Bergtheim

Wassermangel in der Region sorgt für Ärger und Zukunftsängste

Reichlich Gemüse wird im Würzburger Norden angebaut – und das braucht viel Wasser. Das wird aber immer weniger.  Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Seit 2002 fehlt in Unterfranken Regen. Besonders trocken ist es im Norden von Würzburg, in der fränkischen Trockenplatte. Gleichzeitig pumpen Landwirte dort hunderte Millionen Liter Wasser aus bis zu 150 Meter Tiefe, um ihre Felder zu bewässern. Das Grundwasser wird seit Jahren immer weniger – und ist mittlerweile an der Messstelle bei Hausen (Lkr. Würzburg) auf einem sehr niedrigem Niveau, sagt das Bayerische Landesamt für Umwelt. 

Dass das Wasser knapp wird, hat die Behörden 2016 alarmiert: Seitdem überlegen Fachleute, Politiker und Bauern, wie sich Wasser sparen lässt. Beschränkt wurde der Verbrauch von den Behörden bislang aber nicht. Im Gegenteil: Die Landwirtschaft durfte 2018 in diesem Gebiet zwischen Werneck und Würzburg sogar drei Millionen Liter mehr Grundwasser entnehmen als vor drei Jahren. 

Mehr Nitrat im Wasser

Warum ist das so und wer braucht diese riesigen Wassermengen? Antworten hat die Redaktion in Gesprächen mit Bürgermeistern, Behördenvertretern, Bauern und Bewohnern der Bergtheimer Mulde im Landkreis Würzburg gesucht. Die Stimmung ist angespannt.         

"Das Grundwasser ist so niedrig wie noch nie", sagt Bürgermeister Konrad Schlier zum Zustand der Bergtheimer Quelle, die die Gemeinde bislang mit Trinkwasser versorgte. Demnächst wird sie zur Fernwasserversorgung Franken wechseln. "Damit wir auch in Zukunft eine sichere Trinkwasserversorgung haben", erklärt Schlier. Neben der sinkenden Grundwassermenge mache auch die damit verbundene Zunahme der Nitratkonzentration Probleme. 

Das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg beurteilt die Situation anhand eigener Messungen nicht als dramatisch. "Es deutet sich eine fallende Tendenz der Grundwasserstände an", erläutert Behördenleiter Herbert Walther auf Anfrage dieser Redaktion. Der Grund sei die Trockenheit der vergangenen Jahre und die Situation an anderen Orten in Bayern sei ähnlich. Das Bayerische Landesamt für Umwelt wird etwas konkreter. Zumindest für die Gemeinde Hausen lässt sich sagen, dass die Grundwasserstände hier zwischen 2005 bis 2019 um durchschnittlich 1,60 Meter abgenommen haben.

Beregnete Flächen haben sich fast verdoppelt 

Auch die Wasserfachleute der Regierung von Unterfranken betonen, dass es keine Beweise dafür gebe, dass die Grundwasserabnahme mit der Bewässerung von 900 Hektar Feldern in der Bergtheimer Mulde zu tun hat. Seit 2006 hat sich diese Fläche laut dem Bayerischen Umweltministerium fast verdoppelt.     

Unter Folien werden auf trockenen Böden in Oberpleichfeld Zucchini angebaut, die viel Wasser brauchen.   Foto: Obermeier

 "Es sind zu viele Wasserrechte vergeben worden", sagt CSU-Politiker Konrad Schlier. Der Bürgermeister von Bergtheim kämpft seit Jahren bei den Behörden vergeblich darum, dass diese reduziert werden. Es gebe zwar Gesprächsrunden und Pilotprojekte, die wichtig seien, doch wichtiger wäre, die Wassermenge zu reduzieren, die Betriebe abpumpen dürfen.

Dass dies bislang nicht passiert, erklärt das Wasserwirtschaftsamt damit, dass sich diese Menge am 30-jährigen Durchschnitt der Grundwasserneubildung orientiert. Außerdem werden seit drei Jahren keine Entnahmemengen über fünf Millionen Liter genehmigt. Wasserrechte haben eine Laufzeit zwischen 15 und 20 Jahre.

Wasser bedeutet Gewinn 

"Wir werden doch für dumm verkauft", sagt eine Frau aus dem nördlichen Landkreis Würzburg. "Jeder kann sehen, dass immer größere Flächen beregnet werden und zwar so massiv, dass das Wasser auf dem Acker steht." Sichtbar sind zwischen Würzburg und Werneck immer mehr Folientunnel, unter denen auf mehreren Hunderttausend Quadratmeter Gemüse angebaut wird – hier muss permanent bewässert werden. 

"Es sind zu viele Wasserrechte vergeben worden."
Konrad Schlier, CSU-Bürgermeister in Bergtheim

623 Millionen Liter Wasser dürfen die Landwirte in der Bergtheimer Mulde aus dem Boden pumpen. Zwei Groß-Betriebe dürfen jeweils über 100 Millionen Liter entnehmen. Und  Wasser bedeutet Geld: Wer bewässert, kann zweimal im Jahr ernten und muss keine Ausfälle fürchten. Kosten verursacht der Bau von Brunnen und Leitungen, das Wasser ist umsonst. 

Die Familie Schlereth gehört zu den zwei größten Gemüseanbauern. "Unsere Wasserentnahme hat sich in den letzten Jahren sogar etwas reduziert", sagt Martin Schlereth. "Auch, weil wir mit neuen Bewässerungsmethoden Wasser sparen und mehr biologisch anbauen."

Benno Wörle baut Gemüse ganz ohne Bewässerung an. "Kraut, Rüben oder Zwiebeln gehen auch so", sagt der Bio-Bauer. Heuer hätten die Sommerniederschläge für eine durchschnittliche Ernte gelangt. Auch konventionelle Kollegen würden Rotkraut so anbauen. "Da sind die Köpfe halt kleiner."      

Aus Brunnen pumpen Landwirte Grundwasser und bewässern damit ihre Gemüsefelder. Foto: Daniel Peter

Dass im fränkischen Trockenland einige Landwirte riesige Mengen an Grundwasser entnehmen, andere hingegen fast leer ausgehen, sorgt für Unmut unter den Landwirten. Kreisbäuerin Martina Wild kennt diese Konflikte. "Nicht alle ziehen an einem Strang", sagt sie und weiß, dass eine "gemeinschaftliche Bauernschaft" gerade schwierig herzustellen sei.

"Ich habe Angst vor der Zukunft", sagt ein Landwirt, der ebenso wie die Frau anonym bleiben will. Er beobachtet seit langem, dass Quellen und Brunnen sowie Bäche, zum Beispiel die Pleichach im Landkreis Würzburg, austrocknen. Der sinkende Grundwasserspiegel bedrohe die Menschen, die Umwelt und auch die Bauern. "Wenn es unten im Boden so trocken ist, dass kein Wasser mehr nach oben kommen kann, wächst ohne Beregnung bald gar nichts mehr", erklärt der Mann, der seit vielen Jahren hauptsächlich Getreide anbaut.

Bergtheimer Mulde
Die Bergtheimer Mulde mit einer Gesamtfläche von 130 Quadratkilomter umfasst die Gemeinden Bergtheim, Oberpleichfeld, Unterpleichfeld, Prosselsheim und Kürnach, sowie in den Randbereichen Hausen bei Würzburg im Norden und Ortsteile von Dettelbach im Süden. Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt rund 8500 Hektar. Auf 900 Hektar werden Feldgemüse oder Beeren angebaut, die bewässert werden. 
Im Landkreis Würzburg gibt es nach Angaben des Umweltministeriums 99 Brunnen (Stand 2016). 2018 war den Landwirten insgesamt das Abpumpen von 623 Millionen Liter Wasser im Jahr genehmigt, gemeldet wurde dem Landratsamt Würzburg eine Entnahme von 450 Millionen Litern. Zur Trinkwasserversorgung in der Region dürfen rund 450 Millionen Liter im Jahr verbraucht werden. 

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