Sommerhausen

Warum alte Birnensorten ein Stück fränkische Kultur sind

Harald Biedermann montiert die Informationstafeln für den Birnenkulturweg im Tierpark Sommerhausen. Foto: Antje Roscoe

Am 6. Oktober wird im Tierpark in Sommerhausen ein Birnenkulturweg eröffnet. Zwölf Birnbäume sind gepflanzt, seltene, alte Sorten, die es in keiner Baumschule mehr gibt. Tafeln informieren über die Namen und Besonderheiten der Birnen.  

Die Hänserbirne wurde früher zum Mosten und Brennen genutzt. Die Lämmerwäsele ist eine ganz frühe Sorte, die Ende Juli reif ist. Die Zänkelesbirne ist lagerfähig und ideal zum Kochen. Trutzerle, eine aromatische Tafelbirne mit kurzer Haltbarkeit, wurde gerne gedörrt oder zu Latwerge verarbeitet. Das ist ein eingedicktes Mus, das aus Zwetschgen oder auch Birnen gekocht wird. 

"Über 1500 Birnensorten hat es vor 100 Jahren in Bayern gegeben." 
Biologielehrer Harald Biedermann

"Über 1500 Birnensorten hat es vor 100 Jahren in Bayern gegeben", erzählt Harald Biedermann. Heute seien sie aus den Hausgärten weitgehend verschwunden.  Als unterfränkische Nationalfrucht galt im 19. Jahrhundert die Röhrlesbirne, eine Winterkochbirne. In der "Pomona Franconica", dem Sortenverzeichnis des fürstbischöflichen Hofgärtners Johann Prokop Mayer ist sie als "sehr gemein und beliebt wegen ihrer Nützlichkeit und Fruchtbarkeit" aufgeführt.  Inzwischen ist sie fast ausgestorben. Hunderte andere Sorten sind bereits verschwunden. 

Der Biologielehrer Biedermann ist fasziniert von der Vielfalt an Sorten und vom Lebensraum Streuobstwiese, zu dem auch die Birne gehörte. Bis zu 250 Jahre alt könnten Birnbäume werden – wertvoller Lebensraum für sehr viele Tierarten. Die Kartierung von Streuobstsorten im Landkreis Würzburg vor zehn Jahren hat Biedermann, der auch im Obst- und Gartenbauverein Ochsenfurt aktiv ist, auf die Spur der Birnen gebracht.

Ochsenfurter Schüler haben geholfen

Entstanden ist der Lehrpfad als Schülerprojekt "Streuobst erleben" der Realschule Maindreieck Ochsenfurt, das Biedermann seit vier Jahren begleitet. Mit Schülern und Mitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins hat er den Lehrpfad angelegt. Vier Tonnen Erde wurden verteilt, um den sandigen Boden aufzubessern.

Um Pflanzbäume alter, regionaler Sorten zu kommen, hat Biedermann sich Reiser bei den letzten, vereinzelt vorhandenen Einzelbäumen besorgt. Partner bei der Veredelung sei die Erlacher Baumschule Schramm gewesen. Auch die Obstarche in Spielberg, die sich um die alten Sorten bemüht, hat ihm geholfen. Die Pflege, besonders das Gießen im heißen Sommer, haben die Mitarbeiter des Tierparks übernommen.

Musikinstrumente aus Birnenholz

Den Tierpark der Mainfränkischen Werkstätten GmbH als Partner gewonnen zu haben, nennt Biedermann "einen Glücksfall". Denn man ergänze sich perfekt. "Nachhaltigkeit ist unser Thema", sagt Oliver Steiner, Technische Leitung bei den Mainfränkischen Werkstätten: "Die alten Birnensorten ergänzen unser Konzept zu heimischen Haus- und Nutztierarten, jetzt mit Obstgehölzen alter, lokaler Sorten."

Kürbisse liegen der Hänser-Birne zu Füßen, dazwischen die Mostbirnen. Der mächtige Solitär steht in Ochsenfurt an der Ma... Foto: Antje Roscoe

Damit diese auch Familien- und Kindern näher gebracht werden, informieren Tafeln am Birnenlehrpfad auch mit Quizelementen über die Sorten. Auf sieben Thementafeln wird der Wert der Birne und ihre kulturelle Verankerung dargestellt – zum Beispiel über ihr hartes Holz, das für den Bau von Musikinstrumente genutzt wird. Zu den Hintergrundinformationen hatte Tamara Och aus Rottendorf im Rahmen ihrer Bachelorarbeit beigetragen. 

Birnenchips zur Eröffnung 

Wenn die jungen Bäume in drei bis fünf Jahren Früchte tragen, sollen sie im Café und in der Umweltstation des Tierparks angeboten werden. Erste Kostproben gibt es aber schon bei der Eröffnung mit Birnen-Chips am 6. Oktober, um 11 Uhr im Tierpark Sommerhausen. Der Birnenlehrpfad ist als Teil des Waldumbaus entlang des neuen Damwildgeheges, zwischen Steinzeithaus und Taubenhaus angelegt.

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