Würzburg

Warum Saskia Esken als Straßenmusikerin in Würzburg war

Hoher Besuch bei den Würzburger Genossen: SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken unterstützte OB-Kandidatin Kerstin Westphal im Wahlkampf und war dabei auch sehr emotional.
Zu Gast bei der Würzburger SPD: Parteivorsitzende Saskia Esken (rechts) im Gespräch mit OB-Kandidatin Kerstin Westphal.
Zu Gast bei der Würzburger SPD: Parteivorsitzende Saskia Esken (rechts) im Gespräch mit OB-Kandidatin Kerstin Westphal. Foto: Thomas Obermeier

Ganz still ist es am Montagabend im Felix-Fechenbach-Haus in Grombühl. Saskia Esken, die Parteivorsitzende der SPD, ist bei den Genossen zu Gast. Während bei der CSU die Blasmusik längst das Frankenlied angestimmt, sich das Publikum von den Sitzplätzen erhoben und rhythmisch applaudiert hätte, wird die SPD-Chefin ganz ohne Popanz empfangen. Keiner klatscht als sie den Saal betritt, niemand steht auf. Fränkische Zurückhaltung eben. Dabei können die Genossen in Würzburg auch euphorisch sein: Vor drei Jahren, als der ausgerufene Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende Martin Schulz in Würzburg war, haben sie das gezeigt. 

Kurzer Bericht aus dem Koaltionsausschuss

Gut 100 Gäste, viele davon kandidieren auf der Stadtratsliste, begrüßt Unterbezirksvorsitzende Freya Altenhöner. Dann spricht schon die neue Parteivorsitzende, die seit dem Dezember zusammen mit Norbert Walter-Borjans an der Spitze der SPD steht. Die 58-Jährige wirkt fit. Dass sie bis halb drei morgens noch im Koalitionsausschuss über Flüchtlinge und Corona sprach und verhandelte, ist ihr nicht anzusehen. Kurz geht sie darauf ein. "Corona ist in den nächsten zwei Monaten nicht erledigt", sagt sie und die Situation der großen Koalition "wahrlich nicht mehr von der SPD abhängt."

Und sie spricht über die vielen Flüchtlinge auf den griechischen Inseln. Ganz klar sagt sie: "Wir lassen uns von Erdogan nicht erpressen, so schlimm die Bilder auch sind." Und über die vielen Kinder in den Flüchtlingslagern. Froh sei sie darüber, dass die Koalition nun etwas auf den Weg gebracht habe. Auch, wenn es nur ein kleiner Schritt sei. Im Gespräch mit dieser Redaktion räumt sie ein, dass die Bundesrepublik freilich auch in der Lage sei, mehr geflüchtete Kinder aufzunehmen. "Die Strukturen dafür wurden 2015 geschaffen." Mehr sei aber mit dem Koalitionspartner nicht machbar gewesen.

Als Straßenmusikerin in Würzburg unterwegs

Im kleinen Kreis erzählt Saskia Esken dann auch, dass sie schon mal in Würzburg war. Vor 40 Jahren, kurz nach ihrem Abitur, tourte sie als Straßenmusikerin durch Süddeutschland. In Würzburg gestrandet, suchte sie die Innenstadt. Aber es gab noch keine internetfähigen Telefone - und sie musste sich durchfragen. Eine Gruppe Männer lief ihr über den Weg und die wollten eine Kostprobe hören, erzählt sie. Also packte sie ihre Gitarre aus, sang ein paar Lieder, American Folk, und kassierte. "Für ein paar Flaschen Bier reichte es", erinnert sie sich. 

In Würzburg sprach Parteivorsitzende Saskia Esken über die Stadt der Zukunft.
In Würzburg sprach Parteivorsitzende Saskia Esken über die Stadt der Zukunft. Foto: Thomas Obermeier

Mittlerweile gibt es in Würzburg Zugang zum Netz. Dennoch sei die digitale Infrastruktur in Deutschland im internationalen Vergleich "blamabel".  In Schweden und Norwegen sei das alles viel besser - "bis in die tiefste Pampa". Warum das so ist? Es fehle an einem kompetenten Infrastrukturministerium, sagt die Parteivorsitzende und spricht mit OB-Kandidaten Kerstin Westphal über die "Stadt der Zukunft". Beide Frauen sind sich einig, dass es in den politischen Gremien mehr Frauen brauche, weil diese auch einen anderen Zugang zu den Bedürfnissen einer vernetzten Stadt hätten.

Tränen und Beifall zum Schluss

Es ist kurz vor halb neun als sich Baris Yüksel zu Wort meldet - und der SPD-Parteivorsitzenden Saskia Esken die Tränen kommen. Der junge Mann, dessen Eltern in der Türkei geboren sind, leitet den Würzburger Verein Kulturs - ein Zusammenschluss aus Migranten verschiedener Kulturen. Nach dem rechtsterroristischen Attentat von Hanau fürchtet Yüksel, dass das Thema Corona alles überlagere und deswegen die Tötung von unschuldigen Menschen mit Migrationshintergrund schnell vergessen würde. 

"Welche Pläne hat die SPD, um auf Hanau zu reagieren", fragt Yüksel die SPD-Vorsitzende. Sie kommt auf die Bundestagsdebatte zu sprechen, erklärt, dass alle sehr wertschätzend und bewusst über eine Bedrohung durch rechte Terrornetzwerke gesprochen haben.  "Ihr gehört zu uns, wir gehören zu euch. Wir dürfen uns das nicht mehr bieten lassen." Bei diesem Satz steigen ihr Tränen in die Augen. Nach der Veranstaltung entschuldigt sie sich bei Yüksel, dass sie so emotional geworden ist.

Dann muss Saskia Esken zum Bahnhof. Zum Abschied gibt es reichlich Beifall. 

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