Würzburg

Was tut die EU für die Region Würzburg?

Europapolitik findet nicht nur in Brüssel und Straßburg statt, sondern auch vor Ort. Wie die EU die Stadt und den Landkreis unterstützt. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Die Europäische Union (EU) wählt. Vom 23. bis 26. Mai findet zum neunten Mal die Wahl zum EU-Parlament statt. In Deutschland wird wie üblich am Sonntag gewählt. Dass die EU nicht nur in Brüssel und Straßburg, sondern auch vor Ort stattfindet, zeigen zehn ausgewählte Förderbeispiele aus Stadt und Landkreis. Mit diesen Töpfen fördert die EU in der Region:

Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt das Wachstum der Wirtschaft, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Verbesserung der Lebensqualität und eine nachhaltige Entwicklung. Die Auswahl und Abwicklung der geförderten Projekte erfolgt in den Ländern. In Bayern stehen dafür im Förderzeitraum von 2014 bis 2020 rund 495 Millionen Euro bereit.

Mehr als zwei Milliarden Euro fließen insgesamt nach Bayern

Im Europäischen Sozialfonds (ESF) stehen für Projekte in Bayern rund 298 Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel sollen die Beschäftigung fördern (157 Millionen Euro), Armut bekämpfen (79 Millionen Euro) und in Bildung investiert werden (50 Millionen Euro). Den ESF gibt es seit 1957. Bis Ende April wurden in Bayern 1580 Projekte in der laufenden Förderperiode gefördert.

Der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) fördert die Erhaltung und Verbesserung von Ökosystemen sowie die Steigerung der wirtschaftlichen und sozialen Attraktivität des ländlichen Raums. Die Umsetzung erfolgt direkt in den Mitgliedsländern. Für Bayern stehen im aktuellen Förderzeitraum rund 1,52 Milliarden Euro zur Verfügung.

Landesgartenschau

Der Spielplatz in den Terrassengärten auf dem Landesgartenschaugelände ist gut besucht. Foto: Patty Varasano

Um zur Landesgartenschau 2018 in Würzburg eine Grün- und Erholungsanlage am Hubland zu errichten, förderte die EU die Konversion des ehemaligen US-Militärgeländes Leighton Barracks mit rund 3,7 Millionen Euro. Auch am Bau des Belvedere-Bereichs beteiligte sich der Fonds. Vom Gartenschaugelände bleiben 21 Hektar als öffentliches Grün dauerhaft erhalten. Damit ist es fast so groß wie der 27 Hektar große Ringpark. Auch die Eschenallee mit den Sportfeldern, der Terrassenpark mit Wasserspielplatz und Gartenoase, der Wiesenpark, der Alte Park und alle fest eingebauten Spielgeräte bleiben bestehen.

Sanierung

Das Landesamt für Finanzen in der Weißenburgstraße wird derzeit energetisch saniert. Foto: Jürgen Sterzbach

Das Landesamt für Finanzen und das Staatliche Bauamt werden derzeit modernisiert. Beide Gebäude in der Weißenburgstraße gehören zu einem Ensemble, das zwischen 1971 bis 1974 errichtet wurde. Die EU unterstützt die energetische Sanierung und fördert den Umbau des Bauamts mit 2,5 Millionen Euro. Dach, Fassade und Heizung werden erneuert. Dadurch sollen rund 217 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr weniger ausgestoßen werden. Zum Vergleich: Ein Deutscher erzeugt rund neun Tonnen pro Jahr. Auch das benachbarte Landesamt für Finanzen wird mit EU-Mitteln erneuert: 3,1 Millionen Euro kommen hierzu aus dem EFRE-Fonds.

Forschung

Mehrere Millionen Euro aus EU-Fonds unterstützen die Uni Würzburg bei der Forschung. Foto: Patty Varasano

Mehrere Projekte unterstützt die EU an der Universität, bei denen die Forscher aus unterschiedlichen Fachbereichen mit kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der Region kooperieren, beispielsweise die Beobachtung von Meteoren (230 000 Euro), die Erforschung von Bienenhaltung mit Sensortechnik (1,3 Millionen Euro), zur Behandlung von muskuloskelettalen (1,5 Millionen Euro) und von thrombo-inflammatorischen (1,8 Millionen Euro) Erkrankungen, zur Erforschung einer personalisierten Immuntherapie für Krebspatienten (2,5 Millionen Euro) und zur Digitalisierung von Geschäftsmodellen (2,0 Millionen Euro).

Digitalisierung

Die Absolventen der Weiterbildung zum Social-Media-Manager erhalten ihre Zertifikate. Foto: TGZ Würzburg

Das Technologie- und Gründerzentrum in Würzburg verbindet Wirtschaft und Wissenschaft im Bereich der Digitalisierung. Die Kooperation trägt dazu bei, Fachwissen schneller an die Entscheider in der Wirtschaft zu transferieren. Im Projekt Mainfranken 4.0 bringen die Kooperationspartner ihre Kompetenzen ein und bieten fachspezifische Weiterbildungen zum Social-Media-Artist, User-Experience-Manager, Projektmanager Digitale Medien, zur IT-Sicherheit und zum Cloud Computing an. Dank einer EU-Förderung von mittlerweile 936 000 Euro können die Teilnehmer ihre Zusatzqualifikation günstiger erwerben.

Kulturdenkmal in Zell

Die Rosenbaumsche Laubhütte in Zell am Main wurde mit EU-Geldern wiederaufgebaut. Foto: Sabine Pichler

Mit der Rosenbaumsche Laubhütte wurde im Oktober 2018 in Zell am Main ein Kulturdenkmal eröffnet, das fast vergessen und bislang unzugänglich war. Die Besucher des Informationspunktes für jüdische Kulturgeschichte erfahren dort Wissenswertes über das Leben und Wirken von Mendel Rosenbaum (1783 bis 1868) und seiner Familie im ehemaligen Wirtschaftshof des Unterzeller Klosters. Das Denkmal gibt auch Einblicke in das Laubhüttenfest und wie es von der Familie Rosenbaum im 19. Jahrhundert begangen wurde. Aus dem EU-Fonds zur Förderung des ländlichen Raums wurde der Wiederaufbau mit 25 000 Euro gefördert.

Kulturscheune in Rottendorf

Veranstaltungsort auf dem Gut Wöllried in Rottendorf Foto: Ralf Kuhn

Das Gut Wöllried im Osten Würzburgs hat eine lange Geschichte. Seit fast 800 Jahren besteht das landwirtschaftliche Anwesen auf Rottendorfer Gebiet. Erstmals wurde es im Jahr 1230 erwähnt. Im 18. Jahrhundert galt der Hof als landwirtschaftliches Mustergut und wurde zur Wiege des Kartoffelanbaus in der Region. Während das Gut Jahrzehnte lang vom schleichenden Verfall geprägt war, wurde die Scheune zu einem modernen Veranstaltungsort umgebaut. Die EU förderte sie und den angrenzenden Ulrichsaal mit rund 150 000 Euro aus dem Leader-Programm.

Kirchgaden in Thüngersheim

Die Kirchgaden erweitern nach ihrer Sanierung das kulturelle Angebot in Thüngersheim. Foto: Gemeinde Thüngersheim, Florian Hammerich

Über viele Jahre hinweg standen sechs teils mittelalterliche Kirchgaden in Thüngersheims zentraler Lage leer – es drohte der Verfall. Die Gemeinde erkannte das Potenzial der denkmalgeschützten Gebäude und entwickelte ein Konzept zur Sanierung und Nutzung. Zehn Jahre wurde geplant, zwei Jahre gebaut. Die WeinKulturGaden bieten Platz für die Veranstaltungen der Gemeinde, der Bürger und der Vereine. Die Gaden erweitern Thüngersheims kulturelles Angebot und steigern die Attraktivität und Bekanntheit der Landkreisgemeinde. Zu den Baukosten steuerte die EU aus ihren Fonds rund 570 000 Euro bei.

Interaktive Erlebnistour

Ein Traktor namens Konni führt mit einer interaktiven Tour durch den Würzburger Norden. Foto: Christian Ammon

Die EU fördert im Landkreis nicht nur einzelne Gemeinden. Auch die Kommunale Allianz Würzburger Norden wurde bei der Umsetzung ihrer Mehr-als-Kraut-und-Rüben-Tour finanziell unterstützt. Die interaktive Tour verzichtet auf aufwändige Tafeln, sondern führt per Smartphone oder Tablet durch den Würzburger Norden und die zehn Mitgliedsgemeinden der Allianz. Vor Ort sind rund 90 Stationen multimedial dargestellt. Ihr Ziel ist es, die Besonderheiten der Dörfer und der Kulturlandschaft ins Bewusstsein zu rücken. Mit 42 000 Euro förderte die EU die technische Realisierung und die Produktion von Texten, Fotos und Videos.

Bürgerhof in Erlabrunn

Richtfest in Erlabrunn: Auch den Bau eines Bürgerhofs unterstützt die EU finanziell. Foto: Herbert Ehehalt

Anstelle des Weckesser-Hauses entsteht im Erlabrunner Ortskern ein Bürgerhof. Dabei wird aus dem denkmalgeschützten Gebäude ein multifunktionaler Bürgertreff mit Kulturscheune, Ratssaal und Café. Wegen seines finanziellen Umfangs war das rund zwei Millionen teure Vorhaben zunächst umstritten. Von der Zusage der Fördermittel hatte Erlabrunns Gemeinderat die Umsetzung abhängig gemacht, wobei sich eine Bürgerbefragung in der Mehrheit dafür ausgesprochen hatte. Mit dem EU-Zuschuss von 656 000 Euro aus dem Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums konnte das Projekt schließlich verwirklicht werden.

Dorferneuerung

Die EU fördert Gemeinden bei der Dorferneuerung und beim Ausbau der Infrastruktur. Foto: Daniel Peter

Für die Dorferneuerung und den Ausbau der Infrastruktur stellt das ELER-Programm rund zwölf Millionen Euro pro Jahr bereit. „Die Förderung ist ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung unserer ländlichen Gebiete und unterstützt das Ziel gleichwertiger Lebensbedingungen in ganz Bayern“, erklärt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Die EU unterstützt beispielsweise den Bau von Gemeinschaftshäusern oder die Gestaltung von Dorfplätzen. Im Landkreis Würzburg wurden ebenso Rottendorf mit 384 000 Euro, Uettingen mit 380 000 Euro, Greußenheim mit 825 000 Euro und Neubrunn mit 762 000 Euro gefördert.

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