Estenfeld

Warum Eltern den Verkehr vor der Schule selbst verursachen

Auf dem Gelände der Estenfelder Grundschule plant die Gemeinde eine neue Schul- und Kindertagesstätten-Kombination. Die Verkehrssituation bei den Hol- und Bringzeiten bedarf einer genauen Analyse und innovativen Lösungsansätzen. Foto: Gemeinde Estenfeld

Um das Verkehrsaufkommen und Verbesserungen der stressigen Bringzeiten der Schul- und Kindergartenkinder ging es im Gemeinderat. Dazu brachte Dr. Konrad Schliephake vom Institut für Geographie und Geologie der Universität konkrete Zahlen mit.

Bevor der Geograph das "überraschende Ergebnis" seiner Studie erläuterte, verwies er auf Mobilitätsstudien in Deutschland, seine Analyse in Estenfeld im Jahr 2011 und auf "Wegeketten" wie zum Beispiel "Wohnung-Schule-Beruf-Besorgung-Wohnung". Wie wird diese Wegekette zurückgelegt? Welche Trends gibt es?

Jeder Deutsche legt durchschnittlich zwei Kilometer pro Tag für Begleitdienste zurück

In den letzten 100 Jahren habe sich die Zahl der Wege pro Einwohner nicht verändert. "Was sich verändert hat, ist die Distanz und die Wahl der Verkehrsmittel", erläuterte Schliephake. Außerdem sei der Bereich der Begleitung stark gestiegen. Jeder Deutsche lege durchschnittlich zwei Kilometer pro Tag für Begleitdienste zurück. "Eltern sorgen sich um ihre Kinder und wollen, dass man ihre Bedenken und Anregungen ernst nimmt", hatte der Geograph Verständnis. Viele Familienväter und Familienmütter hätten das Gefühl, dass die Straße für ihre Kinder gefährlich ist. Deshalb begleiten sie sie mit dem Auto. Das hat zur Folge, dass noch mehr Verkehr auf der Straße ist und noch mehr begleitet wird.

Für die Mobilitätsstudie in Estenfeld wurde am 23. und 25. Oktober 2018 zwischen 7 und 9.15 Uhr von Studenten an allen sieben Zugängen zur Schule und zum Kindergarten gezählt. Freundliches Oktoberwetter sei an den beiden Tagen gewesen. Also ideal für Fußgänger und Radfahrer.

Im Jahr 2011 war der Anteil der Schulbuskinder mit 31 Prozent deutlich höher

82 Prozent aller Bewegungen fanden zwischen 7.30 und 7.45 Uhr statt. Bei den Schülern kamen 69 Prozent zu Fuß. 14 Prozent wurden mit dem Auto gebracht und der Rest kam mit dem Schulbus oder als Autofahrer (Lehrkräfte). Bei der Studie im Jahr 2011 sei der Anteil der Schulbuskinder mit 31 Prozent deutlich höher gewesen. Die Kindergartenkinder wurden zu rund 76 Prozent mit dem Auto gebracht. Zu Fuß kamen rund 14 Prozent und nur ein kleiner Teil mit dem Fahrrad oder Roller. 2011 lag der Anteil der Bringkinder noch bei 51 Prozent. Acht Prozent wurden damals mit dem Kindergartenbus gebracht.

Wenn die Bringkinder vor dem Kindergarten oder der Schule nur aussteigen würden, gäbe es kein Verkehrschaos in der kritischen Viertelstunde ab 7.30 Uhr, meint Schliephake. Die Studie habe aber gezeigt, dass 65 Prozent der Bringeltern über eine Minute am Kindergarten halten. Über eine Minute, das sei lang und gehe über ein Abschiedsküsschen und ein "Mach's gut" hinaus. Aber es sei legitim, dass Eltern ihre Kinder begleiten. Und natürlich müssen kleine Kinder mit eineinhalb Jahren gut an die Erzieher übergeben werden. Aber: Eltern würden den Stopp vor dem Kindergarten "sehr oft zum Handychecken" nützen. Oder sie halten ein Schwätzchen miteinander. Deshalb liege das Problem nicht nur an der Ballung der Zeit, sondern vor allem am unnötig langen Halten der Autos.

Gutachter schlägt dem Gemeinderat eine Einbahnstraßenregelung vor

Weil 87 Prozent der Bringeltern laut Gutachten in der Riemenschneiderstraße von Norden kommen", schlug Schliephake dem Gemeinderat eine Einbahnstraßenregelung vor. Sie sei leicht zu verwirklichen und etliche Ausweichmanöver würden entfallen. Fahrradfahrer könnten weiterhin in beide Richtungen fahren.

Schliephake ist überzeugt, dass eine Einbahnstraßenregelung in Nord-Süd-Richtung "gefährliche Ecken entschärft". Darüber hinaus schlug er "Mobilitätskonzepte in der Schule" und das Einsetzen von Schülerlotsen vor. Kinder sollten angeregt werden, zu Fuß in die Schule zu gehen.

Die Studie ist für künftige Planungen in Estenfeld bedeutend. Der Gemeinderat hat schon beschlossen, dass die maroden Gebäude der jetzigen Grund- und Mittelschule abgerissen und statt dessen eine neue Grundschule und eine Kindertagesstätte gebaut werden. Weil nun Prozentzahlen vorliegen, können steigende Kinderzahlen gut hochgerechnet werden. Nun liegt es in der Hand des Gemeinderats, Konsequenzen aus Schliephakes Studie zu ziehen.

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