REGION WÜRZBURG

Weil Deutsche weniger trinken: Mainfranken-Bier nach China

Der Trend ist unverändert: Die Deutschen haben auch 2012 wieder weniger Bier getrunken. Das geht aus den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes hervor. 96,5 Millionen Hektoliter Bier haben die deutschen Brauereien demnach abgesetzt. Die niedrigste Menge seit der Wiedervereinigung. Den nachlassenden Bierkonsum bekommen auch Brauereien in Stadt und Landkreis Würzburg zu spüren.

„Die jungen Leute trinken heute weniger reinrassiges Bier, sondern mehr härtere Sachen.“
Karl-Heinz Pritzl Kauzen-Brauerei Ochsenfurt

Karl-Heinz Pritzl, Chef der Ochsenfurter Kauzen-Brauerei, schildert die Situation als harten Kampf um die Kunden. Zwar ist es ihm gelungen, seinen Umsatz in den vergangenen Jahren zu halten. Wie die anderen Brauereien, muss sich aber auch Kauzen mit weiter verändernden Trinkgewohnheiten auseinandersetzen. „Die jungen Leute trinken heute einfach weniger reinrassiges Bier, sondern mehr härtere Sachen“, sagt der Kauzen-Chef. Cocktails und andere Mischgetränke würden der jungen Generation mit Lockangeboten und Happy Hours in der Gastronomie schmackhaft gemacht.

Auf der anderen Seite steigt die Zahl der älteren Leute. Die aber sind nicht mehr so „trinkfest“ wie die Jugend und bevorzugen alkoholfreie Biere, insbesondere alkoholfreies Weizen, oder greifen gleich zum Wasserglas. Biermischgetränke, die vor allem bei jungen Leuten beliebt sind, stellt auch die Kauzen-Brauerei her. Allerdings nur in beschränktem Umfang. „Mithalten können wir nur beim traditionellen Radler“, sagt Karl-Heinz Pritzl. Neue Mischgetränke im Bewusstsein der Kunden zu verankern, sei mit einem enormen Werbeaufwand verbunden, den eine regionale Brauerei nicht betreiben könne.

Deshalb will Pritzl, zumindest im Augenblick, auch nicht auf den ziemlich erfolgreich dahinratternden Zug der Fassbrause aufspringen. Eine rheinländische Brauerei hatte vor einigen Jahren das schon 100 Jahre alte Rezept aufgegriffen und seiner Produktpalette einverleibt. Ursprünglich war die Fassbrause in Berlin entwickelt worden. Sie bestand aus einer Art Limonade, die in Bierfässer abgefüllt wurde und keinen Alkohol enthielt. Heute werden alle möglichen Mischungen, auch mit alkoholfreiem Bier, als Fassbrause verkauft.

Die alkoholfreien Getränke, die die Kauzen-Brauerei ebenfalls herstellt, bereiten Karl-Heinz Pritzl auch keine ungetrübte Freude. Der Kampf um die Rohstoffe tobt weltweit. So sei in wenigen Jahren der Preis für Orangensaftkonzentrat um 50 Prozent gestiegen, sagt Pritzl. „Und man kann diese Erhöhungen nicht weitergeben.“ Ähnliches gilt für Bierrohstoffe wie wie Gerste. Heute werde mehr und mehr Getreide als Energielieferant für Biogasanlagen angebaut und stehe den Brauereien nur noch zu deutlich gestiegenen Preisen zur Verfügung, sagt der Kauzen-Chef.

Weder die Rohstoffsituation noch die Trinkgewohnheiten der Deutschen kann er beeinflussen. Er sieht die Zukunft seines Unternehmens im Erschließen neuer Märkte wie Italien, den Niederlanden und ganz besonders China, wohin die Brauerei fleißig exportiert. Und in der Qualität. „Wir müssen besser sein als die Massenbiere“, sagt Pritzl. „Die Verbraucher honorieren das, auch wenn es teurer ist.“

Dietrich Oechsner, Chef der Ochsenfurter Privatbrauerei Oechsner, setzt auf Regionalität. „Wir haben ein kleines Plus beim Umsatz erzielt und führen das auf dieses Thema zurück“, sagt der Brauereichef. Schwerpunkt für die Vermarktung seiner Biere ist die Region um Ochsenfurt. „Kurze Wege garantieren frisches Bier, und frisches Bier ist besseres Bier.“ Das Sortiment nichtalkoholischer Getränke rundet das Geschäft ab. Die beliebten Bier-Mischgetränke haben für Dietrich Oechsner hingegen nicht die höchste Priorität. „Diese Getränke sind sehr schnelllebig“, sagt er. Trotzdem müsse man den Markt natürlich ständig im Auge behalten.

Der allgemein rückläufige Trend beim Bierabsatz ist auch an der Würzburger Hofbräu, zu der auch die Keiler Brauerei in Lohr gehört, nicht spurlos vorübergegangen. Michael Krasser, der Kaufmännische Geschäftsführer der über 100 Mitarbeiter zählenden Brauerei, kann jedoch mit gewissem Stolz darauf verweisen, dass der Rückgang hier geringer ausgefallen ist als im Branchendurchschnitt. Genaue Zahlen will er allerdings auf Anfrage unserer Zeitung nicht nennen.

„Wir werden auch in Zukunft weniger Energie in unrentable Märkte wie Norddeutschland stecken.
Michael Krasser Hofbräu Würzburg

Die eher gute Entwicklung führt Krasser darauf zurück, dass es gelungen sei, die „Vormachtstellung“ der Hofbräu in Unterfranken auszubauen. So habe man unter anderem einen deutlichen Zuwachs bei Festveranstaltungen verzeichnet. „Wir werden uns auch in Zukunft auf unser Kerngebiet einschließlich des südhessischen und des nordbadischen Raumes konzentrieren und weniger Energie in unrentable Märkte wie Norddeutschland stecken, erläutert Krasser die Strategie.

Ein Markt bleibt außer Franken für die Hofbräu aber nach wie vor wichtig: der amerikanische. „Hier sind wir in den letzten Jahren stark gewachsen“, sagt Krasser und verweist darauf, der die Würzburger Hofbräu erst vor kurzem für sein Pils bei der New York Beer Competition als „Germany Brewery of the Year“, also als Brauerei des Jahres ausgezeichnet worden ist.

Auch mit neuen Produkten will sich die Hofbräu der Herausforderung stellen. Für die nächste Woche kündigt Krasser die Markteinführung dreier neuer Biersorten an, zwei von der Hofbräu, eine von Keiler, die im Geschmack und in Ausstattung speziell auf das Konsumverhalten jüngerer Menschen abgestellt sind und das Gesamtsortiment ergänzen.

Krasser ist jedenfalls optimistisch, dass es die Würzburger Hofbräu als eines der ältesten noch existierenden Unternehmen noch lange geben wird.

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