Glosse

Warum das Mathe-Abi ein Alptraum ist - und lange bleibt

Die Abiturienten stöhnen: Das Mathe-Abi war zu schwer. Ist doch auch klar - die ganze Mathematik ist zu schwer!
Warum das Mathe-Abi ein Alptraum ist - und lange bleibt

Jedes Jahr das Gleiche: Es ist so ein wohliges Gruseln, das den im Lebensalter bereits Fortgeschrittenen überkommt, wenn junge Menschen zur Abi-Prüfung antreten. Man selbst hat es schon geschafft, kann aber immer noch irgendwie mitfühlen. Und so gut nachvollziehen, warum viele Schüler über zu schwierige Mathe-Aufgaben klagen. Wahrscheinlich denken viele von uns bei den binomischen Formeln an eine schlecht umgerührte Buchstabensuppe, halten das Kommutativgesetz für eine ergänzende Regelung zur Gemeindeordnung oder den Vektor für ein Automodell.

Deshalb nicken wir auch mitfühlend, wenn die schweißgebadeten Schüler darüber klagen, sie würden außer mit runden, eckigen, geschweiften oder ellipsenförmigen Klammern, Logarithmen, X- und Y-Achsen oder der mysteriösen Kreiszahl Pi auch noch mit unverständlichen Textaufgaben gequält.

Textaufgaben waren noch nie verständlich

Ach ja, die Textaufgaben (hier wieder so ein wohliges Gruseln). Die waren schon unverständlich, als sie noch einfach waren. In der fünften Klasse, oder so. Beispiel gefällig? Lotte steigt morgens um 7.19 in Hintermüggelfeld in den Zug. Der fährt mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometern. Lotte will nach Hamburg, das 780 Kilometer von Hintermüggelfeld entfernt ist. Weil in Vordermüggelfeld eine Weiche kaputt ist, kann der Zug 20 Minuten lang nur mit 30 Stundenkilometern fahren.

Ich konnte stets nur die Frage beantworten, wie viele belegte Brote Lotte mitnehmen muss, um während der Fahrt nicht zu verhungern. Aber nicht, um wie viel Uhr Lotte in Hamburg ankommt. Ehrlich gesagt, hätte ich zur Beantwortung lieber den Fahrplan der Deutschen Bahn herangezogen, der war aber als Hilfsmittel bei Prüfungen nicht zugelassen. Stattdessen hatte man eine Auswahl von Buchstaben zur Verfügung (a, b, c und so weiter, die irgendwelche Unbekannten repräsentieren sollten), dazu Punkte, Striche und natürlich die eigene blühende Phantasie. Mit der kam man meistens am weitesten.

Es gibt ein Leben ohne Mathematik

Wenn Achim einen Turm baut, der mit 120 Metern genau neun Meter höher ist als der Turm von Bastian, der dafür einen größeren Rauminhalt aufweist als der von Achim, dessen Länge wiederum 48 Meter beträgt, während die Breite unbekannt ist, dann kann die Frage, wie viele je zwei Quadratmeter große Fenster an die Nord- und die Westfassade beider Türme passen, wenn zwischen den Fenstern immer nur ein halber Meter Platz sein darf, allenfalls denjenigen fesseln, der noch nie einen blutrünstigen Thriller gelesen hat.

Es gibt ein Leben ohne die Addition von Brüchen mit ungleichem Nenner. Man braucht zwar ein paar Jahre oder Jahrzehnte, bis die regelmäßig wiederkehrenden Alpträume nachlassen, aber es wird tatsächlich irgendwann besser. Und eines Tages kann man einfach in den Zug steigen und die Fahrt nach Hamburg genießen, ohne dass einem eine Gleichung mit weiß der Kuckuck wie vielen Unbekannten den Tag vergällt.

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