Kist

Warum Kist im Verkehr erstickt

Kommt es auf der Autobahn zum Stau, sind die Straßen in Kist auch ganz schnell unpassierbar durch den Ausweichverkehr. Eine Lösung scheint erst in Sicht, wenn die Autobahn bei Heidingsfeld Ende 2021 fertiggestellt wird. Foto: Matthias Ernst

Im Herbst 2018 gab es den ersten Kister Verkehrsgipfel. Damals wurden 18 Punkte von Gemeindeseite mit Vertretern der Fachbehörden besprochen. Grund genug nach rund anderthalb Jahren für Bürgermeister Volker Faulhaber nachzufragen, was sich seitdem getan hat und wann die restlichen Punkte abgearbeitet werden können. Er hatte daraufhin die Teilnehmer des ersten Verkehrsgipfels zu einem neuen Treffen eingeladen. Neben Vertretern des Landratsamtes Würzburg waren auch die Autobahndirektion Nordbayern, das Staatliche Bauamt Würzburg sowie die beiden Landtagsabgeordneten Manfred Ländner (CSU) und Volkmar Halbleib (SPD) anwesend. Zusätzlich waren Teile des Kister Gemeinderates, interessierte Bürger und Reichenbergs Bürgermeister Stefan Hemmerich gekommen, um in angeregten Diskussionen Lösungen für den Verkehrsfluss in Kist und Umgebung zu schaffen.

Dabei gab Bürgermeister Faulhaber die Themen vor. Schnell wurde klar: Bis der Ausbau der Autobahn 3 zwischen den Anschlussstellen Heidingsfeld und Randersacker nicht fertiggestellt ist, wird der Ausweichverkehr bei Stau nicht abnehmen und die stark frequentierten Straßen in und um Kist belasten.

Manfred Neubauer von der Autobahndirektion Nordbayern argumentierte, dass es seit der Fertigstellung der Anschlussstelle Heidingsfeld zu weit weniger Staus gekommen sei, als zu Zeiten des 1. Kister Verkehrsgipfels. Auch das Lkw-Überholverbot über das Autobahnkreuz Würzburg-West habe sich positiv auf die Staubildung ausgewirkt. Bürgermeister Faulhaber hielt ihm aktuelle Bilder entgegen, die zeigen, dass sich nicht alle Lkw-Fahrer an das Überholverbot halten und somit den Pkw-Verkehr behindern und sogar zum Stillstand bringen. Neubauer bat um etwas Geduld bis Ende 2021, wenn bis auf wenige Restarbeiten die Baustelle am Würzburger Katzenberg abgeschlossen ist.

Bürgermeister erlebt fast täglich Stau

Zurückblickend auf die Stausituation vor dem Ausbau der A 3 bei Kist erwiderte der Bürgermeister, dass er sich nie hätte vorstellen können, dass nach der Fertigstellung so viel Stau entstehen könne. Er fahre täglich auf der Autobahn von Kreuzwertheim nach Kist und erlebe den Stau fast täglich. Die abfahrenden Autos kämen nicht nur von der A 3, sondern auch von der A 81.

Viele versuchen den Stau zu umfahren und verstopfen die Straßen in Kist Richtung Reichenberg. In der Guttenberger Straße hatte das Landratsamt als Unterhaltsträger der Kreisstraße bereits versetzte Parkplätze einzeichnen lassen, um den verkehr zu verlangsamen. Das von der Gemeinde geforderte Tempo-30-Schild sei schwer durchsetzbar bei der derzeitigen Gesetzeslage mit einer Straßenverkehrsordnung aus dem Jahr 1971. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, richtete Gemeinderat Jochen König das Wort an die Politiker.

Der von der Gemeinde an der Einfahrt in den Ort von Reichenberg kommende Verkehrstropfen kann erst verwirklicht werden, wenn die Gemeinde von den bayerischen Staatsforsten den entsprechenden Grunderwerb an Bannwald betätigt hat. "Ihr kümmert euch um den Grunderwerb und wir bauen dann den Tropfen", versprach Landrat Eberhard Nuß. Er stellte in Bezug auf die Autobahn auch fest: "Der überregionale Verkehr hat in unseren Gemeinden nichts verloren".

Radweg nach Baden-Württemberg

Gelungen ist es schon, den Verkehr auf der Staatsstraße 578 von Gerchsheim kommend ab dem neuen Gewerbegebiet auf Tempo 70 zu reduzieren, ebenfalls von Reichenberg kommend in Richtung Kist. Eine Ausbesserung der schadhaften Stellen im Ortsgebiet von Kist auf der Staatsstraße 578 sieht man beim Staatlichen Bauamt bisher nicht. Dessen Bereichsleiter für Straßenbau, Stefan Lehner, hatte in den bisher acht Gesprächen seit dem ersten Verkehrsgipfel mit der Gemeinde nicht den Eindruck, dass "die Priorität so hoch ist". Er will sich aber für eine kurzfristige Lösung einsetzen.

Relativ kurzfristig könnte auch der Radweg von Kist Richtung Landesgrenze nach Baden-Württemberg gebaut werden, wenn die Gemeinde die fehlenden Grundstücke aus dem Bannwald von den bayerischen Staatsforsten erwirbt. "Ihr kümmert euch um den Landerwerb und wir bauen den Radweg", versprach Landrat Nuß. Die Wegführung durch den Wald am Blutsee vorbei unter der Autobahn hindurch stößt allerdings nicht überall auf Begeisterung. Wegen der Autobahnausfahrt Gerchsheim sei aber aus Sicherheitsgründen keine andere Streckenführung möglich, hieß es von Vertretern des Landratsamtes.

Beim 2. Kister Verkehrsgipfel wurde von Fachbehröden und interessierten Bürgern ausführlich über die Probleme in Kist diskutiert. Moderiert und geleitet wurde die Veranstaltung von Bürgermeister Volker Faulhaber (links) Foto: Matthias Ernst

Insgesamt wurde aber deutlich, dass man von allen Seiten bemüht ist, Kist vom Verkehr zu entlasten. "Kist kann keine Umgehung bauen", machte Bürgermeister Faulhaber deutlich, dass die Situation der Gemeinde zwischen zwei Autobahnen und umgeben von Wald keine andere Möglichkeit zulässt, als die bisherigen Straßen zu nutzen. Allerdings könnte der ÖPNV noch verbessert werden, so der Bürgermeister. Da kam es gerade recht, dass der Kreistag am Tag vor dem Verkehrsgipfel beschlossen hatte, eine Ringbuslinie von Kirchheim über Kist nach Reichenberg einzurichten. Die Möglichkeit dieses Vorhabens hatte Faulhaber in der kürzlichen Gemeinderatssitzung noch für unmöglich erachtet, obwohl erste Pläne bereits aus dem Jahr 2002 auftauchten.

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