WÜRZBURG

Warum die Verbindung Trutnov-Würzburg so besonders ist

Zehn Jahre Partnerschaft zwischen Würzburg und Trutnov. Auf die Partnerschaft stoßen in der Riesengebirgstube in den Greisinghäusern an (von links): Susanne Eisele, Wigbert Baumann, Willi Dürrnagel, Marion Schäfer-Blake, Michal Kopøiva und Margarete Dorsch. Foto: Thomas Obermeier

Um ein Haar hätte der Vorsitzende des Riesengebirgler Heimatkreises Trautenau keinen Sitz im Reisebus nach Würzburgs Partnerstadt Trutnov bekommen. Wigbert Baumann hatte sich zu spät angemeldet. Die Bürgerreise Ende Mai dieses Jahres war ausverkauft. Baumann konnte dann aber doch mitfahren. Ein Sitz des Kontingents für den Stadtrat war freigeblieben. Denn es sind nicht alle Räte versessen auf Ausflüge in die jüngste Partnerstadt Würzburgs.

Zehn Jahre dieser Beziehung feierten die Trautenauer am Freitag vergangener Woche mit einem Lebkuchen-Brunch in der Riesengebirgsstube über dem Stadtarchiv in der Neubaustraße. Dabei passierten auch Geschichten wie die vom fast daheimgebliebenen Vorsitzenden Revue.

Über zehnjährige Vorgeschichte

Auf den Tag genau zehn Jahre zuvor war die vorherige Patenschaft offiziell umgewandelt worden in eine Partnerschaft der zwei Kommunen, zwischen Würzburg und Trutnov in Tschechien, gut 80 Kilometer Luftlinie ost-südöstlich von Görlitz. Die Partnerschaft indes hatte eine über zehnjährige Vorgeschichte, in der manche und mancher Stadtobere diese ganze tschechische Angelegenheit am liebsten unter den Teppich gekehrt hätte.

Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake zeigte beim Treffen unterm Dach des Greisinghauses Verständnis für die Problematik im Allgemeinen: Würzburg-Trutnov sei „eine besondere Partnerschaft“, weil hier viele Vertriebene angesprochen waren „und auf der anderen Seite Leute, die sich nach den Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs gesagt haben: Mit den Deutschen wollen wir nichts zu tun haben.“

Aber auch die Ausgesiedelten waren sich in Mainfranken keineswegs einig. So wuchs hier die 1931 in Trautenau geborene Susanne Eisele auf, konnte mit der Heimat ihrer Kinderzeit eigentlich nie recht etwas anfangen, bis sie sich nach ihrer Pensionierung zuerst den Grünen und dann immer mehr auch dem Riesengebirge zuwandte, allerdings unter dem Blickwinkel: Man sollte nicht immer der Vergangenheit hinterhertrauern, sondern auf eine Zukunft der verschiedenen Länder in Europa hinarbeiten.

Eisele erzählte, sie sei wegen dieser Idee von Mitgliedern des Heimatkreises fundamental angefeindet worden. Und Schäfer-Blake nickte dazu lächelnd, man müsse auch heute noch gelegentlich ganz schön aufpassen, wem gegenüber man die Stadt mit dem deutschen und wann mit dem tschechischen Namen belege: Trautenau oder Trutnov. Dabei positioniert sie sich eindeutig auf Seiten derer, die in die Zukunft denken: „Wir wollen doch unseren Kindern etwas mitgeben.“

Michal Kopøiva, ein gebürtiger Tscheche in der kommunalen Dienststelle Würzburg international, berichtete von ermutigenden Entwicklungen in Richtung Zukunft. So hätten junge Dauerläufer aus Trutnov am Würzburger Residenzlauf teilgenommen und mit einigen Gastgebern beschlossen, demnächst gemeinsam bei einem Lauf in Würzburgs normannischer Partnerstadt Caen zu starten.

Lebendiges Begegnungszentrum

Auch die tschechischen Nachwuchsinstrumentalisten, die bei der Jungen Philharmonie gastierten, waren von den professionellen Arbeitsbedingungen begeistert. Vielleicht, so Kopøiva, könnten die mainfränkischen Eishockeyspieler ja mal von der Trutnover Eishalle profitieren. Aber er erinnerte auch daran: „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir hier so friedlich zusammensitzen, wo vielleicht unsere Großväter aufeinander geschossen haben.“

Für Heimatkreis-Vorsitzenden Baumann kommt es jetzt darauf an, dass die Riesengebirgsstube nicht weiter museal betrieben, sondern „ein lebendiges deutsch-tschechisches Begegnungszentrum“ werde.

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