Würzburg

Was sich hinter einer Tür am Nikolausberg verbirgt

Die Tür am Mainleitenweg ist fest verschlossen, und das muss auch so sein – aus Sicherheitsgründen. Hinter der Tür steckt ein Stück Würzburger Weinbaugeschichte.
Klaus Wichmann hat diese Tür aus Sicherheitsgründen anbringen lassen. Foto: Eva-Maria Bast

Irgendwann wurde Klaus Wichmann die Sache zu heiß. „Da hätte jederzeit jemand reinfallen können“, sagt er, „und es geht immerhin achteinhalb Meter in die Tiefe.“ Also ließ der Vorsitzende der benachbarten und 1392 erstmals urkundlich erwähnten Schützengesellschaft kurzerhand eine Mauer nebst Tür vor den tiefen Brunnen bauen. „Ich sehe oft Leute vorbeikommen und rätseln, was sich wohl hinter diesem Eingang verbirgt“, erzählt er. „Wobei die meisten heute ohnehin nicht mehr zu Fuß kommen, wie das noch in den 1970er und 1980er Jahren der Fall war. Die meisten fahren mit dem Auto zum Ausflugslokal Schützenhof auf dem 359 Meter hohen Nikolausberg.“

Vermutlich diente der Brunnen zur Weinbergsbewässerung

Denen, die gelaufen sind und dann grübelnd vor der Tür stehen, gibt der Würzburger aber gern Auskunft: Der Brunnen sei vermutlich zur Bewässerung für die Weinberge angelegt worden. Er sei permanent aktiv, je nach Jahreszeit mit mehr oder weniger Wasser. Zum Trinken sei das kühle Nass allerdings nicht geeignet – da es mit Halogenkohlenwasserstoff verunreinigt ist. „Das kommt unter anderem von der Düngung der landwirtschaftlich genutzten Flächen hier oben auf dem Nikolausberg“, sagt Wichmann und ergänzt: „Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Berg bis auf die Platanenallee zum Käppele noch ganz kahl – es standen hier nur Weinreben, aber Bäume oder Landwirtschaft gab es noch nicht.“

Zur Entstehungszeit des Brunnens – wohl im ausgehenden 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts, schätzt der Vorsitzende der Schützengesellschaft, sei der ganze Berg von Weinreben überzogen gewesen. „Alle Mauern – die man heute noch sieht – waren Weinbergmauern, die die bepflanzten Hügel stützten. Es gab vom Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts keinen Hektar rund um Würzburg an den Hängen, der nicht mit Wein bepflanzt war.“

Die Weinbergslage hieß "Würzburger Mainleite"

Der weltweit bekannte Frankenwein hat in Würzburg eine lange Tradition: Schon 779 wurde die Weinrebe erstmals urkundlich erwähnt. Zu Berühmtheit verhalf ihm auch das Bürgerspital. Noch heute zählt dieses mit 120 Hektar Anbaufläche zu den größten Weinbaubetrieben Würzburgs. Die Lagen, die auf dem Nikolausberg berg-und talseits des „Mainleitenwegs“ angebaut wurden, hießen „Würzburger Mainleite“. Allerdings gab es hier lange keinen Weinbau mehr. „Die Osthänge eignen sich nicht so gut für den Weinbau wie die reinen Südhänge“, erklärt der Fachmann. „Doch in letzter Zeit wird hier auch wieder angebaut.“ Wichmann freut sich darauf, den neu angebauten Wein zu probieren.

Text: Eva-Maria Bast

Der Text stammt aus dem Buch „Würzburger Geheimnisse - Band 2“ von Eva-Maria Bast, das in Kooperation mit der Main-Post entstand. Das Buch enthält 50 Geschichten zu historischen Geschehnissen und Orten. Präsentiert werden die Begebenheiten jeweils von Würzburger Bürgern.

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