Würzburg

Wegen Corona: Wird das Abitur bis in den September verschoben?

Aktuell sind die Prüfungen um drei Wochen verschoben. Was passiert, wenn das nicht ausreicht und was Schüler und Lehrer dazu sagen.
Die Abiturprüfungen sollen laut bayerischem Kultusministerium jetzt am 20. Mai beginnen. Doch ob dieser Termin haltbar ist, ist noch offen. 
Die Abiturprüfungen sollen laut bayerischem Kultusministerium jetzt am 20. Mai beginnen. Doch ob dieser Termin haltbar ist, ist noch offen.  Foto: Roland Weihrauch

Am Dienstag hat der bayerische Kultusminister Michael Piazolo verkündet, dass die Abiturprüfungen an den Gymnasien in Bayern verschoben werden. Statt am 30. April beginnen sie nun wegen der Ausbreitung des Coronavirus genau drei Wochen später am 20. Mai. Schüler- und Lehrervertreter in Stadt und Landkreis Würzburg begrüßen diese Entscheidung zwar, ein Ausfall des Abiturs ist aber aus ihrer Sicht auch noch nicht vom Tisch. Die Kultusminster der Länder haben sich am Mittwoch darauf geeinigt, dass die Prüfungen in allen Bundesländern stattfinden sollen. 

Peter Stegmann sieht das ähnlich. Er ist Vorsitzender des Bezirk Unterfranken beim bayerischen Philologenverband, dort sind die Lehrer aller Gymnasien und beruflichen Oberschulen vereint. Er ist gegen eine generelle Absage der Abiturprüfung. Stattdessen empfiehlt er erstmal abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt. Grundsätzlich ausschließen möchte er eine Absage zwar nicht, doch das Abitur könnte auch weiter nach hinten geschoben werden. "Aktuell sind wir bei Plan B, doch auch ein Plan C mit einem Abitur bis in den Juli hinein ist möglich", so Stegmann. Selbst eine dritte Alternative, bei der das Abitur erst zu Beginn des kommenden Schuljahrs geschrieben wird, sei möglich.

Für Martin Heilig steht die Gesundheit an erster Stelle

Etwas anders sieht das Martin Heilig, der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für den Bezirk Unterfranken und Lehrer an einer Berufsoberschule in Marktheidenfeld. "Die Gesundheit der Schüler steht an erster Stelle", findet Heilig. Besonders problematisch sei es aus Sicht von Heilig, die Leistungen für das letzte Halbjahr fair zu bewerten. Weil die Schulen bereits zwei Wochen nach Beginn des Halbjahrs geschlossen wurden, fand dort bisher kaum Unterricht statt. Bei der Abitur-Vorbereitung sieht der ehemalige Würzburger OB-Kandidat eher weniger Probleme. "Es geht hauptsächlich darum, den Stoff zu wiederholen und Probe-Klausuren durchzuarbeiten", erklärt der 44-Jährige. Das könne auch außerhalb der Schule ablaufen. 

Für Martin Heilig, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für den Bezirk Unterfranken steht die Gesundheit der Schüler an erster Stelle.
Für Martin Heilig, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für den Bezirk Unterfranken steht die Gesundheit der Schüler an erster Stelle. Foto: Thomas Obermeier

Sollte sich die Situation nicht verbesern, wäre für ihn auch eine Absage des Abiturs eine Option. Zur Not müsse man halt dann das Abitur möglichst günstig für Schüler hochrechnen, weil es auch viele Schüler gibt, die sich jetzt im Abitur nochmal verbessern wollten, so Heilig. "Es darf wegen des Coronavirus keiner durchs Abitur fallen." 

Petition mit über 100 000 Unterschriften

Ein Abitur, dass sich aus Durchschnittsnoten der vorigen Halbjahre errechnet, ist aus Sicht von Stegman nicht gerecht und möglicherweise auch juristisch anfechtbar. Bei der Vergabe von Studienplätzen wäre hier, laut Stegmann, rechtlich sicherlich einiges möglich. Deshalb ist er gegen einen Schnellschuss und eine zu frühe Absage der Prüfungen. Stattdessen müsse zumindest bis zum Ende der Osterferien abgewartet werden.

Dieser Meinung sind auch über 100 000 Unterstützer einer Petition im Internet. Ins Leben gerufen haben sie zwei Hamburger Schüler unter der Überschrift: Abi 2020 Umdenken - Durchschnittsabitur. Sie fordern die Absage der Prüfungen für 350 000 Abiturienten in Deutschland, auch weil die Schüler aktuell zu Hause unter anderem bei der Betreuung ihrer kleineren Geschwister gefordert sind. Diese Petition hat Heiligs Sohn Anton zwar noch nicht unterschrieben, trotzdem ist auch er im Endeffekt der Meinung, dass die Prüfungen abgesagt werden müssten.

Schüler befürchten Ansteckung bei Prüfungen

Der ehemalige Schülersprecher des Siebold-Gymnasiums in Würzburg befürchtet ebenfalls, dass sich Schüler bei den Prüfungen anstecken könnten. Außerdem sieht er die Vorbereitung gefährdet. "Ich selbst brauche den Präsenzunterricht", so Anton Heilig. Zwar gebe es Fächer, auf die man sich gut zu Hause vorbereiten kann, in anderen sind aber die drei Wochen Schule vor den Prüfungen dringend nötig.

Der Unterricht im eigenen Kinderzimmer funktioniert aktuell noch nicht ganz reibungslos. Da gibt es Fächer, in denen, trotz des Ausfalls der Online-Lernplattform Mebis, alles reibungslos funktioniert. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Lehrer, von denen Heilig seit der Schulschließung nichts mehr gehört hat. Das hat in seinem Fall aber auch damit zu tun, dass diese Fächer nicht relevant sind für das Abitur.

Urlaube wegen Verschiebung abgesagt

Für Nico Orfanidis, angehender Abiturient am Deutschhaus-Gymnasium in Würzburg, müssen die Prüfungen abgesagt werden: "Es ist eine Krise, die mit dem zweiten Weltkrieg verglichen wird." Seinen Urlaub in Frankreich, den er für nach den Prüfungen geplant hatte, musste er wegen der Verschiebung auch absagen. So geht es auch vielen seiner Freunde. Eine weitere Verschiebung, wie sie vom Philologenverband gefordert wird, ist für ihn keine Option. Für zu viele Abiturienten würden dadurch ihre Anschlusspläne zerstört werden. Außerdem fürchtet auch er sich um die Gesundheit der Abiturienten während der Prüfungen. Deshalb unterstützt er auch die die Petition und hat bereits unterschrieben.

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