektar umfassenden Waldes. Im Jahr 1987 bestand der Wald zu 57 Prozent aus Eichen, auf weiteren 40 Prozent standen Birke, Aspe und Weide. 22 Jahre später, bei der letzten Bestandsaufnahme, ergab sich dank des Einsatzes der damaligen Gemeinderäte bereits ein ganz anderes Bild. Wie gewünscht betrug 2009 der Bestand der Eiche nur noch ein Drittel, Birke, Aspe und Weide noch ein Viertel der Waldfläche. Letztere benötigen viel Wasser, weiß Revierförster German-Michael Hahn. Gerade in den letzten Monaten seien viele Birken aufgrund des geringen Niederschlages der letzten beiden Jahre gestorben. "Wir brauchen einen Mischwald", so Hahn. Je mehr Baumarten, umso besser für den Wald.

Ziel laut Bürgermeister: Artenvielfalt und Qualität des Waldes erhöhen

Etwa drei Hektar Wald wurde in den vergangenen Jahren in Kürnach jährlich umgestaltet. Ziel sei laut Bürgermeister Thomas Eberth, die Artenvielfalt und die Qualität des Waldes zu erhöhen und einen klimaresistenten Wald zu schaffen. Auf einem Rundgang zeigten Hahn sowie der Bauamtsleiter Reinhard Heinrich und Forstwirt Martin Stula den Bürgern die Aufteilung ihres Waldes. Zuerst wurde ein Teilstück besichtigt, das erst in diesem Jahr neu angelegt wurde. "Trotz des trockenen Jahres haben wir keine fünf Prozent Ausfall", erzählt Stula stolz. Die neu gepflanzten Bäume seien teilweise sogar einen halben Meter gewachsen. Dies zeige, dass die Gemeinde immer wieder neue Baumarten ausprobiere, die mit den sich verändernden Klimabedingungen harmonisieren.

1987 bestand der Wald zu 97 Prozent aus vier verschiedenen Baumarten. Bürgermeister Thomas Eberth (rechts) und Förster German-Michael Hahn erklären den Bürgern anhand von Schaubildern, welche Baumarten inzwischen dazugekommen sind.
1987 bestand der Wald zu 97 Prozent aus vier verschiedenen Baumarten. Bürgermeister Thomas Eberth (rechts) und Förster German-Michael Hahn erklären den Bürgern anhand von Schaubildern, welche Baumarten inzwischen dazugekommen sind. Foto: Aurelian Völker

In einer Mulde, in der Fachsprache "grundfrische Rinne" genannt, wurde die Schwarznuss gepflanzt. Da sie verhältnismäßig viel Wasser braucht, wurde sie an der laut Hahn wohl besten Stelle des Waldes gepflanzt. Eines Tages sollen die Bäume die höchsten im Kürnacher Wald sein, in ihrer Heimat Nordamerika erreichen sie knapp 90 Meter. Der Name des Baumes geht auf sein schwarzbraunes Holz zurück, das sehr hochwertig und stark nachgefragt sei.

Walnussbaum aus dem Gebirge des Himalayas

Neben Weißtannen und Esskastanien befinden sich verschiedene Walnussbäume in dem Waldstück. Eine Art stammt aus dem Hochgebirge des Himalayas und ist somit absolut sicher vor Frostschäden. Auch Walnüsse mit Ursprüngen aus dem Kaukasus oder aus Pakistan stehen in Kürnach. "Erst nach 30 Jahren können wir sagen, welche Pflanzungen gut waren und welche schlecht", weiß Hahn. Jedoch könne man das nur durch Ausprobieren herausfinden, ergänzt Heinrich. Mithilfe von GPS-Technik wurden die Bäume sogar aufgezeichnet, sodass die nachfolgende Generation später weiß, welche Nuss sie gerade isst.

Trotz der Trockenheit sind einige der im Frühjahr 2019 gepflanzten Bäume bis zu 50 Zentimeter gewachsen, wie Forstwirt Martin Stula aufzeigte.
Trotz der Trockenheit sind einige der im Frühjahr 2019 gepflanzten Bäume bis zu 50 Zentimeter gewachsen, wie Forstwirt Martin Stula aufzeigte. Foto: Aurelian Völker

Eine weitere Technik ist im Kürnacher Wald im Einsatz. Im Rahmen der "Mehr als Kraut und Rüben"-Tour kümmerte sich Heinrich um die Einrichtung einer Station im Kürnacher Wald. Über einen QR-Code erhält der Besucher Informationen, um den Wald noch bewusster erleben zu können. Erlebnis sollen auch die "sonnenblumenartigen Bäume" schaffen, die immer wieder am Wegrand stehen und einen verwunderten Bürger zur Nachfrage bewegen. Es handelt sich um den Blauglockenbaum, auch Kiribaum genannt. Im Frühling, wenn alles noch kahl ist, blüht dieser blau und sorgt somit für eine überraschende Abwechslung beim Waldrundgang. Heinrich hat diesen vom Samen bis zur Einpflanzung liebevoll großgezogen.

Triebsterbenspilz macht den Eschen zu schaffen

Doch auch der Kürnacher Wald bleibt vor Schäden nicht verschont. Stula erklärt, der sogenannte Triebsterbenspilz machte den Eschen zu schaffen. Viele sind gestorben, der Schädling war nicht vorhersehbar. "Der Mensch denkt und Gott lenkt", fasst Hahn die oft unvorhersehbare Situation in der Natur zusammen. Glücklicherweise hat die Gemeinde Kürnach auf Vielfalt gesetzt, obwohl das viel Geld kostet und viel Arbeit macht. Über 30 verschiedene Baumarten sind in deren Wald zu finden. "Da sind schon einige dabei, die sich durchsetzen werden", ist sich Hahn sicher. Nicht umsonst hat sich der Kürnacher Wald vom schlechtesten zum wohl innovativsten Wald Unterfrankens entwickelt. Das nicht zuletzt dank dem guten Miteinander von "Förster, Waldarbeiter, Jäger, Gemeinderat und den Bürgern", betont Manfred Ländner.

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