Bergtheim

Warum sich Frauen gern mit Frauen treffen

Zum 90-jährigen Gründungsjubiläum des Frauenbund-Zweigvereins in Bergtheim wurden langjährige Mitglieder geehrt. Vorsitzende Christa Sauer verteilt Piccolos. Foto: Irene Konrad

Vielleicht schreckt der Name "Katholischer Deutscher Frauenbund" ab, diesem Verband beizutreten? Vielleicht erscheint das Image 125 Jahre nach der Gründung verstaubt? Oder es ist die Angst, sich zu binden und engagieren zu müssen. Die Mitglieder des Frauenbunds selbst haben ein anderes Bild von sich. Sie sehen sich autark, kämpferisch und selbstbewusst.

"Ja, es stimmt, der Glaube ist uns wichtig", nickt Christa Sauer auf den Hinweis auf das Katholische im Namen. Für die Vorsitzende des Bergtheimer Frauenbunds ist es unvorstellbar, zu einem Jubiläum keinen Festgottesdienst zu planen. In ihrem Ortsverein treffen sich Frauen regelmäßig zum Rosenkranzgebet. Es gibt Wallfahrten sowie Einkehr- und Besinnungstage.

"Ich bin sehr froh, dass es euch gibt"
Helmut Rügamer - Pfarrer in Bergtheim

Aber rein katholisch, das ist der Frauenbund nicht. In Bergtheim wird durchaus die Ökumene gelebt. Schon lange feiert der Frauenbund seine Feste im Evangelischen Gemeindezentrum. Die Mitglieder treffen sich mit "den Evangelischen" zum Weltgebetstag der Frauen, zu Frühschichten vor Ostern oder zur Adventsfeier im Dezember.

Das Führungsteam des Bergtheimer Frauenbundes am Jubiläumsabend. Von links: Schriftführerin Anita Linz, Edith Göbel, Vor... Foto: Irene Konrad

Nach dem persönlichen Glauben werde jedenfalls nicht gefragt. Im Frauenbund sind alle willkommen. Alle, damit ist jedoch nur das weibliche Geschlecht gemeint. Warum? Frauen seien gern unter sich. Hier können sie ungezwungen sein, ihre eigenen Späße machen, über ihre Themen reden und ihre Fähigkeiten entfalten.

"Es baut mich auf, wenn ich unter Frauen bin"

"Es baut mich auf, wenn ich unter Frauen bin", sagt Marlene Lachmann, die sich überörtlich engagiert. Es gefällt ihr, wenn Frauen gemeinsam etwas anpacken. Der KDFB unterstützt beispielsweise die Bewegung Maria 2.0, die sich für notwenige Veränderungen in der Kirche einsetzt.

Überhaupt, Bildungsabende gehören seit jeher zum Programm. Seit 90 Jahren gibt es den Bergtheimer KDFB-Zweigverein. Die aktuell 63 Mitglieder gehören meist dem älteren Semester an. Die jüngsten Frauen sind um die 50. "Heutzutage gehen die jungen Leute lieber zum Sport", seufzt das Vorstandsteam.

Bei den Neuwahlen in zwei Jahren wird Christa Sauer nicht wieder antreten

Wie es einmal "nach uns" weitergehen wird, macht der 71-jährigen Vorsitzenden Sorge. Bei den Neuwahlen in zwei Jahren wird Christa Sauer nicht wieder antreten. "Wahrscheinlich wird ein gleichberechtigtes Vorstandsteam gewählt", meint Beisitzerin Weißenberger. Eine Wahl bringe sicher wieder neuen Schwung und neue Ideen. Das sei immer so.

Den Bergtheimerinnen gefallen besonders ihre Ausflüge. Um den Muttertag ist es eine Tagesfahrt an einen schönen Ort in der Region. Und im Spätsommer werden Vier-Tages-Reisen gemacht. In allen Himmelsrichtungen waren die Frauen schon unterwegs. An der Elbe mit der Besichtigung einer Werft. In der Lüneburger Heide. Im schönen Elbsandsteingebirge oder in den Alpen.

Kult sind die ausgelassenen Faschingsfeiern des Frauenbundes

Und es werde viel gelacht. Kult sind die ausgelassenen Faschingsfeiern des Frauenbundes. Dabei tragen eher die kleinen Dinge den Verein. "Hier kann ich meine Begabungen einbringen", erklärt Anita Linz. Die Schriftführerin stellt mit Freude Gottesdienste zusammen. Wenn sie lange und mühevoll ein Thema erarbeitet hat und ein Gottesdienst steht, hat sie "unbeschreibliche Glücksgefühle".

Frauen können im Verein ihre Kreativität ausleben. Sie stellen die Krippe in der Kirche auf, dekorieren die Tische bei Veranstaltungen oder bepflanzen das Priestergrab. Andere schätzen die Gesprächsabende, wenn es um "moderne Themen" wie Organspenden, Hospizarbeit oder Gedächtnistraining geht. Liesel Göbel erheitert die Runde oft mit Liedern und Gedichten. Andere schätzen es, beim bunten Abend "alle Sorgen vergessen zu können".

Die Mitgliedschaft ist eine Frage des Selbstverständnisses

Wer an den Veranstaltungen des Frauenbunds teilnehmen will, muss nicht Mitglied sein. Viele Bildungsangebote und Treffen kosten auch kein Geld. Die Mitgliedschaft ist eine Frage des Selbstverständnisses. Wo kann ich mich entfalten? Wo erlebe ich Gemeinschaft? Welche Werte will ich mit anderen pflegen?

"Ich bin sehr froh, dass es euch gibt", gestand Pfarrer Helmut Rügamer bei der Feier zum 90-jährigen Gründungsjubiläum in Bergtheim. In der Reihe der Ortsvereine würde sonst ein wichtiger Baustein fehlen.

Der Bergtheimer Frauenbund
Zum aktuellen Vorstand gehören die Vorsitzende Christa Sauer, ihre Stellvertreterin Marlene Eichhorn, Schriftführerin Anita Linz und Kassiererin Marianne Haupt. Beisitzerinnen sind Lydia Bauer, Edith Göbel, Angela Krebs und Waltraud Weißenberger.
Bei der 90-Jahr-Feier des Katholischen Frauenbundes im Zweigverein Bergtheim wurden langjährige Mitglieder geehrt:
Erna Friedrich, Theresia Göbel, Helga Strauß und Maria Strobel sind seit 57 Jahren Mitglied. Seit 45 Jahren im Frauenbund sind Monika Bauer, Emma Gessner, Gertrud Göbel, Elvira Hammer, Anni Hau, Marianne Haupt, Christa Hochum, Luise Keller, Anni Lichtlein, Irma Nuß, Christa Sauer, Juliane Sauer, Helene Schmitt, Luise Thesen, Monika Vollmuth und Gisela Wahler. Ehrungen für 40 Jahre Mitgliedschaft gab es für Christine Ehmer, Gerda Friederich, Marlene Lachmann, Anita Linz, Hiltrud Nuß, Brigitte Peschke, Laurentia Pfister, Margit Pfister und Eugenie Wolf.

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