Randersacker

Weinbergsmauer: Das Denkmal jetzt als Schandfleck?

Wegen ihrer Baufälligkeit sei das Vernetzen der ehemaligen Weinbergsmauern unbedingt nötig, heißt es aus dem Staatlichen Bauamt. Die Marktgemeinde fühlt sich übergangen.
Die Marktgemeinde fühlt sich übergangen: Das neue Sicherungsnetz an der ehemaligen Weinbergsmauer zwischen Randersacker und Würzburg.
Die Marktgemeinde fühlt sich übergangen: Das neue Sicherungsnetz an der ehemaligen Weinbergsmauer zwischen Randersacker und Würzburg. Foto: Antje Roscoe

Die Weinbergsmauer zwischen Randersacker und Würzburg wurde auf gut zwei Kilometern vom Staatlichen Straßenbauamt mit grünen Netzen gesichert. Bürger und der Marktgemeinderat in Randersacker sind aufgebracht.

Die Überraschung bei Bürgermeister Michael Sedelmayers Rückkehr aus dem Urlaub war gelungen. Das Randersackerer Denkmal, die Weinbergsmauer, ist großflächig mit Sicherungsnetzen bespannt. Der zuständige Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt, Knut Wolfram, teilte auf Anfrage mit, dass seit Anfang des Jahres eine systematische und vollständige Erfassung der Mauer-Bauwerke erfolge, mit Vermessung und Dokumentation. Wegen ihrer Baufälligkeit sei die Vernetzung der ehemaligen Weinbergsmauern unbedingt notwendig geworden, um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, so Wolfram. Bereichsweise erfolgte die Sicherung auch für die hinter den Mauern liegenden Wirtschaftswege.

Denkmal gesichert.  
Denkmal gesichert.   Foto: Antje Roscoe

Marktgemeinderat fühlt sich übergangen 

Übergangen und bevormundet fühlt sich dabei der Marktgemeinderat, der in seiner Sitzung am Mittwoch dieser Woche mit seiner Entrüstung "für diesen Anblick" nicht hinter den Berg halten wollte. Dass kein Einvernehmen hergestellt wurde, nicht einmal eine Information an die Gemeinde gegeben wurde, stößt bitter auf. "Es gibt dieses Netz auch in Grau", monierte Bruno Schmitt (CSU) für den optischen Aspekt. "An Hässlichkeit nicht zu überbieten" bzw. "der längste Schandfleck Unterfrankens", zitierte Bürgermeister Michael Sedelmayer die Kommentare und Beschwerden, die er derzeit zu hören bekommt. Die Art der Sicherung weckte aber auch den Argwohn, dass sie auf lange Zeit, Bestand haben könnte, "dass die nächsten zehn Jahre lang nichts passiert", so Schmitt. Jürgen Hart (UWG) sieht in den grünen Netzen gar die Vorstufe zum Abbruch.

Die Bruchsteinmauer entlang der ehemaligen Chaussee von Würzburg nach Randersacker war 1994 mit Wappensteinen, Bildstöcken, Treppen und Weinbergshäuschen, zumeist aus dem 17. und 18. Jahrhundert, unter Denkmalschutz gestellt worden. Sie befindet sich auf Randersackerer und ab dem Teufelskeller (Alandsgrund) auf Würzburger Gemarkung. Entsprechend hat auch Stadtrat Heinz Braun (ödp) bereits eine Anfrage zu den Vorgängen für den Bauausschuss formuliert.

Ein Schandfleck?
Ein Schandfleck? Foto: Antje Roscoe

Seit den 1980er Jahren nämlich befindet sich die Weinbergsmauer im Besitz des Freistaates Bayern. Dieser hatte sie erworben, um die damalige Bundesstraße 13 (jetzt Staatsstraße 2449) vierstreifig ausbauen zu können. Damals war der Abbruch vorgesehen, letztlich aber der vierspurige Ausbau verworfen worden. Zeitgleich hatte ein Flurbereinigungsverfahren stattgefunden, bei dem die alten Weinbergsmauern von hinten weitgehend freigelegt wurden. Die Konstruktion wurde damit ihrer Funktion und Statik beraubt. "Sie wäre gesichert geblieben und nie in diesen Zustand gekommen, wie es jetzt ist", reklamierte Schmitt. Winzern bzw. der Gemeinde sei es aber Jahrzehnte nicht erlaubt gewesen, sie zu hinterfüllen.

Umfangreiche Abstimmungen zum weiteren Umgang

Zum weiteren Prozedere teilt Wolfram mit, dass er von "umfangreicheren Abstimmungen" ausgeht, "bevor uns ein abgestimmtes Konzept zum weiteren Umgang mit diesen Mauern vorliegt". Die Abstimmung mit allen betroffenen Verwaltungen – auch dem Markt Randersacker und der Stadt Würzburg – soll ab nächstes Jahr passieren, um die "Planungen zur baulichen Sicherung und Instandsetzung der ehemaligen Weinbergsmauern vorzubereiten". Was die genaue Zielsetzung für die Mauer angeht und auch den zeitlichen Rahmen, bleibt Wolfram vage und formuliert eine sukzessive Umsetzung notwendiger Baumaßnahmen.

Für die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt scheint die Netz-Sicherung und die Abstimmung im kommenden Jahr sachgemäß. Sie teilt auf Anfrage mit: "Gemäß dem Bayerischen Denkmalgesetz sind die Eigentümer bzw. Verfügungsberechtigten u. a. verpflichtet, Baudenkmäler grundsätzlich instandzuhalten bzw. instandzusetzen, soweit dies zumutbar ist." Das Staatliche Bauamt Würzburg komme dieser Verpflichtung durch die derzeitigen vorbereitenden Untersuchungen nach, da auf dieser Basis und unter Beachtung der denkmalschutzrechtlichen Anforderungen die Sanierung der Weinbergsmauern geplant werden solle.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Randersacker
  • Antje Roscoe
  • Baudenkmäler
  • Baumaßnahmen
  • Bauwesen und Bauwerke
  • Bruno Schmitt
  • CSU
  • Denkmäler
  • Heinz Braun
  • Jürgen Hart
  • Sanierung und Renovierung
  • Stadt Würzburg
  • Stadträte und Gemeinderäte
  • Straßenbauämter
  • Verkehrsteilnehmer
  • Ökologisch-Demokratische Partei
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!