Ochsenfurt

Warum die Daten der Bauern ihnen gehören müssen

Erwin Ballis vom Bundesverband der Maschinenringe wirbt für eine gemeinsame Digitalstrategie der deutschen Landwirtschaft.
Der Einsatz von Satellitennavigation und Drohnen ist in der Landwirtschaft längst Realität. Der Maschinenring setzt sich dafür ein, dass auch die Hoheit über ihre Daten in der Hand der Bauern bleibt.
Der Einsatz von Satellitennavigation und Drohnen ist in der Landwirtschaft längst Realität. Der Maschinenring setzt sich dafür ein, dass auch die Hoheit über ihre Daten in der Hand der Bauern bleibt. Foto: dpa/Holger Hollemann

Die zunehmende Digitalisierung, die längst die Landwirtschaft erfasst hat, und die Verschärfung der Düngeverordnung sind Themen, die auch den für den Raum Ochsenfurt und Kitzingen zuständigen Maschinenring Maindreieck mit Sitz in Ochsenfurt bewegen. Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung stand jedoch das 50-jährige Bestehen der bäuerlichen Selbsthilfeorganisation. Gerade noch rechtzeitig vor der Verschärfung der Corona-Krise waren die Mitglieder zusammengekommen. 

Aus der Idee der gegenseitigen Unterstützung beim Arbeits- und Maschineneinsatz ist der Maschinenring inzwischen zu einem Unternehmen mit einem umfangreichen Maschinenpark und einem Leistungsumfang im Wert von 9,2 Millionen Euro geworden. Der Großteil davon speist sich aus dem Zuckerrübenanbau, wie Geschäftsführerin Jutta Michel in ihrem Jahresbericht darlegte.

Die Landwirtschaft müsse ihre digitale Zukunft selbst in die Hand nehmen, um nicht dem Diktat der IT-Konzerne ausgeliefert zu sein, forderte der Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Maschinenringe, Erwin Ballis, bei der Jahreshauptversammlung des Maschinenrings Maindreieck.
Die Landwirtschaft müsse ihre digitale Zukunft selbst in die Hand nehmen, um nicht dem Diktat der IT-Konzerne ausgeliefert zu sein, forderte der Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Maschinenringe, Erwin Ballis, bei der Jahreshauptversammlung des Maschinenrings Maindreieck. Foto: Gerhard Meißner

Schwerpunkt ist der Zuckerrübenanbau

Unter dem Dach des Maschinenrings hat die Zuckerrüben-Anbaugemeinschaft im vergangenen Jahr 3300 Hektar im Namen ihrer Mitglieder von der Aussaat bis zu Rodung bewirtschaftet. Die Mietenpflege-Gemeinschaft hat 68 000 Tonnen Zuckerrüben bis zur Abfuhr in die Fabrik mit Schutzvliesen abgedeckt und die landwirtschaftliche Maschinengemeinschaft LMG mit ihrer Fahrzeugflotte 884 000 Tonnen Rüben in die Ochsenfurter Fabrik gefahren. Hinzu kommen 13 000 Tonnen Carbokalk, einem Nebenprodukt der Zuckerherstellung, die als Dünger und Bodenverbesserer zurück auf die Äcker gefahren wurden.

Mit einem Verrechnungwert von 3,8 Millionen Euro nimmt denn auch der Transport die wichtigste Position in der Bilanz des Maschinenrings ein, gefolgt von der Hackfruchternte mit 2,3 Millionen Euro. 970 000 Euro entfallen auf die Ernte von Stroh und den Futteranbau, 430 000 Euro auf wirtschaftliche Betriebshilfe.

1556 Mal waren die wirtschaftlichen Betriebshelfer im Einsatz und leisteten dabei 24 170 Einsatzstunden, um Landwirte bei der Arbeit am Hof zu unterstützen. Nicht weniger wichtig ist die soziale Betriebshilfe, die im Krankheitsfall zur Versorgung der Familie und des Haushalts einspringt. 11 343 Einsatzstunden mit einem Verrechnungswert von 265 000 Euro verbrachten die Betriebshelferinnen auf diese Weise.

Zentrale Güllelager geplant

Die verschärfte Düngeverordnung ist ein Thema, das vor allem Tierhalter umtreibt, wie der Vorsitzende des Maschinenrings, Johannes Menth, in seinem Bericht ausführte. Weil das fränkische Muschelkalkgebiet als besonders anfällig für Nitratauswaschungen ins Grundwasser gilt, darf Gülle künftig nur noch im Frühjahr auf die Felder ausgebracht werden, nicht mehr zur Düngung der im Herbst ausgesäten Zwischenfrüchte.

Für 20-jährige Tätigkeit beim Maschinenring Maindreieck wurde Christine Gumpert (Mitte) geehrt. Mit im Bild Geschäftsführerin Jutta Michel und Vorsitzender Johannes Menth.
Für 20-jährige Tätigkeit beim Maschinenring Maindreieck wurde Christine Gumpert (Mitte) geehrt. Mit im Bild Geschäftsführerin Jutta Michel und Vorsitzender Johannes Menth. Foto: Gerhard Meißner

Vielen Landwirten reichen ihre vorhandenen Silos nicht aus, um die Gülle über einen entsprechend langen Zeitraum zu lagern. Im Extremfall führe dieser Engpass zur Aufgabe der Tierhaltung, so Menth. Deshalb bemühe sich der Maschinenring derzeit um den Bau zweier zentraler Güllelager im Raum Giebelstadt und Biebelried. Ein möglicher Standort nahe dem Giebelstadter Ortsteil Herchsheim war kürzlich wegen der schwierigen Verkehrsanbindung verworfen worden.

"Wir müssen uns so aufstellen, damit unsere Daten bei uns liegen und nicht beim Handel, den Herstellern, den Behörden oder der Industrie."
Erwin Ballis, Bundesverband der Maschinenringe

Vom Acker in die digitale Welt führte der Vortrag von Erwin Ballis, Geschäftsführer im Bundesverband deutscher Maschinenringe. Angesichts des weltweiten Bevölkerungswachstums hätten längst High-Tech- und IT-Konzerne wie der Internet-Gigant Google die Landwirtschaft als Chance entdeckt. Es geht um den Einsatz von Robotertechnik und Drohnen oder die satellitengesteuerte Ausbringung von Dünge- und  Pflanzenschutzmitteln mit der damit einhergehenden Optimierung der Produktion.

Wichtigster Rohstoff für die neuen Technlogien sei die Datengrundlage, sagt Ballis, und erkennt darin Gefahren und Chancen zugleich. Die Gefahr sei, dass Landwirte zunehmend von Großkonzeren und ihrem Preisdiktat abhängig werden; die Chance bestehe darin, dass die Landwirtschaft selbst ihre digitale Zukunft gestalten kann.

Alle Betriebe sollen am technischen Fortschritt teilhaben

Erwin Ballis fordert deshalb eine gemeinsame Digitalstrategie der deutschen Maschinenringe. "In der Vergangenheit haben wir Maschinen vermittelt, in der Zukunft werden wir Maschinen und Daten vermitteln", sagt er. Das entspreche auch dem Gründungsauftrag, wonach allen Betrieben die Chance gegeben sein soll, unabhängig von ihrer Größe am technischen Fortschritt teilzuhaben.

Als erster Teil dieser Digitalstrategie soll das bestehende Angebot verbessert und erweitert werden, etwa durch den Einsatz mobiler Apps bei der Arbeitsplanung und der Betriebsdatenerfassung. In einem zweiten Schritt plant Ballis eine zentrale Datenspeicherung. In einer dritten Stufe soll im Kreis der insgesamt 200 000 deutschen Mitgliedsbetriebe eine gemeinsame Innvonationsplattform geschaffen werden. "Wir müssen uns so aufstellen", ist Erwin Ballis überzeugt, "damit unsere Daten bei uns liegen und nicht beim Handel, den Herstellern, den Behörden oder der Industrie."

Eine Ehrung wurde in der Jahreshauptversammlung Christine Gumpert zuteil. Sie ist seit 20 Jahren als Organsationskraft in der Geschäftsstelle des Maschinenrings tätig und kümmert sich dort unter anderem um die Organisation der Betriebshilfe. Vorsitzender Johannes Menth würdigte Christine Gumpert als Mitarbeiterin, von deren enormem Wissen auch er regelmäßig profitiere.

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