Würzburg

Warum Würzburger Wirte die AfD-Wahlveranstaltung platzen ließen

Die AfD suchte in Würzburg vergeblich nach einem Ort für ihre Wahlveranstaltung. Das sagen die beteiligten Wirte und die Partei dazu.
Die Wahlveranstaltung der AfD in Würzburg am Samstag kann nicht stattfinden, weil die Wirte die Reservierung der Partei stornierten. Foto: Markus Scholz

Bisher trat die AfD in Würzburg und dem Landkreis kommunalpolitisch kaum in Erscheinung. Das ändert sich jetzt, denn die Partei tritt bei der Kommunalwahl am 15. März mit einer Stadtrats- und Kreistagsliste und einem Landratskandidaten an. Deshalb wird der Kreisverband Würzburg der AfD nun auch im Vorfeld der Wahl aktiv. Für Samstag, 15. Februar, hatte die AfD in den Würzburger Hofbräukeller zur Veranstaltung "Energiewende in den Blackout" mit dem Bundestagsabgeordneten Rainer Kraft geladen.

Der AfD-Stadtratskandidat Silvio Kante reservierte im Hofbräukeller einen Raum für 80 bis 100 Personen für eine Wahlveranstaltung. Allerdings gab Kante bei der Reservierung nicht an, dass die AfD der Veranstalter ist. Als Wirt Reinhard Henke nun erfuhr, um wen es sich bei dem Veranstalter handelt, hat er die Reservierung sofort storniert."Wir wollen mit der AfD nichts zu tun haben", so Henke. 

AfD reservierte unter falschem Vorwand

In einer E-Mail an Kante, die dieser Redaktion vorliegt, schreibt er:"Wie wir erst jetzt in Erfahrung bringen konnten, handelt es sich bei Ihrer Reservierung um eine Wahlveranstaltung der AfD am 15.2.2020, die Sie in unseren Räumen abhalten wollten. Dies wurde wie schon bei früheren Anfragen bewusst nicht mitgeteilt." Bei der Reservierung habe Kante nur von einer Wahlveranstaltung eines Bürgervereins gesprochen, so Henke gegenüber dieser Redaktion.

Werbeplakat der AfD für eine Veranstaltung, die nicht stattfinden wird, weil der Wirt die Reservierung storniert hat. Foto: Facebook AfD Würzburg

Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass es nötig sei, die Partei zu nennen, so Kante in seiner Antwort an den Wirt. Allerdings habe er sehr wohl mitgeteilt, dass es sich um eine Wahlveranstaltung handle. Im Anschluss hatte die AfD einen anderen Veranstaltungsort gesucht und zunächst auch gefunden. Wie einem Facebook-Post des Kreisverbands zu entnehmen war, sollte die Veranstaltung mit dem Bundestagsabgeordneten Rainer Kraft, der in der AfD zu den Gründungsmitgliedern des völkisch-nationalistischen Flügels zählt, im Restaurant Poseidon, der Sportgaststätte des TSV Rottendorf, stattfinden. 

Robert Hesselbach, Medienvorstand des Vereins, weiß: "Dort treffen sich häufiger AfD-Vertreter im Nebenraum der Gaststätte zum Stammtisch. Solange dort keine rechtsextremen Äußerungen getätigt werden, ist das für uns in Ordnung."

Reservierung der AfD auch in Rottendorf storniert

Im Poseidon hatten die AfD-Vertreter laut Verein eine Schulung angemeldet. Weil aber sowohl die Wirte in Rottendorf als auch der Verein keine AfD-Wahlveranstaltung in ihrem Haus haben möchten, wurde auch diese Reservierung storniert. Außerdem findet am gleichen Tag in der angrenzenden Halle die zweite Prunksitzung der Rottendorfer Karnevalsgesellschaft statt. Mittlerweile hat auch die AfD ihre Wahlveranstaltung abgesagt.

Auf Anfrage dieser Redaktion äußerte sich nach der doppelten Absage auch Wolfgang von Eyb, Pressesprecher des AfD-Kreisverbands Würzburg und Spitzenkandidat für den Würzburger Stadtrat. Er berichtete, dass bereits eine Vielzahl von Wahlveranstaltungen ausfallen musste und die Partei selbst für interne Veranstaltungen Probleme habe, Wirte zu finden. Auf konkrete Nachfragen zu dem Vorfall antwortete er bisher nicht. 

Mittlerweile gelöschter Facebook-Post des AfD-Bundestagsabgeordneten Rainer Kraft zur Absage der Wahlveranstaltung in Würzburg. Foto: Screenshot Facebook/Rainer Kraft

Abgeordneter beschuldigt via Facebook die Antifa

Der Bundestagsabgeordnete, der bei der Veranstaltung zu Gast sein sollte, äußerte sich über Facebook. Unter dem Titel "Wegen Antifa: Veranstaltung in Würzburg abgesagt" schrieb Kraft, dass die Veranstaltung am Samstag nicht stattfinden könne, weil sich die Wirte durch die angekündigten Proteste der Antifa Würzburg eingeschüchtert fühlten. Die Antifa hatte in den sozialen Netzwerken zu Protesten gegen die Veranstaltung aufgerufen.

"Von diesen Protesten habe ich gar nichts mitbekommen. Deshalb haben wir die Veranstaltung nicht abgesagt", erklärte der Wirt des Würzburger Hofbräukellers Henke auf Nachfrage. Auch beim TSV Rottendorf und der Gaststätte Poseidon spielten die angekündigten Demonstrationen für die Absage keine Rolle.

Hinweis: In der ursprünglichen Version des Artikels war ein Facebook-Post des AfD-Bundestagsabgeordneten Rainer Kraft eingebunden. Dieser Post wurde mittlerweile von Kraft gelöscht. Einen Screenshot davon sehen sie nebenan.

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