Würzburg

Warum uns Transparenz in Zeiten der Corona-Krise so wichtig ist

Die Corona-Krise hat auch die Arbeit dieser Redaktion verändert. Chefredakteur Michael Reinhard erklärt, warum wir ab sofort den Redaktionsvorhang für unsere Leser ganz weit öffnen.
Die Druckerei der Mediengruppe Main-Post am Würzburger Heuchelhof.
Die Druckerei der Mediengruppe Main-Post am Würzburger Heuchelhof. Foto: Berthold Diem

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Niemand, egal, wo immer er auf dem Erdball beheimatet ist, kann derzeit Sars-CoV-2 entkommen. Es durchdringt scheinbar unaufhaltsam jeden Lebensbereich - und verändert somit auch ganz erheblich unsere redaktionelle Arbeit. Das bleibt natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Zeitung. Die Chefredaktion hat sich deshalb entschlossen, Sie, liebe Leserinnen und Leser, regelmäßig über alle für Sie wichtigen Entwicklungen innerhalb der Redaktion und unseres Medienhauses zu informieren. Denn Transparenz ist für uns nicht nur in Krisenzeiten ein wichtiges Instrument einer vertrauensvollen Kundenbindung.

Gleichzeitig möchten wir für Sie den redaktionellen Vorhang ganz weit öffnen und Ihnen einen authentischen Blick in unsere momentan fast ausschließlich vom Coronavirus geprägte Arbeit geben.  So werden beispielsweise Reporterinnen und Reporter für Sie aufschreiben, was sie bei ihren Recherchen erleben, was sie anrührt, was sie zuversichtlich stimmt, aber auch was sie ärgert.

Den Anfang machen heute Julia Back, stellvertretende Leiterin der Redaktion für Würzburg Stadt und Land, Ochsenfurt und den Main-Tauber-Kreis, sowie Oliver Schikora, stellvertretender Leiter der Redaktion Schweinfurt Stadt und Land.

Bauchredner Sebastian Reich bleibt mit Nilpferddame Amanda während der Coronakrise zuhause - und versorgt seine Fans dank Selfiestick auch mit einem Foto. Redakteurin Julia Back hat in gerade interviewt.
Bauchredner Sebastian Reich bleibt mit Nilpferddame Amanda während der Coronakrise zuhause - und versorgt seine Fans dank Selfiestick auch mit einem Foto. Redakteurin Julia Back hat in gerade interviewt. Foto: Sebastian Reich

Nilpferddame Amanda brachte Julia Back heute zum Lächeln

Julia Back hat heute ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert bekommen. Wie gut, dass es die Nilpferddame Amanda gibt: "Wie vielen anderen ist auch mir gerade die Normalität abhanden gekommen. Statt in der Redaktion sitze ich nun zu Hause, organisiere Termine, recherchiere und schreibe Artikel. Und während ich eine Pressemitteilung im Mail-Eingang öffne und erfahre, wie viele neue Coronafälle und vielleicht sogar Todesfälle es in Stadt und Landkreis Würzburg gibt, höre ich meine beiden Töchter, eins und vier Jahre alt, im Kinderzimmer lachen. Wie werden wir diese Zeit überstehen? Indem wir vernünftig handeln und an die Gemeinschaft denken. Eine Einstellung, die auch Bauchredner Sebastian Reich auf seiner Facebookseite vertritt. Dort lässt er Nilpferddame Amanda Tacheles reden und appelliert an die Vernunft. Grund genug für mich, ein Interview mit ihm zu führen. Sein Optimismus ist erfrischend – und er hat Recht: in Krisenzeiten ist Lachen ganz wichtig. Wir dürfen das Positive nicht aus dem Blick verlieren und müssen gerade für unsere Kinder optimistisch bleiben. Zusammen werden wir das hinbekommen. Daran denke ich, wenn ich den Laptop ausschalte und hinüber ins Kinderzimmer gehe. Jetzt wird erst einmal eine Runde gelacht."

Oliver Schikora sorgt sich um die Schweinfurter Kulturszene 

Oliver Schikora war in Sachen Kultur unterwegs. Er sorgt sich vor allem um die kleinen Veranstalter: „'Kunst und Kultur', sagt der Schweinfurter Kulturamtsleiter und Theaterchef Christian Kreppel, 'ist der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält'. In Zeiten der Coronavirus-Krise stimmt einen dieser Satz umso nachdenklicher, denn es ist ja tatsächlich zu befürchten, dass gerade die kleinen Veranstalter, die sogenannte 'freie' Kulturszene, die größten Probleme bekommen durch die völlig zu Recht angeordneten Schließungen und Absagen von Veranstaltungen. Kürzlich gab es ein Krisentreffen der Veranstalter wie Disharmonie, Jugendkulturzentrum Stattbahnhof, KulturPackt oder Programmkino KuK. In Schweinfurt gibt es gut 650 kulturelle Veranstaltungen pro Jahr, alleine die Genannten stemmen über die Hälfte davon. Was, wenn sie nun untergehen? Wie kann man Ihnen helfen? Den Aufruf, aus Solidarität sich bereits gekaufte Tickets nicht erstatten zu lassen, und so den Veranstaltern ein wenig finanzielle Luft zu geben, finde ich gut. Wir werden das privat so handhaben, denn natürlich macht es uns nicht viel aus, auf 20 oder 30 Euro zu verzichten. Für die Disharmonie zum Beispiel sind aber 100 oder 200 Gäste, die sich jeweils 20 Euro nicht erstatten lassen, durchaus eine Menge Geld."

Die meisten unserer Redakteurinnen und Redakteure arbeiten bereits seit Tagen im sogenannten Homeoffice, um, so gut es geht, direkte Kontakte untereinander zu vermeiden. Dieses dezentrale Arbeiten von daheim erfordert von uns allen erhöhte Disziplin und größeren Organisationsaufwand. Trotz erschwerter Bedingungen ist der Zusammenhalt sogar noch gewachsen. Das stimmt sehr hoffnungsfroh für eine Zukunft, die ungewisser den je ist.

Medienunternehmen haben einen systemrelevanten, gesellschaftlichen Auftrag

Je mehr die Behörden unser aller Freiheit, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen, einschränken, desto wichtiger wird kritischer Journalismus. Gerade in einer Phase, in der über Jahrhunderte erkämpfte Grundrechte massiv beschnitten werden, ist die Wächterfunktion der Medien bedeutender denn je. Ich verspreche Ihnen, dass wir alles tun, um unserem vom Grundgesetz definierten Kritik- und Kontrollauftrag auch unter so schwierigen Bedingungen wie im Augenblick gerecht zu werden.

Main-Post-Geschäftsführer David Brandstätter hat dieses Versprechen heute ebenfalls gegenüber allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr deutlich formuliert: "Wir haben als Medienunternehmen auch einen systemrelevanten, gesellschaftlichen Auftrag, den wir nach besten Kräften nachkommen müssen: Seriöse Information für die Menschen in unserer Region ist eine wesentliche Aufgabe, weshalb die bayerische Staatsregierung die Medien auch ausdrücklich in die systemkritischen Einrichtungen aufgenommen hat."

Die Zeitung wird dünner werden 

Mein eingangs erwähnter Wille zur größtmöglichen Transparenz gebietet es, Sie schon jetzt darauf hinzuweisen, dass die Zeitung dünner werden wird, als Sie es gewohnt sind. Das liegt auf der Hand. Denn das öffentliche Leben ist fast zum Stillstand gekommen. Landauf, landab gibt es keine Veranstaltungen mehr. Sport und Kultur sind in der Zwangspause. Geschäfte und öffentliche Einrichtungen haben bis auf wenige Ausnahmen geschlossen. Vieles von dem, worüber Sie sonst in der Zeitung lesen können, findet nicht mehr statt.

Einige Leserinnen und Leser haben sich übrigens gewundert, dass wir in unseren Lokalteilen noch Bilder veröffentlichen, auf denen größere Menschengruppen zu sehen sind - obwohl doch Abstand halten das Gebot der Stunde ist. Was ist der Grund? Die Antwort ist einfach: In der Regel handelt es sich dabei um Pressemitteilungen zu Veranstaltungen, die bereits vor der Zuspitzung der Corona-Krise stattgefunden haben. Solche Presseberichte erreichen die Redaktion oft erst einige Tage nach dem jeweiligen Ereignis. Dazu kommt, dass die Texte und Bilder dann noch redaktionell bearbeitet werden müssen. Das hat zur Folge, dass mit den Fotos zu diesen Veröffentlichungen nicht immer die derzeitige, sich sehr schnell ändernde Lage abgebildet wird. Dafür bitte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, um  Verständnis.

Haben Sie vielleicht auch Fragen rund um das Thema Redaktion? Dann schreiben Sie mir doch bitte per E-Mail: michael.reinhard@mainpost.de

Ich wünsche Ihnen einen weitgehend sorgenfreien Tag.

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