Region Ochsenfurt

Warum es immer mehr Briefwähler gibt

Auch unabhängig von Corona ist der Trend zur Briefwahl ist ungebrochen. In manchen Gemeinden könnte der Anteil der Briefwähler diesmal sogar bei drei Vierteln liegen.
Alle Hände voll zu tun gibt es für Kevin Endres und Christin Geheeb vom Bürgerbüro der Stadt Ochsenfurt. Über 3600 der 9000 Stimmberechtigten haben bis Wochenmitte Briefwahlunterlagen angefordert.
Alle Hände voll zu tun gibt es für Kevin Endres und Christin Geheeb vom Bürgerbüro der Stadt Ochsenfurt. Über 3600 der 9000 Stimmberechtigten haben bis Wochenmitte Briefwahlunterlagen angefordert. Foto: Gerhard Meißner

Wenn die Wahllokale am Sonntag leerer bleiben als bei vorangegangenen Wahlen, hat das nicht unbedingt mit dem Corona-Virus zu tun. Der Trend zur Briefwahl ist ungebrochen. Trotzdem ist man in den Rathäusern alarmiert und vorbereitet, damit das Wahllokal nicht zum Infektionsherd wird.

Auf dem Schreibtisch von Marlena Wirth, Leiterin des Bürgerbüros im Ochsenfurter Rathaus, steht ein großer Karton mit Desinfektionsmittelflaschen. Alle 16 Wahllokale im Stadtgebiet werden am Wahlsonntag mit Spendern zum Desinfizieren der Hände ausgestattet sein. In Giebelstadt hat man sich, aus Sorge die Mittel könnten knapp werden, schon vor Wochen einen Vorrat zugelegt, erzählt Bürgermeister Helmut Krämer - Hamsterkäufe im Dienst des Wählers. 

"Früher haben wir Wert darauf gelegt, dass jeder nur den Stift in der Wahlkabine benutzt; das zählt jetzt nicht mehr."
Winfried Betz, Gemeinde Gaukönigshofen

Aber nicht nur die Wähler sind aufgefordert, reichlich Gebrauch von der keimtötenden Lösung zu machen. Auch die Wahlkabinen werden zwischendurch immer wieder desinfiziert, sagt Marlena Wirth. Und - das ist neu - jeder Wähler darf seinen eigenen Kuli mit zur Wahl bringen, um das bereitgehaltene Schreibgerät nicht anfassen zu müssen.

Zahl der Urnenwähler sinkt weiter

"Früher haben wir Wert darauf gelegt, dass jeder nur den Stift in der Wahlkabine benutzt", erinnert sich Winfried Betz, Leiter der Gemeindeverwaltung in Gaukönigshofen, "das zählt jetzt nicht mehr." Dafür geht Betz davon aus, dass die Zahl der Urnenwähler weiter sinkt. Waren es vor sechs Jahren noch durchschnittlich rund 40 Prozent der Wähler, die ihre Wahlentscheidung bequem zu Hause trafen, so dürfte ihr Anteil diesmal vielerorts bei deutlich über der Hälfte liegen. 

Beispiel Ochsenfurt: Dort sind rund 9000 Bürger zur Wahl aufgerufen. Über 3600 Briefwahlunterlagen wurden bislang beantragt. Legt man die Wahlbeteiligung der Kommunalwahl 2014 zugrunde, würde das bedeuten, dass inzwischen über 60 Prozent der Wähler von der Abstimmung zu Hause Gebrauch machen.

Damit das Wahllokal nicht zum Infektionsherd wird, haben Kommunen mit Desinfektionsmitteln und allgemeinen Hygienehinweisen vorgesorgt. Im Bild die Leiterin des Ochsenfurter Bürgerbüros, Marlena Wirth. 
Damit das Wahllokal nicht zum Infektionsherd wird, haben Kommunen mit Desinfektionsmitteln und allgemeinen Hygienehinweisen vorgesorgt. Im Bild die Leiterin des Ochsenfurter Bürgerbüros, Marlena Wirth.  Foto: Gerhard Meißner

"Ich kann das verstehen", sagt Verwaltungsleiter Winfried Betz. Wer von all seinen Wahlmöglichkeiten Gebrauch machen will, der darf in Gaukönigshofen genau 100 Stimmen vergeben, je eine für Bürgermeister und Landrat, 28 für den Gemeinderat und 70 für den Kreistag. "Kein Wunder, dass die Leute das lieber zu Hause machen" meint Betz, zumal der riesige Stimmzettel für die Kreistagswahl sich in der Wahlkabine kaum noch voll entfalten lässt.

"Es hat sich rumgesprochen, dass die Briefwahl viel bequemer ist."
Klaus Krautschneider, Gemeinde Veitshöchheim

Klaus Krautschneider, Wahlsachbearbeiter im Rathaus von Veitshöchheim, stellt fest, dass vor allem ältere Bürger, früher die klassischen Urnenwähler, verstärkt zur Briefwahl drängen. "Das liegt am Stimmzettel für die Kreistagswahl",  meint er. Die Namen der insgesamt 420 Kandidaten seien so klein geschrieben, dass sie Ältere kaum lesen können. "Es hat sich rumgesprochen, dass die Briefwahl viel bequemer ist." Hinzu kommt, dass es noch nie so einfach war, Briefwahlunterlagen zu beantragen. Für den Online-Antrag reicht es, den Barcode auf der Wahlbenachrichtigung mit dem Smartphone abzuscannen.

Bürgermeister schlägt generelle Briefwahl vor

Vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie hätte Gaukönigshofens Bürgermeister Bernhard Rhein sogar ganz auf die Urnenwahl verzichtet. "Alles auf Briefwahl umstellen und die Frist für die Abgabe um drei Wochen verlängern", wäre sein Vorschlag gewesen, der allerdings ungehört blieb.

Julian Dürrlauf von der Verwaltungsgemeinschaft Estenfeld hat sich beim vertrauten Lieferanten vergeblich um Desinfektionslösung bemüht. Der könne erst in Monaten wieder liefern. Stattdessen haben die Feuerwehr und andere Quellen ausgeholfen, sagt Dürrlauf. Kopfzerbrechen bereitet ihm eine Anweisung des Innenministeriums, wonach der Infektionsschutz bei der Wahl absoluten Vorrang habe. Was tun, wenn in den nächsten Tagen doch noch ein bestätigter Corona-Fall in der Gemeinde auftritt? Die Wahl absagen?

Auch in Estenfeld haben inzwischen mehr als die Hälfte der Stimmberechtigen Briefwahlunterlagen beantragt. Bei einer durchschnittlichen Wahlbeteiligung läge der Briefwähleranteil also auch hier bei 70 Prozent. In Veitshöchheim hat man deshalb den Zuschnitt der Stimmbezirke komplett neu geordnet. Die Zahl der Urnenwahlbezirke wurde von acht auf sechs verringert, die Zahl der Briefwahlbezirke von vier auf sechs erhöht. "Das sind 500 bis 600 Wähler pro Stimmbezirk, das sollte zu schaffen sein", sagt Klaus Krautschneider.

Dass es in den letzten Tagen noch einmal zu einem kurzen Ansturm auf Briefwahlunterlagen gekommen ist, habe allerdings mit dem Virus nichts zu tun, meint die Wahlsachbearbeiterin der Verwaltungsgemeinschaft Eibelstadt. "Das hatten wir bei den vorhergehenden Wahlen auch, weil viele erst kurz vor der Wahl überlegen, ob sie sich am Sonntag vielleicht doch etwas anderes vornehmen wollen."

Bei der Zahl der Briefwahlanträge das gleiche Bild wie andernorts: Von den 2554 Stimmberechtigten in Eibelstadt haben bis Dienstag Mittag 1316 Briefwahlunterlagen angefordert. Bei einer Wahlbeteiligung von 74 Prozent, wie bei der Wahl 2014, läge der Briefwähleranteil damit sogar bei knapp 70 Prozent. 

In Sommerhausen könnte die Quote noch höher liegen. Von den 1578 Stimmberechtigten dort haben bislang 843 Briefwahl beantragt. 2014 lag die Wahlbeteiligung bei 72 Prozent. Demnach würden drei Viertel der Wähler nicht mehr selbst an der Wahlurne erscheinen. 

Desinfektionsmittel und Schutzhinweise

Desinfektionsmittel und den amtlichen Hinweis auf besondere Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor Infektionen gibt es natürlich auch in den Wahllokalen der Verwaltungsgemeinschaft Eibelstadt. "Aber das sind ganz normale Verhaltensregeln, die man eigentlich immer berücksichtigen sollte", sagt die Sachbearbeiterin.

In Veitshöchheim bietet man den insgesamt 108 Wahlhelfern für die Auszählung der Stimmzettel sogar dünne Gummihandschuhe an. "Die Nachfrage war da", sagt Klaus Krautschneider, "wenn wir was tun können, tun wir das gern, wir sind ja froh, dass wir noch genügend Wahlhelfer haben." 

Rückblick

  1. Nach der Wahl: Drei Fragen an Roland Schmitt
  2. Abschied von Burkard Losert: Schmales Budget, viel bewegt
  3. Das sind die neuen Kreisräte für den Landkreis Würzburg
  4. Bürgermeister-Abschied: Adolf Hemrich zieht positive Bilanz
  5. Neuer Bürgermeister im Amt: Drei Fragen an Bernd Korbmann
  6. Bürgermeister: Eine Intensivschulung in Sachen Menschenkenntnis
  7. Rente mit 63: Eva Maria Linsenbreder war gerne Bürgermeisterin
  8. Leinach: Was Uwe Klüpfel nach seinem Amt als Bürgermeister machen wird
  9. Stichler: Vom Höchberger Rathauschef zum Star für die Enkel
  10. Postenpoker im Würzburger Landratsamt
  11. Neuer Bürgermeister: Wird Leinach jetzt zusammenwachsen?
  12. Stichwahl in Ochsenfurt: Peter Juks bleibt Bürgermeister
  13. Kommentar: Jetzt sind Macher-Qualitäten gefragt
  14. Kommentar: Wie kann Thomas Eberth jetzt Mehrheiten gewinnen?
  15. Stichwahl: Thomas Eberth wird neuer Würzburger Landrat
  16. Stichwahlen im Landkreis Würzburg: SPD gewinnt zwei Posten
  17. Stichwahl: Warum am Sonntag länger gezählt wird
  18. Warum der Stadtrat nur noch als Notfallausschuss tagt
  19. Behon: Stadtrat über alle Fraktionen hinweg zusammenführen
  20. Juks: Durch die Coronakrise soll niemand ins Abseits geraten
  21. Wie geht es nach den Wahlen mit dem Zeller Ärztehaus weiter?
  22. Bernhard Weidner: "Es kommt auf jede Stimme für mich an"
  23. Margarete May-Page: Rimpar als Vorreiter für den Klimaschutz
  24. Stichwahl: Wie wird sich der Landkreis Würzburg verändern?
  25. Susanne John will "Bürgermeisterin mit Herzblut" werden
  26. René Wohlfart wünscht sich fraktionsübergreifende Zusammenarbeit
  27. Schmidt: Erst das Rathaus, dann das Mehrgenerationenhaus
  28. Stichwahl: Rüthlein will in Zell die dicken Bretter bohren
  29. Stichwahl: Kipke will den Flächenverbrauch in Zell reduzieren
  30. Winfried Körner will die Dorfmitte mit Leben füllen
  31. Kommentar: Die öffentliche Verwaltung muss funktionieren
  32. Kommunalwahl: Der Landkreis Würzburg wird grüner
  33. Kommunalwahl: Würzburger Kreisräte müssen auf Ergebnis warten
  34. Landkreis Würzburg: Diese Gemeinderatskandidaten rücken nach
  35. Für Herman Gabel ist das Röttinger Rathaus der neue Arbeitsplatz
  36. Kreistagswahl: Wahlergebnis steht erst am Mittwoch fest
  37. Landrat Würzburg: So hat der Landkreis gewählt
  38. Der amtierende Bürgermeister Markus Schenk bleibt im Amt
  39. Ochsenfurt: Wie die Parteien die Stadtratswahl bewerten
  40. Kopf-an-Kopfrennen in Kürnach um das Bürgermeisteramt
  41. Markt Eisenheim hat einen neuen Bürgermeister
  42. Michael Röhm erwartet ein "notwendiges gutes Miteinander"
  43. Uffenheim: Wolfgang Lampe gewinnt mit großem Vorsprung
  44. Landratswahl Würzburg: Knappes Rennen um den Stichwahl-Platz
  45. Kommentar: Thomas Eberth ist der Wahlkampfsieger
  46. Der Wahlkampf geht in einigen Gemeinden weiter
  47. Kommentar: Vertrauensbeweis für den Amtsinhaber
  48. Ochsenfurt: Vorsprung für Peter Juks
  49. Tobias Klembt besiegt in Helmstadt den Amtsinhaber deutlich
  50. Kommunalwahl im Landkreis Würzburg: Wo wird es sehr spannend?

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Ochsenfurt
  • Gerhard Meißner
  • Bernhard Rhein
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • Desinfektion
  • Helmut Krämer
  • Infektionsherde
  • Infektionskrankheiten
  • Infektionsschutz
  • Kommunalverwaltungen
  • Kommunalwahl 2020 im Landkreis Würzburg
  • Kommunalwahlen
  • Stimmberechtigte
  • Wahlbeteiligung
  • Wähler
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!