Veitshöchheim

Warum diese Deutsche mit dem Rad nach Schottland fährt

Eva Gerber aus Veitshöchheim fährt mit dem Fahrrad ins schottische Glasgow. Weshalb sie diese Strapaze auf sich nimmt und warum sie ausgerechnet nach Schottland radelt.
Eva Gerber im Veitshöchheimer Ortsteil Gadheim künftigen am EU-Mittelpunkt, falls Großbritannien die Gemeinschaft verlässt. Sie fährt mit dem Rad von hier aus nach Schottland, um sich gegen den Brexit und für den Verbleib Schottlands in der EU einzusetzen.
Eva Gerber im Veitshöchheimer Ortsteil Gadheim künftigen am EU-Mittelpunkt, falls Großbritannien die Gemeinschaft verlässt. Sie fährt mit dem Rad von hier aus nach Schottland, um sich gegen den Brexit und für den Verbleib Schottlands in der EU einzusetzen. Foto: Jürgen Sterzbach

Am 1. Juli geht es los: Eva Gerber steigt mit Schwung auf und radelt von Gadheim im Landkreis Würzburg nach Glasgow in Schottland. Der 80 Einwohner zählende Teil der Gemeinde Veitshöchheim bietet sich für ihren Start an: Auf einem Acker befindet sich hier der geografische Mittelpunkt der Europäischen Union (EU), sobald Großbritannien die Gemeinschaft verlassen hat.

Eigentlich war der als Brexit bekannte Austritt für den 28. März vorgesehen, wurde zuerst auf den 12. April verschoben, bevor er schließlich am 31. Oktober vollzogen werden soll, nachdem das mit der EU ausgehandelte Abkommen mehrmals im britischen Unterhaus gescheitert war. Die wiederholte Ablehnung veranlasste Theresa May zum Rücktritt als Premierministerin.

Zwei Wochen lang quer durch Europa

Für Gerber soll zumindest ein Teil der britischen Insel in der EU verbleiben: Schottland hat es der 54-Jährigen angetan und ist deshalb auch das Ziel ihrer über zwei Wochen geplanten Tour. Auf den einen oder anderen Tag kommt es ihr dabei aber nicht an. Wenn ihr nach einer Pause zumute sei, werde sie das Rad auch einmal zugunsten der Erholung stehenlassen, sagt sie. Schließlich gehe es nicht darum, eine feste Zeit zu erreichen, sondern ein Zeichen zu setzen.

Gegen den Brexit. Für Schottland. Ihre Route führt sie auf dem europäischen Festland von Gadheim über Aschaffenburg, Mainz, Bonn und Düsseldorf bis nach Amsterdam. Dort setzt Gerber mit der Fähre auf der Nordsee nach Newcastle upon Tyne im Nordosten Englands über und rollt, der Ostküste folgend, kurz hinter Berwick upon Tweet erstmals auf schottisches Gebiet. Über Edinburgh und Stirling fährt sie durch die Central Lowlands nach Glasgow.

Vorfreude auf gastfreundliche Schotten

Besonders freut Gerber sich auf die Gastfreundschaft der Schotten. Mehrere Einladungen zu Tee und Sandwichs habe sie bereits erhalten, Übernachtungen seien ihr angeboten worden und Einheimische wollen sie auf ihren Etappen begleiten. Auf ihrer Facebook-Seite erfährt sie aus Schottland regen Zuspruch, seit ihr Vorhaben auch dort bekannt wurde. Eine Tageszeitung, die sich für Schottlands Unabhängigkeit ausspricht, stellte Gerber als "German Yes Supporter" vor.

In Schottland wuchsen in den letzten Jahren die Bestrebungen nach Auflösung der 1707 vollzogenen Union von Schottland und England zum Vereinigten Königreich. Im September 2014 entschied sich die Mehrheit der Schotten für einen Verbleib. Als die Briten vor drei Jahren aber ihren EU-Austritt beschlossen, kehrte die Forderung nach einer Unabhängigkeit Schottlands zurück.

Auf zwei Rädern nach Schottland: Eva Gerbers Tour startet am 1. Juli.
Auf zwei Rädern nach Schottland: Eva Gerbers Tour startet am 1. Juli. Foto: Jürgen Sterzbach

Denn die Schotten hatten überwiegend gegen den Brexit gestimmt. "Für Schottland ist es jetzt an der Zeit, nach 312 Jahren die Union zu verlassen", findet die Mutter von vier erwachsenen Kindern. Sie wuchs in Idar-Oberstein in einem politisch interessierten Elternhaus auf. Das prägt sie noch heute. Durch ihren Ex-Mann, der Arbeit in Birkenfeld fand, kam sie nach Unterfranken, wohnte erst in Triefenstein und Karlburg im Landkreis Main-Spessart und kam schließlich in Veitshöchheim an. Durch ihre selbstständige Tätigkeit als Onlineberaterin kann sie sich rund zwei Wochen Zeit für die 1400 Kilometer lange Tour nehmen.

Europa ohne EU ist nicht vorstellbar

Gerber nennt sich selbst eine deutsche Europäerin: "Man muss ein Haus auch renovieren und instand halten für die nächsten Generationen. Aber Europa ohne die EU und mit geschlossenen Grenzen möchte ich mir nicht mehr vorstellen." International zu denken, sei ihr in die Wiege gelegt worden. Ihre Familie lebt mitunter in den USA und Australien. Ihr Wunsch sei es, selbst in Schottland leben zu können, nachdem sie 2012 das Land und seine Leute erstmals kennenlernte.

Aber auch das wäre weitaus schwieriger, sollte Schottland mit Großbritannien die EU verlassen. Über ihre Reise und ihre Begegnungen berichtet Eva Gerber auf Facebook. Gern wäre sie nach ihrer Ankunft für längere Zeit in Schottland geblieben. Jedoch wird sie nach ein paar Tagen in Glasgow aus privaten Gründen in ihre Heimat bei Würzburg zurückkehren.

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