Würzburg

Was Würzburgs Schüler über Europa denken

Die Erstwähler am Röntgen-Gymnasium haben genaue Vorstellungen davon, wie Europa aussehen sollte. Foto: Thomas Obermeier

Zur Europawahl am kommenden Sonntag gibt es auch in den Schulen wieder eine Juniorwahl. Hier können Schüler, wie bei einer echten Wahl, geheim ihre Stimme abgeben und die Ergebnisse auswerten. Einige Schüler sind jedoch schon bei der richtigen Wahl stimmberechtigt. Wir haben mit Johannes Thornagel, Felix Agne und Tim Frieß vom Röntgen-Gymnasiumund Jonas Glas, Abiturient am Deutschhaus-Gymnasium, gesprochen. 

Frage: Wo informieren Sie sich über die Europawahl?

Felix Agne: Ich gucke viel Nachrichten, die Heute-Show und Politiksendungen. Außerdem habe ich mich über den "Wahl-O-Mat" informiert.

Johannes Thornagel: Ich habe viele Gespräche mit Freunden geführt, die auch alle wählen. Und wir haben das Thema natürlich im Rahmen der Juniorwahl in der Schule behandelt. 

Jonas Glas: Am Deutschhaus-Gymnasium gab es auch eine Infoveranstaltung mit Vertretern der Grünen, SPD und CSU.

Was halten Sie vom "Wahl-O-Mat"?

Glas: Ich finde ihn nicht so gut. Ich würde meine Wahlentscheidung nicht darin begründen, weil mir zwei Prozent Unterschied bei den Ergebnissen zu wenig sind.

Agne: Es hat mich auf ein paar Ideen gebracht, aber meine Wahlentscheidung fälle ich nicht danach.

Haben Sie Ihre Wahlentscheidung schon getroffen?

Tim Frieß: Ja, ich weiß wen ich wählen werde.

Glas: Ich bin mir noch nicht ganz sicher, habe es aber auf zwei Parteien eingegrenzt und auch hier eine Tendenz.

Wie wichtig ist Ihnen die Europawahl?

Glas: Ich finde sie wichtiger als Kommunalwahlen. Sie ist richtungsweisend, besonders bezüglich des Erstarkens der Rechtspopulisten und dem Brexit. 

Agne: Ich kenne niemanden, der nicht wählen geht. Alle meine Freunde gehen wählen und ins unserer Schule wird verstärkt Wert auf das Thema gelegt.

Was sind die wichtigstem Themen für Sie?

Thornagel: Umweltschutz steht für mich im Mittelpunkt. Die Politik in Europa soll so erhalten bleiben, wie sie aktuell ist. 

Frieß: Die Diskussion über Artikel 13 und die Urheberrechtsreform hat viele junge Leute im Land bewegt. Das Thema polarisiert und es gab viele Demonstrationen. Es beeinflusst auch meine Entscheidung bei der Wahl. 

Wie stehen Sie zu einem Europäischen Bundesstaat?

Glas: Es könnte einen stärkeren Zusammenhalt geben, aber die einzelnen Kulturen sollten bestehen bleiben. 

Frieß: Ich denke das funktioniert nicht, denn ich glaube die vielen verschiedenen Ländern können sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen. Es wären zu viele Leute im Boot und alles wäre viel langsamer. Ich glaube, dass das vielleicht in 20 Jahren vorstellbar ist, wenn eine neue Generation nachgewachsen ist. 

Agne: Ich befürworte ihn, aber halte es für unwahrscheinlich. Es wäre der richtige Schritt um sich gegen China oder die USA zu wehren. Die Zusammenarbeit zu einem Staat auszubauen, wäre wirtschaftlich und gesellschaftlich richtig. 

Welche Vorteile hat Europa für Sie?

Agne: Frieden!

Thornagel: Der Grundgedanke von freiem Handel und freiem Reisen ist sehr gut. Es gibt eine gute wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit. Außerdem finde ich die gemeinsame Verfolgung von Straftaten durch Europol gut. 

Glas: Das Interrail-Ticket ist eine super Sache und damit verbunden natürlich auch das freie Reisen im Schengen-Raum. 

Welche Nachteile sehen Sie an einem vereinten Europa?

Glas: Es gibt Gewinner und Menschen, die weniger von Europa profitieren. Deshalb muss die EU sozialer werden. Außerdem ist die Zusammenarbeit, beispielsweise bei der Flüchtlingskrise, noch zu schlecht.

Agne: Der Umgang mit Ländern, die sich nicht an die Menschenrechte oder Finanzvorschriften halten, muss sich ändern. Außerdem wird manches schlecht umgesetzt. Ich fand es nicht gut, wie sich manche Länder während der Flüchtlingskrise abgeschottet haben.

Die Wahlhelfer erklären den Wahlzettel, während im Hintergrund einer von ungefähr 350 Schülern am Röntgen-Gymnasium wähl... Foto: Thomas Obermeier
Juniorwahl in Würzburg
Bei der Juniorwahl sind die neunten, zehnten und elften Klassen an den Schulen wahlberechtigt. In Würzburg nehmen zehn Schulen an der Wahl teil. Darunter auch das Röntgen-Gymnasium, wo Peter Mierau, als Fachbetreuer für Sozialkunde, die Wahl organisiert. Auf Wahlzetteln gaben die Schüler im Laufe der Woche ihre Stimme ab. Die Wahl wird im Unterricht vorbereitet, es gibt Themenwände, ein Wahllokal und sogar eine Wahlparty für die Helfer. Wie bei der echten Wahl, meldet das Wahl-Komitee dann am Sonntag um 18 Uhr die Ergebnisse. "Das wichtigste ist, dass die Schüler merken, wie das politische System abläuft", erklärt Mierau. Auch schon bei der vergangenen Landtagswahl gab es eine Juniorwahl.

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