WÜRZBURG

Was die Fassade der Residenz verrät

Vor aufmerksamen Zuhörern: Gästeführerin Angela Carbone-Gross erläuterte am Sonntag die Geheimnisse der Fassade der Würz... Foto: Foto:

„Das war wirklich sehr gut!“ Maria Kress ist begeistert. Und das will etwas heißen. Um die 20 Führungen durch Würzburg hat die 84-Jährige inzwischen mitgemacht. Die Führung von Angela Carbone-Gross am Weltgästeführertag gehöre zu den besten, meinte die betagte Geschichtsliebhaberin: „Sie war breit angelegt, ohne lauter Details. Die kann man sich doch nicht merken.“

Angela Carbone-Gross war am Sonntag als eine von 24 Gästeführerinnen und Gästeführern im Einsatz – als einzige sogar gleich zweimal. Neben einer Führung am Mittag in Deutsch bot die Unimitarbeiterin am Nachmittag eine Führung in italienischer Sprache an. „Wo Steine Geschichten erzählen“, lautete das diesjährige Motto.

Rund 30 Interessierte folgten Carbone-Gross zur Sandsteinfassade der Residenz, deren Grundstein im Mai 1720 von Johann Philipp Franz von Schönborn gelegt wurde. Die vom jungen Architekturgenie Balthasar Neumann geschickt zum Prachtbau gefügten Steine erzählen bis heute Geschichten vom Selbstbewusstsein des Adelsgeschlechts der Schönborn. Aber es gibt auch eine Menge, was die Steine verschweigen. Wer zum Beispiel war Johann Philipp? Offenbar kein sonderlich sympathischer Zeitgenosse, zeigte Angela Carbone-Gross unter Verweis auf einen Brief von Markgräfin Wilhelmine auf. Der zufolge war der Fürstbischof „falsch, heimtückisch und schlau“.

Seit 1990 lebt Carbone-Gross in Deutschland, bereits seit 1993 führt die perfekt Deutsch sprechende „Stadtverführerin“ Gäste durch Würzburg – Tagestouristen und Teilnehmer großer Tagungen. Der Job begeistert sie: „Die meisten Leute haben gute Laune, sind wissbegierig und neugierig.“ Früher sei das oft anders gewesen: „Da organisierte ein Freizeitverein eine Städtereise und plante eine Führung mit ein. Gut gemeint. Doch die Gäste hätten lieber eine Gaststätte angesteuert. Das hat sich total geändert.“

Es waren fast ausschließlich Würzburger, die ihrer Führung am Sonntag folgten. Aus unterschiedlichen Motiven. „Ich möchte spätestens ab Mai selbst Kreuzfahrtschifftouristen auf Englisch durch die Residenz führen“, meinte Annette Sommer. Ursula Draudt nahm an der Führung teil, weil sie Carbone-Gross gut kennt: „Wir singen im gleichen Chor.“ Überhaupt sei es für sie beide eine schöne Sonntagsbeschäftigung, sich durch Würzburg führen zu lassen, ergänzte ihre Freundin Uta Podszalelt.

Gästeführer bilden sich stetig fort

Angela Carbone-Gross gehörte 2001 zu den Gründungsmitgliedern des heute 80-köpfigen Vereins „Würzburger Gästeführer“. Der ist dem Bundesverband der Deutschen Gästeführer (BVGD) angeschlossen, was der Qualitätssicherung und der Professionalisierung dient: „So können wir uns immer am Stand der Gästeführer bundesweit messen.“

15 Würzburger Gästeführer nehmen aktuell an einer Schulung des Bundesverbands teil. Wer besteht, wird nach dem europäischem Standard für Gästeführer zertifiziert. Um sich auf dem Laufenden zu halten, beteiligen sich die 80 Mitglieder des Gästeführervereins auch regelmäßig an überregionalen Tagungen. Kürzlich war man in Leipzig bei der BVGD-Jahresversammlung: „Dank solcher Tagungen können wir immer wieder feststellen, dass wir in Würzburg wirklich eine sehr gute Ausbildung genießen, die sich bundesweit sehen lassen kann.“

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