Würzburg

Was die OB-Kandidaten zur Löwenbrücke sagen

Wie können Radfahrer bei der Überquerung der Löwenbrücke geschützt werden? Um diese Frage zu beantworten, haben Radverbände die OB-Kandidaten zu einer Tour eingeladen.
Ausgebremst an der Ampel über die Leistenstraße: Hans-Jürgen Beck von der Agenda 21 (2.v.r.) und Thilo Wgenhöfer vom ADFC (links) haben den Kommunalwahlkämpfern (v.ln.r.) Volker Omert, Dagmar Dewald, Christian Schuchardt, Sebastian Roth und Martin Heilig bei einer Radtour die Problemstellen im Stadtgebiet gezeigt. Foto: Patrick Wötzel

Dass alle sechs Bewerberinnen und Bewerber um den Chefsessel im Würzburger Rathaus sich mehr oder weniger stark für den Radverkehr einsetzen wollen, ist nach einigen Monaten Kommunalwahlkampf hinlänglich bekannt. Wo nach ihrer Ansicht noch einiges im Argen liegt, haben Vertreter von ADFC und der AG Radverkehr der Agenda 21 den OB-Kandidaten am Samstag bei einer zweistündigen Radtour rund um die Innenstadt deutlich gemacht.

Neben bekannten Problemstellen wie an der Balthasar-Neumann-Promenade oder am Berliner Ring ging es dabei vor allem auch um die enge Löwenbrücke, die für Radfahrende derzeit eigentlich nur auf den Gehsteigen einigermaßen sicher zu überqueren ist. Eine von der Verwaltung vorgeschlagene Umgestaltung hatte der Radverkehrsbeirat vor gut drei Jahren abgelehnt, weil dabei der PKW-Verkehr weiterhin absoluten Vorrang gehäbt hätte.

Eine Autospur soll wegfallen

Bei der Kandidaten-Radtour haben Thilo Wagenhöfer vom ADFC und Hans-Jürgen Beck von der AG Radverkehr einen neuen Vorschlag präsentiert: Auf der Löwenbrücke soll eine Autofahrspur wegfallen und die Straba-Gleise in die Mitte verlegt werden. Dadurch wäre auf beiden Seiten Platz für abgesicherte Radstreifen. Diese sollen auf beiden Seiten der Brücke fortgesetzt werden.

An der Kreuzung Mergentheimer Straße/Leistenstraße/Saalgasse, die täglich von bis zu 22 000 Autos passiert wird, schlagen die Radverkehrs-Aktivisten eigene Ampeln für Radfahrer vor, die den Autoverkehr komplett zum Stehen bringen, während Radler aus allen Richtungen die Kreuzung befahren.

OB-Kandidaten sind unterschiedlicher Meinung

Sollte eine Verlegung der Straßenbahnschienen kurzfristig nicht möglich sein, soll als Interimslösung zunächst die Fahrspur auf der nördlichen Brückenseite in einen Zwei-Richtungs-Radweg umgewandelt werden. Als mögliche Alternative für die Radampeln an der Leistenstrassenkreuzung beinhaltet der Vorschlag große Aufstellflächen für Radfahrende vor den an den Lichtsignalanlagen wartenden PKW.

Die OB-Kandidaten äußerten sich vor Ort unterschiedlich begeistert. Für Dagmar Dewald ist es ein Idealvorschlag, "weil es schnell zu verwirklichen ist und außerdem den Autoverkehr etwas zurücknimmt". Auch gegen die Interimslösung mit Zweirichtungsradverkehr hat die ödp-Bewerberin nichts einzuwenden. Sebastian Roth (Linke) würde zwei einzelne Radstreifen bevorzugen: "Der Vorschlag ist es wert, darüber nachzudenken."

SPD-Fraktion möchte Balkon anhängen

Kerstin Westphal kann derzeit aus gesundheitlichen Gründen nicht aufs Fahrrad steigen, daher wurde die SPD-OB-Kandidatin von Lore Körber-Becker vertreten. Die Stadträtin begrüßte vor allem die Vorschläge für die Verkehrsregelung der Leistenstraßenkreuzung: "Das sollte man prüfen und umsetzen. Auf der Kreuzung ist ausreichend Fläche dafür vorhanden." In Sachen Löwenbrücke erinnerte Körber-Becker an den Vorschlag ihrer Fraktion, einen Balkon für Radler an eine Seite der Brücke zu hängen.

"Wenn sich der Stadtrat darauf verständigen kann, entsteht eine sichere Querung über den Main, mit der wir zwei Brückenprobleme gelöst bekommen."
Oberbürgermeister Christian Schuchardt

Deutlich skeptischer äußerten sich die übrigen drei Kandidaten, die eine eigene Fußgänger- und Radbrücke über den Main bevorzugen, die derzeit auch bereits vom Baureferat geplant wird. "Ich möchte das nachhaltig verfolgen", betonte Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU): "Wenn sich der Stadtrat darauf verständigen kann, entsteht eine sichere Querung über den Main, mit der wir zwei Brückenprobleme gelöst bekommen." Der OB geht nämlich davon aus, dass sich mit einer Radbrücke an der Löwenbrücke auch der Radverkehr über die Alte Mainbrücke reduzieren lässt.

Heilig und Omert auch für Neubau

Auch Martin Heilig (Grüne) glaubt mittelfristig eher an die neue Radbrücke, deren Planung und Bau er nicht dadurch gefährden möchte, dass zu viel Zeit und Geld in eine Umgestaltung der engen Löwenbrücke gesteckt werden. Und auch für Volker Omert (FWG) ist eine Radbrücke die realistischste Variante: "Wenn das mit Nachdruck verfolgt wird, sehe ich Realisierungschancen in zwei bis drei Jahren."

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