Zell

Warum es mit dem Ärztehaus in Zell nur zäh vorwärts geht

Architekt Roland Breunig stellte im Zeller Gemeinderat einen Entwurf für ein Ärztehaus vor. Doch die Ratsmitglieder vertagten eine Entscheidung, weil sie sich über die Grundstücksfrage nicht einig waren. Foto: Daniel Peter

Quo vadis Ärztehaus in Zell am Main? Der Marktgemeinderat hat in seiner Sitzung am Dienstagabend die begonnene Planung für das Bauprojekt erst einmal auf Eis gelegt, um Grundsatzfragen zu klären. Zu groß waren die Bedenken bei der vom anwesenden Projektentwickler favorisierten Übernahme des gemeindeeigenen Grundstücks, das als Wertstoffhof ausgedient hat. In diesem Zusammenhang kritisierten oppositionelle Räte die Bürgermeisterin Anita Feuerbach aufgrund ihres Vorgehens scharf. Die CSU-Politikerin wehrte sich ebenso vehement gegen die Vorwürfe.

Mehrere medizinische Nutzungen

Dabei wollen das Gremium und wohl auch die allermeisten Bürger das Ärztehaus am Ortseingang, dessen Planung schon einmal gescheitert ist. Deshalb beschleunigte Feuerbach das Verfahren, indem sie einen neuen Projektentwickler bat, ein Konzept zu erstellen. Roland Breunig, Geschäftsführer von archicult, präsentierte nun seine Ideen. Ihm schwebt passend zur Abbiegesituation an der Staatstraße ein leicht abknickendes Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Bauhof vor.

"Als Ortseingang wird die Zufahrt derzeit nicht wahrgenommen, was schade ist", erklärte der Architekt: "Das zentrale, verglaste Treppenhaus wäre eine Art Gelenk, an dessen Membranfassade man das Element Wasser inszenieren könnte, das für den Ort so bedeutend ist." Das dreigeschossige Gebäude soll die örtliche Apotheke, einen Hausarzt, den es seit fast einem Jahr nicht mehr in Zell gibt, eine Praxis für Physiotherapie, einen Zahnarzt und im oberen Bereich eventuell auch Wohnungen beherbergen, wenn sich keine weiteren medizinischen Nutzungen finden lassen.

Kritik am Vorgehen der Bürgermeisterin 

Das Feedback von Interessenten sei sehr positiv gewesen, so Breunig, der gleichzeitig daraufhin wies, dass sich in Zell vermutlich kein Facharzt niederlassen würde, da es in Margetshöchheim bereits eine entsprechende Infrastruktur gebe. Der Zeller Gemeinderat zeigte sich zufrieden mit Breunigs Ideen.

Doch am Vorgehen der Bürgermeisterin, die bei den kommenden Wahlen altersbedingt nicht mehr kandidieren wird, schieden sich die Geister. Neben dem Beschlussvorschlag, diese – aus Sicht der Fraktion "SPD/Bürgerbündnis/Grüne Alternative" überraschend weit gediehenen – Planungen weiterzuverfolgen, sorgte folgender Satz in der Sitzungsvorlage für Unmut: "Eine Realisierung des Projektes ist nur bei einem Verkauf des Grundstücks möglich."

Opposition fühlt sich überrumpelt

Die Opposition fühlte sich davon überrumpelt. Sie hätte gerne vorher eine ratsinterne Debatte geführt, auf welche Weise das gemeindeeigene Grundstück erschlossen wird. Neben dem Verkauf an einen Bauträger seien schließlich auch weitere Varianten denkbar, etwa Erbpacht oder eine Umsetzung in Eigenregie.

Feuerbach entgegnete, dass sie vor einiger Zeit in nicht-öffentlicher Sitzung darauf hingewiesen habe, dass sie mit einem weiteren Projektentwickler Kontakt aufgenommen habe und der Rat dem Beschlussvorschlag ja nicht folgen müsse. Doch den schwarzen Peter wollten sich namentlich Tobias Lahl, Sebastian Rüthlein und Bernd Spengler nicht zuschieben lassen. "Wenn wir darüber entscheiden und den Beschluss ablehnen, senden wir das Signal aus, dass in Zell nichts möglich ist", warnte Spengler. Dem sei aber nicht so. An Feuerbach gerichtet sagte er: "Ihr Vorgehen ist milde ausgedrückt unglücklich."

Gemeinderat vertagt Entscheidung

Umgekehrt musste sich die Opposition anhören, dass sie noch keinen konstruktiven Vorschlag in dieser Sache gemacht habe. Seit eineinhalb Jahren zieht sich die Bauabsicht bereits hin. Lorenz Andretter (CSU/Freie Bürger Zell) sprang der Bürgermeisterin bei: "Wir haben zum ersten Mal Licht am Ende des Tunnels, durch den wir lange gelaufen sind." Man müsse auch an eine zeitnahe Realisierung denken. Breunig hatte zuvor auf Nachfrage klar gemacht, dass ab Projektstart bestenfalls noch einmal zweieinhalb Jahre ins Land gehen werden, bis das Ärztehaus tatsächlich steht.

Doch nachdem auch Ratsmitglieder von CSU/Freie Zeller Bürger große Bedenken äußerten, das Grundstück zu veräußern und so gut wie keine konkreten Fakten auf dem Tisch lagen, verständigte man sich letztlich darauf, diesen Punkt noch einmal zu vertagen.

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