Würzburg

Warum es Streit um den Verkauf der Frankenhalle gibt

Der Verkauf der Frankenhalle steht an diesem Donnerstag auf der nichtöffentlichen Tagesordnung des Stadtrates. Das wird kritisiert. Laut Stadt und Investor unberechtigt.
Die Frankenhalle in der Äußeren Pleich: Der Stadtrat soll am Donnerstag dem Verkauf zustimmen. Die BI Ringpark in Gefahr und der Arbeitskreis Denkmalschutz Würzburg kritisieren das Vorgehen der Verwaltung.
Die Frankenhalle in der Äußeren Pleich: Der Stadtrat soll am Donnerstag dem Verkauf zustimmen. Die BI Ringpark in Gefahr und der Arbeitskreis Denkmalschutz Würzburg kritisieren das Vorgehen der Verwaltung. Foto: Daniel Peter

Sie beschäftigt die Stadtgesellschaft schon lange, die seit 1999 fast ungenutze Frankenhalle in der Veitshöchheimer Straße. Zuletzt als gelegentlicher Ausstellungsort genutzt und 2013 als Ausweichspielort während der Sanierung des Mainfrankentheaters gehandelt, soll die frühere Viehauktionshalle jetzt an die Würzburger Beethovengruppe verkauft werden. Diese hatte sich im Dezember 2018 im Rahmen eines Investorenangebotsverfahrens gegen weitere Mitbewerber durchgesetzt.

"Es fehlt nach wie vor ein echtes Mobilitätskonzept."
Manfred Neuner - Ringpark in Gefahr

Die Immoblienentwickler wollen die denkmalgeschützte Halle sanieren, um sie tagsüber als Markthalle und abends für Veranstaltungen zu nutzen. Dahinter sollen zukünftig zwei vier- bis siebengeschossige Neubauten mit 120 Wohnungen entstehen, wovon die Hälfte als Sozialwohnungen geplant sind. Den Kopfbau des gut 100 Jahre alten Bauwerks möchte man abreißen und durch einen freien Platz mit Bäumen ersetzen.

Anstelle der ehemaligen Stallungen hinter der Viehmarkthalle sollen Wohnungen entstehen.
Anstelle der ehemaligen Stallungen hinter der Viehmarkthalle sollen Wohnungen entstehen. Foto: Daniel Peter

Nun schlagen die Bürgerinitiative Ringpark in Gefahr (BI) und der Arbeitskreis Denkmalschutz Würzburg (AK) Alarm. Nach deren Infos soll der Verkauf der Halle bereits am kommenden Donnerstag im nichtöffentlichen Teil des wegen der Corona-Krise als Ferienausschuss tagenden Stadtrats beschlossen werden.  Und zwar unter anderem ohne eine Beurteilung der Planung in der Stadtbildkommission und den Stadtheimatpfleger und auch ohne Sicherung der späteren Durchsetzbarkeit des von Oberbürgermeister Christian Schuchardt mehrfach als vorrangig zugesagten „Gesamtverkehrskonzeptes Pleich“, beklagen sie. 

"Wir finden, dass das ohne große Not im Augenblick ist."
Manfred Neuner, Bürgerinitiative Ringpark in Gefahr

"Wir finden, dass das ohne große Not im Augenblick ist und da ja nur ein Notausschuss tagt, finden wir das reichlich fragwürdig, dass man das jetzt einfach durchzieht", sagt Manfred Neuner von der BI. "Es sollte ja zuerst eine Gesamtverkehrsplanung für das ganze Areal vorliegen. Deren Fehlen hätten auch die Investoren selbst bemängelt. "Es fehlt nach wie vor ein echtes Mobilitätskonzept, das in die Zukunft weist. Die Beethoven-Gruppe plant ja zudem, dass der Kopfbau abgerissen wird und ein Grünfläche entsteht, was wir ebenfalls ablehnen", sagt er.

Dem Arbeitskreis Denkmalschutz seien zudem Vorwürfe bekannt, dass die Ausschreibung nicht EU-konform vorgenommen wurde, da ein der Stadt bekanntes Schadgutachten mit der Ausschreibung nicht veröffentlicht wurde, heißt es in der Stellungnahme des AK. Einigen der Bewerber sei dieses Gutachten jedoch bekannt gewesen, so dass diese ein anderes finanzielles Gebot abgegeben hätten. Deswegen stünden laut AK Schadensersatzansprüche in Millionen Höhe im Raum und sollten vor einer Veräußerung im Stadtrat diskutiert werden.

Beethovengruppe konzentriert sich erst einmal auf den Wohnungsbau

"Das ist doch alles schon entschieden", sagt Niko Rotschedl, Geschäftsführer der Beethovengruppe. "Es gab eine Konzeptausschreibung und auf Basis der vorgestellten Konzepte hat der Stadtrat seine Entscheidung getroffen", weiß er. Alles andere werde im Baugenehmigungsverfahren geklärt.

"Auf das Verkehrskonzept warten wir, aber nicht  wegen der Frankenhalle, sondern wegen des Bismarckquartiers und dem E.on-Gelände", fährt er fort. "Wir konzentrieren uns jetzt aber erst einmal auf den  Wohnungsbau im hinteren Teil, und der ist auch bei der vorhandenen Verkehrssituatioin abwickelbar. Wir wollen das Projekt ja nicht bis zum St. Nimmerleinstag verschleppen." Auch das vom Arbeitskreis angesprochene Gutachten habe man mittlerweile erhalten.  "Das sind zusätzliche Entsorgungskosten, wir halten aber weiterhin an dem Projekt fest", sagt Rotschedl.

Ein reiner Verkaufsbeschluss ohne Projektbezug

Da Grundstücksverkäufe nichtöffentlich behandelt werden müssten, sei der Beschluss für die nichtöffentliche Sitzung am Donnerstag vorgesehen, heißt es aus dem Rathaus. Dabei handele es sich um einen reinen Verkaufsbeschluss ohne Projektbezug, so Rathaussprecher Christian Weiß weiter.

Die Vorlage sei bereits vor der Einführung des Ferien-/Notausschusses erstellt worden. Der Beschluss sei ja ursprünglich auch für den Hauptausschuss am 26. März, wie auch die Sitzung des Stadtrates an diesem Donnerstag vorgesehen gewesen. Dieses werde nun durch eine Beschlussfassung im Ferien-/Notausschuss ersetzt. Dieser habe dieselbe Kompetenz wie ein Stadtrat und stelle sicher, dass auch trotz Corona-Krise wichtige Planungsverfahren weiterlaufen könnten.

Die von den Bürgerinitiativen geforderten Gutachten und Beratungen seien im Anschluss an den Verkauf Bestandteil des Bauverfahrens, heißt es aus dem Rathaus weiter. Auch die Beteiligung des Stadtheimatpflegers, der Stadtbildkommission und die Fragen der verkehrlichen Erschließung sollen dabei gewahrt und beantwortet werden, schreibt Weiß. 

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