Würzburg

Wegweiser und Leitplanken für nachhaltige Mobilität

Was in Berlin möglich ist, könnte bald auch in Würzburg machbar sein. In der Bundeshauptstadt startete im Juni das Modellprojekt «KoMoDo» bei dem die fünf großen Paketdienstleister gemeinsam einen Umschlagplatz nutzen. Von der zentralen Station aus werden die Paketkunden  mit Lastenrädern beliefert. Foto: Sina Schuldt/dpa 
Was in Berlin möglich ist, könnte bald auch in Würzburg machbar sein. In der Bundeshauptstadt startete im Juni das Modellprojekt «KoMoDo» bei dem die fünf großen Paketdienstleister gemeinsam einen Umschlagplatz nutzen. Von der zentralen Station aus werden die Paketkunden  mit Lastenrädern beliefert. Foto: Sina Schuldt/dpa 

Wenn es nach dem Votum des Umwelt- und Planungsausschusses geht, hat Würzburg ab sofort einen Masterplan mit konkreten Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Luftqualität: Der vom Bund mit 354 000 Euro geförderte "Green City Plan" ist vom UPA am Dienstag mit großer Mehrheit verabschiedet worden.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt sprach im Ausschuss von einem "Mobilitäts-Konjunkturprogramm für die Stadt". An der Aufstellung des umfassenden Strategiepapiers zur Einhaltung der Stickstoffoxid-Grenzwerte und zur Vermeidung von Dieselfahrverboten haben sich die Bürger intensiv beteiligt: Mehr als tausend Stellungnahmen und Vorschläge sind online, bei einer Bürgerwerkstatt im Friedrich-König-Gymnasium und beim Klimamarkt auf dem Marktplatz eingegangen.

"Wegweiser, Eckpfosten und Leitplanken für eine nachhaltige Mobilität"

"Erforderlich ist ein Bündel von Maßnahmen, um die Grenzwerte einzuhalten und im Idealfall zu unterschreiten", erläuterte Schuchardt: "Gleichzeitig wollen wir ein attraktiver Wohnstandort bleiben und die gute Erreichbarkeit unserer Innenstadt sicherstellen."

Zentrale Aufgabe des Green City Plans ist die Lösung der Verkehrsprobleme, so Umweltreferent Wolfgang Kleiner. Nach seinen Worten sind Dieselfahrzeuge für über 80 Prozent der Belastung mit Stickstoffoxid verantwortlich. Hier setzt der Masterplan an, der dem Stadtrat "Wegweiser, Eckpfosten und Leitplanken für eine nachhaltige Mobilität" zur Verfügung stellt, wie Gebhard Wulfhorst, Professor für Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung an der TU München, betonte.

Ausbau der Straßenbahn zum Hubland ist unverzichtbar

Zu den im Green City Plan vorgeschlagenen konkreten kurz- und mittelfristigen Maßnahmen zur Verringerung des Autoverkehrs gehört unter anderem der Bau der geplanten neuen Straßenbahn vom Hauptbahnhof durch das Frauenland zum Hubland, die Wulfhorst als "nicht verzichtbar" bezeichnete. Im vergangenen November hat die Bundesregierung das "Sofortprogramm Saubere Luft" aufgelegt und bis zu einer Milliarde Euro für Kommunen mit zu hoher Stickstoffbelastung zur Verfügung gestellt.

Staatliche Förderung für die Anschaffung von Elektrobussen

Eine staatliche Förderung ist damit zum Beispiel für die Anschaffung von Elektrobussen, die Nachrüstung von Dieselbussen mit SCRT-Filtern oder für den Aufbau einer digitalen Verkehrssteuerung möglich. Der Green City Plan bildet die Grundlage, um überhaupt Förderanträge stellen zu können. "Bei einigen Maßnahmen hängt die Umsetzung von der Förderkulisse ab", betonte der OB im Ausschuss und versicherte gleichzeitig, dass "das Thema auf der Chefetage angekommen ist".

Die größte Skepsis gab es im Ausschuss bei den von Professor Ulrich Müller-Steinfarth von der Fachhochschule Würzburg/Schweinfurt vorgeschlagenen Maßnahmen in Sachen Logistik: Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte von Paketdiensten, Handwerkern und Speditionen wäre demnach die Maßnahme mit dem größten Effekt: "Die Hoffnung ist groß, dass bei den Dienstleistern ein Umdenken stattfindet", sagte der Logistik-Experte.

Zentrale Lieferpunkte in der Stadt

Zum Beispiel will Marktführer DHL seine gesamte Lieferflotte durch Elektrofahrzeuge ersetzen: "Würzburg steht bei ihnen auf der Agenda weit oben", so Müller-Steinfarth. Der Lieferverkehr in der stark belasteten Innenstadt könnte auch durch so genannte "City Hubs" verringert werden: Lieferungen würden dann an wenigen zentralen Punkten gesammelt und von dort aus mit Lastenrädern an die Kunden ausgeliefert.

Jede Maßnahme muss vor der Umsetzung "vom Stadtrat mit politischem Willen und mit Haushaltsmitteln hinterlegt werden", betonte Patrick Friedl von den Grünen. Der Ausschuss machte den ersten Schritt und befürwortete den Green City Plan mit großer Mehrheit - nur Sabine Wolfinger (CSU) und Uwe Dolata (FWG) waren dagegen. Auch der zweiten Fortschreibung des von der Regierung von Unterfranken aufgestellten Luftreinhalteplans, der ähnliche Ziele verfolgt, wurde zugestimmt. Das letzte Wort zu beiden Punkten hat der Gesamtstadtrat in seiner Sitzung am 5. Juli.

Green City Plan
Zu den konkreten Vorschlägen, mit denen laut Green City Plan kurz- und mittelfristig eine spürbare Reduzierung der Stickstoffoxid-Belastung erreicht werden könnte, gehören

Anschaffung von Elektrobussen
Nachrüstung von Dieselbussen mit wirkungsvollen Filtern
Beratung und Förderung für Fahrzeuge mit alternativem Antrieb
Ausbau öffentlicher und privater Ladestationen für E-Fahrzeuge
umweltorientierte Verkehrssteuerung durch Digitalisierung
Aufbau von Park + Ride-Möglichkeiten in Würzburg und der Region
Aufwertung des Fußverkehrsnetzes
Ausbau der Radverkehrs-Infrastruktur

Marianne Pfaffinger und das Team vom Münchner Büro "Green City" informiert interessierte Bürger zeitgleich mit der Sitzung des Stadtrats am kommenden Donnerstag (5. Juli) ab 14 Uhr im Wappensaal des Rathauses im Detail über alle Maßnahmen des Green City Plans.









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