WÜRZBURG

Warum Gewitter manchmal nur einen Ort treffen

Wolkenberge türmen sich auf und kündigen drohende Unwetter an. Foto: Karl Schönherr

Überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller und Einsätze für den Winterräumdienst: Schwere Unwetter haben am Donnerstag in den Landkreisen Rhön-Grabfeld und Schweinfurt, aber auch in Teilen Norddeutschlands gewütet.

Fast 2000 Mal waren die Einsatzkräfte in Hamburg und Schleswig-Holstein ausgerückt, in Unterfranken zählte die Integrierte Leitstelle Schweinfurt allein mehr als 100 Notrufe innerhalb von zwei Stunden. Allerdings: Die Gewitter tobten sich immer nur punktuell aus. Während in einem Ort Starkregen fiel, schien im Nachbardorf die Sonne. Wie kommt es zu solchen Kapriolen?

Wie entstehen örtlich stark begrenzte Unwetter?

Laut Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist das ein ganz normales Phänomen im Sommer. Grundsätzlich unterscheide man bei sommerlichen Gewitterlagen zwei Arten: Auf der einen Seite gebe es massive Gewitterlinien, die meist mit Starkregen, Hagel und schweren Sturm- oder Orkanböen verbunden und insgesamt sehr windlastig seien.

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Unwetter und Hochwasser in der Rhön

Am Donnerstag hingegen sei der Höhenwind relativ schwach gewesen und die Gewitterzellen hätten sich kaum fortbewegt. Das heißt, sie laden dann das gesamte Wasser, das sie beinhalten, als Starkregen an einer Stelle ab, sagt DWD-Meteorologe Florian Bilgeri. Vom Nachbardorf kann man diese stehenden Zellen beobachten, bleibt dabei aber trocken.

Warum waren Teile Unterfrankens so stark betroffen?

Bundesweit gab es nach Angaben des DWD drei Gewitter-Schwerpunkte: die Rhön sowie Gebiete nördlich des Harzes und nördlich von Hamburg. In der Rhön war besonders die Gegend um Bischofsheim betroffen. Dort habe die Sonne die Luft zunächst erwärmt, sagt der Meteorologe Jens Kühne. Diese warme Luft sei dann an den Hängen aufgestiegen – auf bis zu 13 Kilometer – und habe sich dabei abgekühlt. Die Folge: In der Höhe bildeten sich Wolken mit enormen Wassermassen.

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Unwetter in Oberelsbach

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Ab etwa zwölf Uhr begannen diese, sich zu „entladen“. Knapp zwei Stunden lang regnete es auf relativ kleinem Raum stark. Ein „sehr seltenes Ereignis, dass so vermutlich nur alle 30 bis 50 Jahre auftritt“, sagt Kühne. In Bischofsheim fielen 105 Liter pro Quadratmeter in zwei Stunden – so viel wie sonst in einem Monat. Begünstigt wurde das Phänomen durch die fast windstille Lage: Bis hinauf auf 13 Kilometer erreichte der Wind nur eine Geschwindigkeit von fünf bis zehn Stundenkilometer, so Kühne.

Kann man solche stehenden Gewitterzellen vorhersagen?

Man kann vorhersagen, dass das Potenzial für solche Ereignisse besteht. Der Wetterdienst warnt in diesem Fall vor unwetterartigen Gewittern mit heftigem Starkregen. Wo genau die Unwetter aber auftreten, „kann man eigentlich erst sagen, wenn sich die Gewitterzelle bildet und man im Radar was sieht“, sagt Bilgeri.

Welche Rolle spielt die Trockenheit in Bezug auf extreme Unwetter?

Stehende Gewitterzellen sind laut der Wetterexperten unabhängig von lang anhaltender Trockenheit, wie sie Unterfranken gehäuft trifft. Allerdings sei der Boden bei trockenen Verhältnissen oft hart und das Wasser könne nicht sofort versickern. Die Gefahr für Überschwemmungen nach Unwettern steige folglich.

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