Würzburg

Warum fränkische Bauern die Milliardenhilfe kritisieren

Mit einer Milliarde Euro will die Politik die Landwirte unterstützen, damit diese sich auf die neue Düngeverordnung einstellen können. Die Bauern sind wenig begeistert.
Angesichts heftiger Verwerfungen wegen der geplanten Verschärfung der Düngeverordnung plant die Große Koalition eine Milliardenhilfe für die Bauern.
Angesichts heftiger Verwerfungen wegen der geplanten Verschärfung der Düngeverordnung plant die Große Koalition eine Milliardenhilfe für die Bauern. Foto: Getty Images

Die Große Koalition reagiert auf die Bauernproteste gegen die geplante Verschärfung der Düngeverordnung. Die Landwirte sollen innerhalb von vier Jahren mit einer Milliarde Euro unterstützt werden. Das Geld solle bei Umstellungen helfen, etwa bei der Anschaffung neuer Gülleanlagen. CSU-Chef Markus Söder sprach von einem "klaren Signal der Wertschätzung und der Unterstützung in schwierigen Zeiten" für die Bauern. Weil Nitratwerte im Grundwasser zu hoch sind, hat die EU-Kommission Deutschland beim Europäischen Gerichtshof verklagt. Daher muss Berlin weitere Düngebeschränkungen angehen.

Landwirte wollen neue Düngeverordnung verhindern

Haben die Proteste der vergangenen Monate, von Berlin bis Iphofen (Lkr. Kitzingen), für die Bauern also etwas gebracht? Landwirt Claus Hochrein, Sprecher der Vereinigung "Land schafft Verbindung" in Unterfranken, zeigt sich enttäuscht. Die Landwirte wollten keine "Almosen" und schon gar nicht "wieder als Subventionsempfänger" dastehen. Die Politik habe nichts verstanden. Man wolle keine neuen Düngelager bauen, sondern die neue Düngeverordnung verhindern. "Sie ist schlecht für unsere Pflanzen und schlecht fürs Grundwasser", so Hochrein.

So soll künftig etwa die Herbstdüngung in nitratbelasteten Gebieten verboten sein. Die Folge, so die Landwirte: Die Zwischenfrüchte, die dafür sorgen, dass über den Winter weniger Nitrat ins Grundwasser ausgewaschen wird, würden eingehen. Darüber hinaus dürfen in belasteten Gebieten Bauern ihre Pflanzen künftig nur noch 20 Prozent unter Bedarf düngen. Die Folge, so die Landwirte: Der Humus, der als CO2-Speicher, Erosionsschutz und Wasserspeicher gedacht sei, werde langfristig aufgezehrt. "Das ist wie beim Abnehmen, irgendwann sterben unsere Böden und Pflanzen den Hungertod", so Hochrein.

15 Grundwasserkörper in Unterfranken gelten als nitratbelastet

Das Problem: Bereits seit Jahren gilt das Grundwasser in Deutschland als nitratbelastet. In Unterfranken sind laut Wasserwirtschaftsamt in Aschaffenburg von 45 Grundwasserkörpern 15 in einem schlechten Zustand, was die Nitratwerte angeht. Davon sind zwei zusätzlich mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Ein Grundwasserkörper ist ein, etwa durch Gesteinsschichten, abgegrenztes Grundwasservolumen. In ganz Bayern werden von 257 Grundwasserkörpern 63 als schlecht eingestuft. Insgesamt gelten in Deutschland 27 Prozent der rund 1200 Grundwasserkörper als belastet.

In Unterfranken, wo sich jedes Jahr sehr wenig neues Grundwasser bildet, dauert es zwischen zehn und 30 Jahre, bis die Nitratwerte wieder sinken. Trotzdem sind Erfolge sichtbar: Dort, wo Wasserversorger mit Landwirten freiwillige Kooperationen eingehen, Landwirte weniger düngen und für ihren Minderertrag Ausgleichszahlungen von den Wasserversorgern erhalten, hat sich die Grundwasserqualität verbessert.

60 Kooperationen von Wasserversorgern und Landwirten in Unterfranken

Laut Regierung von Unterfranken gibt es 60 freiwillige Kooperationen zwischen 310 Wasserversorgern und Hunderten von Landwirten in Unterfranken. Als Vorzeigemodell gilt das Werntalprojekt im Trinkwassereinzugsgebiet von Karlstadt, Thüngen und Arnstein. Seit 2002 habe man es dort geschafft, die Nitratgehalte deutlich unter den Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Wasser zu senken.

Die Ausgleichszahlungen der Wasserversorger für die Landwirte werden auf den Wasserpreis umgelegt. In Unterfranken sind das zwischen einem und 20 Cent je Kubikmeter abgegebenes Trinkwasser. Allerdings beschränken sich die Kooperationen auf die Einzugsgebiete der Wasserversorger. Die Grundwasserkörper aber sind wesentlich größer. (Mit Informationen von dpa)

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